Vollbeschäftigung gilt in fast allen Industrieländern als eines der vier Ziele des so genannten "Magischen Vierecks" der Konjunkturpolitik. Das zeigt ihren Rang neben den anderen drei
Zielen Preisniveaustabilität, Zahlungsbilanzgleichgewicht und angemessenes Wachstum. Das Attribut "magisch" deutet an, dass sich diese vier gesamtwirtschaftlichen Ziele meist nicht gleichzeitig
erfüllen lassen.
Vollbeschäftigung gilt in Wissenschaft und Politik als erreicht, wenn die Zahl der Arbeitslosen die Zahl der offenen Stellen nicht übersteigt oder gesamtwirtschaftlich eine bestimmte
Arbeitslosenquote nicht überschritten wird. Eine allgemein gültige Definition gibt es nicht, in der Regel wird ab einer Arbeitslosenquote von 2 bis 4 Prozent von Vollbeschäftigung
ausgegangen.
Die Arbeitslosigkeit ist eine zeitpunktbezogene Größe, die unter realistischen Bedingungen nie null erreicht: Zu einem gegebene Zeitpunkt gibt es immer Arbeitnehmer, die im Begriff sind
die Stelle zu wechseln. Solche Stellenwechsel erfolgen nicht immer gänzlich friktionslos, d.h. im direkten Übergang ohne vorübergehende Phase der Beschäftigungslosigkeit. Selbst
unter optimalen Bedingungen verbleibt eine Sucharbeitslosigkeit, die umso größer ist, desto mehr Bewegung auf dem Arbeitsmarkt herrscht.
Daneben ist außerdem die "inflationsstabile" oder "lohnstabile" Arbeitslosenquote von Bedeutung. Dies sind Arbeitslosenquoten, die durch konjunkturbelebende Maßnahmen nicht unterschritten
werden können, ohne inflationäre Tendenzen oder Lohn-Preis-Spiralen auszulösen.
Von Vollbeschäftigung ist Deutschland mit einer Arbeitslosenquote von über 7 Prozent gegenwärtig noch ein Stück weit entfernt. In einzelnen Regionen aber kann bereits von
Vollbeschäftigung gesprochen werden: Bayern und Baden-Württemberg hatten im September 2008 Arbeitslosenquoten von 3,9 bzw. 4,0 Prozent. Auch in bestimmten Funktionen kann es schnell zu
Vollbeschäftigung kommen. Bei Maschinenbau- und Fahrzeugingenieuren muss sogar von einem Arbeitskräftemangel ausgegangen werden. (Hs)