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Ausführliche Begriffsbeschreibung

Elite


Der Begriff Elite wurde vom lateinischen Verb eligere (auswählen) bzw. vom französischen Verb élire (wählen) abgeleitet. Er wird unscharf verwendet. Je nach Bezugsrahmen spricht man etwa von Bildungs-, Leistungs-, Macht-, Wert- oder auch Funktions- oder Politikeliten. Seine Bedeutung für die bürgerliche Gesellschaft gewann er gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem Bemühen, sich von herkömmlichen Adelseliten (Aristokratie, Eliten kraft Herkunft) durch persönliche Leistungen, Tugenden, erworbenes Wissen und Können abzuheben, um auf diese Weise die Legitimation zur Herrschaft durch eine "Auswahl der Besten" zu begründen (Ende des Feudalismus, Stärkung des Leistungskriteriums).

Bis heute ist der Elitenbegriff in der deutschen Diskussion eher negativ besetzt. So scheint das gesellschaftliche Klima gegenüber Eliten immer noch gespannt zu sein: Bei einem Begriffssympathietest durch das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) vom Sommer 2003 empfanden nur 31,9 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren den Begriff "Elite" als sympathisch, den Begriff der "Gleichheit" aber 71,4 Prozent. Ein wesentlicher Grund für die Distanz gegenüber dem Begriff und dem Phänomen Elite kann nicht nur im Versagen mancher Machteliten im 20. Jahrhundert gesehen werden, sondern mitunter auch im Neidkomplex einer Gesellschaft. Nicht selten wird den Eliten auch ein Missbrauch ihres Einflusses vorgeworfen. Gerade in pluralen Mediengesellschaften sind sie auf Grund ihrer meist übergeordneten Verantwortung auch einer starken sozialen Kontrolle durch die Öffentlichkeit ausgesetzt.

Während sich im Ausland wie etwa in Frankreich, Großbritannien oder den USA in der Ausbildung besondere Eliteeinrichtungen evolutionär herausbilden konnten, deren Absolventen stark begehrt sind, hat es eine solche Entwicklung in Deutschland in dieser Form bisher nicht gegeben. In der 68er-Bewegung wurde der Elitegedanke in Deutschland vielmehr durch Demokratisierungs-, Mitbestimmungs- und Gleichheitsbestrebungen diskreditiert. So steht der Begriff bis heute in einem steten Spannungsverhältnis zu Gerechtigkeits- und Demokratisierungsanliegen in der Gesellschaft. Hier gilt es, zu einer Balance zu finden.

Erst nachdem neuerlich auch in Deutschland wieder verstärkt von der Einrichtung von "Eliteuniversitäten" die Rede ist und sich bei der politischen Machtelite die Einsicht durchsetzt, dass jede Leistungsgesellschaft spezieller Eliten bedarf, ist die Elite-Idee auch wieder stärker in den Mittelpunkt öffentlicher Debatten gerückt. So geht es darum, Begabungen und Spitzenleistungen zu fördern, um im internationalen Wissenswettbewerb zu bestehen. Zugleich spielt die Frage eine Rolle, wie eine verstärkte Abwanderung von Leistungseliten aus Deutschland ins Ausland verhindert werden kann; dies zeigt, dass Eliten gesamtwirtschaftlich knappe Faktoren sind. Oft spielt bei Abwanderungen das Motiv stärkerer Entfaltungsmöglichkeiten im Ausland eine Rolle.

Besonders mit der Betonung des technischen Fortschritts (technische Innovationen) als Motor der internationalen Wettbewerbsfähigkeit haben zwar die naturwissenschaftlich-technischen Leistungseliten an Stellenwert gewonnen, doch gesellschaftliche Veränderungen und Fortentwicklungen (soziale Innovationen) mit nachhaltiger Wirkung (etwa die Verbreitung liberalen Denkens) sind besonders von geisteswissenschaftlichen Eliten beeinflusst worden.

In Marktwirtschaften zählen insbesondere die Unternehmer(innen) zu den Eliten, die für den sozioökonomischen Fortschritt mitverantwortlich sind. Eine soziologische Debatte findet über die Frage nach der Herkunft dieser Elite statt. Soziologen wie Michael Hartmann vertreten auf Grund empirischer Studien die These, dass nach wie vor weniger Leistungs- als Herkunftskriterien, also der Habitus, bei der Besetzung von Spitzenpositionen in Wirtschaft und Gesellschaft eine Rolle spielen. Danach reproduzieren sich viele Eliten quasi aus sich selbst heraus. Kritisiert wird infolgedessen, dass der soziale Aufstieg jedem nur formal offen steht. Fraglich ist, in wie weit ein offenerer Zugang zu den jeweiligen Spitzenpositionen von den jeweils herrschenden Eliten zugelassen wird. In einer freien und offenen Gesellschaft geht das politische Bemühen dahin, jedem, der fähig ist, den Zugang zu Elitepositionen zu ermöglichen, so dass es zum Elitenwechsel kommen kann. In der Politik soll dieses Ziel durch demokratische Wahlen ermöglicht werden. Ein grundsätzlicher Systemwechsel soll in Demokratien indes möglichst ausgeschlossen sein. (Me)

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