Nach mehreren Jahren mit wachsenden Schwierigkeiten der Unternehmen, ihre Finanzierung über Bankkredite sicherzustellen, zeichnet sich seit 2005 eine Entspannung der Finanzierungssituation
ab. Während zunächst nur große Unternehmen durch die Erhöhung ihrer Eigenkapitalquote und verbesserte Innenfinanzierungsmöglichkeiten aufgrund höherer Gewinne ihr
Rating bei den Banken verbessern konnten, hat die Entspannung inzwischen auch mittelständische Betriebe erfasst. An dem Grundproblem, dass der deutsche Mittelstand eine zu geringe
Eigenkapitaldecke aufweist und damit stark von Krediten der Banken und Sparkassen abhängig ist, ändert sich jedoch nur langsam etwas. Zuletzt ist es auch den mittelständischen
Unternehmen gelungen, ihre Eigenkapitalquoten zu steigern. Im Durchschnitt über alle Größenklassen kommen deutsche Unternehmen nach Angaben der Bundesbank auf eine Eigenmittelquote
von 22 Prozent. Während die größeren Mittelständler mit 2,5 bis 50 Mio. Euro Umsatz mit nun 25 Prozent Eigenmittelquote jedoch weiter zu den Großunternehmen (28 Prozent)
aufschließen konnten, liegt die Quote bei den kleinen Unternehmen - dies sind gut neu von zehn Mittelständlern - aber weiterhin unter 10 Prozent. Hierfür gibt es mehrere
Gründe:
- Das deutsche Steuersystem belastet Personenunternehmen überdurchschnittlich und gibt damit keine Anreize zur Einbehaltung von Gewinnen (Gewinnthesaurierung). Es benachteiligt die
Innenfinanzierung des Mittelstands.
- Externe Kapitalbeteiligungen sind in Deutschland trotz langsamer Zunahme immer noch eine Ausnahme, nur selten kommt Venture Capital als Finanzierungsalternative zum Zuge.
- Die schwache Konjunkturentwicklung seit 2001 hatte zu sehr niedrigen Gewinnmargen geführt; erst seit kurzem ziehen auch im Mittelstand die Gewinne an.
Eine weitere Hürde, die die Unternehmen bei ihrer Finanzierung nehmen müssen, bilden die strengeren Anforderungen, die im Zusammenhang mit den seit Januar 2007 geltenden Basel II-Regeln
für die Banken auf deren Kreditkunden zukommen. Schon jetzt haben viele Kreditinstitute entsprechende Ratingsysteme zur Einstufung ihrer Geschäftskunden eingeführt. Notwendig sind eine
Verbesserung des Zugangs zu Bankkrediten durch Vorbereitung auf das bankinterne Rating, die Stärkung des Controlling sowie mehr Offenheit gegenüber den Banken. Mittelständische
Unternehmer müssen auch verstärkt nach Alternativen zu "klassischem" Eigenkapital und Fremdmitteln von Banken für die Finanzierung des Unternehmens suchen. Diese können in
Gesellschaftereinlagen, Factoring und Leasing oder auch externem Beteiligungskapital bestehen. Für große Mittelständler kommt auch die Privatplatzierung von verbrieften Forderungen
wie z.B. Schuldscheindarlehen infrage; zudem externe Beteiligungen durch Finanzinvestoren oder strategische Investoren, die Einfluss auf das Unternehmen erhalten. (Ro)