Hintergrundtext

Deutschlands duale Ausbildung

So funktioniert die duale Ausbildung – die wichtigsten Eckpunkte und Zahlen.

FOTO: Fotolia/ehrenberg-bilder

Die meisten Berufsausbildungen beginnen im August oder September. In der Regel arbeiten die Auszubildenden an drei bis vier Tagen im Betrieb und absolvieren etwa 8 bis 12 Stunden in der Woche Berufsschulunterricht. Im Handwerk sowie in der Bauwirtschaft kommt noch eine überbetriebliche Lehrlingsunterweisung in speziell eingerichteten Lehrwerkstätten hinzu. Eine duale Ausbildung dauert je nach Beruf zwischen zwei und dreieinhalb Jahren.

Ein Schulabschluss ist keine formale Voraussetzung für den Start in eine duale Ausbildung. Allerdings stellen viele Ausbildungsbetriebe Anforderungen an die Bewerber, etwa zu Schulabschluss, Noten oder sozialen Kompetenzen.

Jeder der aktuell 344 staatlich anerkannten Ausbildungsberufe basiert auf einer Ausbildungsordnung. Es werden laufend alte Ausbildungsordnungen modernisiert oder neue Ausbildungsberufe geschaffen. Die bundesweit einheitlichen Anforderungen und Prüfungsstandards gewährleisten eine hohe Qualität der Ausbildung. Sie wird zudem durch die zuständigen Stellen überwacht, die auch für die Abschluss- beziehungsweise Gesellenprüfung zuständig sind. Dies sind vor allem die Industrie- und Handelskammern, in deren Zuständigkeitsbereich gut 60 Prozent der Auszubildenden qualifiziert werden, sowie die Handwerkskammern, die für knapp 27 Prozent der Lehrlinge zuständig sind. Zudem gibt es noch Auszubildende in freien Berufen, der Landwirtschaft, dem öffentlichen Dienst sowie der Hauswirtschaft und der Seeschifffahrt.

Die rechtliche Grundlage der dualen Ausbildung ist das Berufsbildungsgesetz (BBiG). Es regelt Rechte und Pflichten für Ausbildungsbetriebe und Auszubildende. Die Schulgesetze der Bundesländer regeln den Berufsschulunterricht über berufsbezogene Rahmenlehrpläne.

Duale Ausbildung in Zahlen

Heute haben zwei Drittel aller Erwerbstätigen in Deutschland eine duale Ausbildung absolviert. Daran wird sich so schnell auch nichts ändern, denn nach wie vor beginnen rund zwei Drittel eines Schulabsolventen-Jahrgangs eine Berufsausbildung im dualen System. Allein im Jahr 2012 wurden 512.773 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen.

Die Mehrzahl der Ausbildungsanfänger hat einen Haupt- oder Realschulabschluss. Abiturienten machen gut ein Fünftel aller neuen Auszubildenden aus. Ausbildungsanfänger ohne Schulabschluss gibt es relativ wenige, sie haben aber immerhin noch einen Anteil von 3 Prozent – auch dieser Problemgruppe eröffnet eine betriebliche Ausbildung also Chancen.

Knapp 90 Prozent aller Auszubildenden im dualen System haben 2011 ihre Abschlussprüfung bestanden. Von den Auszubildenden mit Hauptschulabschluss gelang das 79 Prozent, von jenen mit Fach- und allgemeiner Hochschulreife sogar 97 Prozent.

Von allen ausbildungsberechtigten Betrieben bietet gut die Hälfte Lehrstellen an. Mangel an Ausbildungsplätzen – vor einigen Jahren noch ein gravierendes Problem – herrscht heute kaum noch. Seit dem Jahr 2009 gibt es bei den Arbeitsagenturen mehr gemeldete unbesetzte Ausbildungsstellen als registrierte unversorgte Bewerber:

Ende September 2012 kamen auf gut 33.000 offene Lehrstellen nur knapp 15.700 Bewerber.

Oft heißt es, die Statistik sage nur die halbe Wahrheit. Das ist zwar auch in diesem Fall richtig, ändert aber nichts am Gesamtbild des grundsätzlichen Azubimangels. Denn auf der einen Seite haben zwar gut 60.000 Bewerber, die eigentlich weiterhin an einer Ausbildung interessiert sind, zunächst einen anderen Weg eingeschlagen, also zum Beispiel eine berufsvorbereitende Maßnahme begonnen, weiter die Schule besucht oder angefangen zu studieren. Auf der anderen Seite aber waren nach Unternehmensbefragungen tatsächlich insgesamt rund 75.000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Viele Betriebe melden ihre Lehrstellen jedoch nicht an die Arbeitsagenturen, sondern suchen selbst nach Azubis.

Eine der Hauptursachen dafür, dass sich das Verhältnis von Lehrstellen zu Bewerbern spürbar verbessert hat, ist der demografische Wandel. So hat sich die Zahl der Schulabgänger in Ostdeutschland in den zurückliegenden zehn Jahren annähernd halbiert. Schätzungen zufolge wird die Altersgruppe der 17- bis 25-Jährigen bis 2030 in ganz Deutschland um ein Fünftel schrumpfen, die Zahl der potenziellen Auszubildenden also weiter stark zurückgehen.

(Stand: Mai 2013)

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