Hintergrundtext

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt

Es ist in Deutschland leichter geworden, eine Lehrstelle zu finden, als es noch vor ein paar Jahren war. Trotzdem kommt nicht jeder Jugendliche in seinem Wunschberuf zum Zug. Ein paar Zahlen und Fakten dazu.

Ein angehender Industriemechaniker bearbeitet ein Werkstück. FOTO: dpa

Zwar waren auch 2014 wie in den Jahren zuvor mehr Ausbildungsbewerber als Lehrstellen gemeldet – bundesweit kamen auf das Angebot von knapp 512.000 Ausbildungsplätzen fast 560.000 Ausbildungswillige. Dennoch gab es schließlich in vielen Bundesländern mehr unbesetzte Lehrstellen als unversorgte Bewerber (Grafiken):

Besonders komfortabel ist die Situation der angehenden Azubis im strukturschwachen Mecklenburg-Vorpommern – dort kommen auf 100 Bewerber 130 Lehrstellenangebote.

Günstig sind die Verhältnisse auch in Bayern und Thüringen: Kaum eine Stellensuche bleibt hier erfolglos, aber jede zehnte Ausbildungsplatz unbesetzt. Den größten Bewerberüberschuss dagegen verzeichnen Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Etwas aus der Reihe tanzt Hamburg: Obwohl die Statistik in der Hansestadt mehr Ausbildungsplätze als Bewerber ausweist, geht jeder sechste Suchende leer aus. Eine Erklärung: Auch die jungen Leute aus dem Hamburger Speckgürtel, der teils zu Niedersachsen und teils zu Schleswig-Holstein zählt, sehen sich im Hamburg nach einer Lehrstelle um – und haben bei der Bewerbung wohl öfter die Nase vorn.

Das einzige größere Problem in der hiesigen Ausbildungslandschaft ist der Berufs-Mismatch, also das Auseinanderklaffen von Stellenangebot und –nachfrage in bestimmten Berufen. Das extremste Beispiel (Grafik):

Im Ausbildungsjahr 2014 wollten 2.751 Jugendliche Tierpflegerin oder Tierpfleger werden – und konkurrierten dabei um gerade einmal 295 Lehrstellen.

Groß ist der Bewerberüberschuss auch in einigen kaufmännischen, kreativen und freizeitorientierten Berufsfeldern wie im Einkauf und Vertrieb, in der Immobilienwirtschaft, im Veranstaltungsmanagement, im Tourismus und im Sport, in der Inneneinrichtung, der Mediengestaltung und sogar bei den bekanntermaßen gering verdienenden Friseuren.

Deutlich mehr Stellen als Interessenten gibt es dagegen in Berufen, in denen die Arbeitsbedingungen landläufig als unattraktiv gelten, zum Beispiel bei Bäckern, Fleischern und Reinigungskräften.

In der Lebensmittelherstellung insgesamt kamen auf jeden Bewerber zwei Ausbildungsplätze. Im Lebensmittelverkauf und in der Gastronomie waren es sogar vier beziehungsweise drei Stellen. Letztlich blieb in diesen Bereichen bis zum Ausbildungsstart im September 2014 ein Fünftel der Lehrstellen unbesetzt.

Auch in vielen Metall- und Elektro-Berufen übersteigt die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze die Zahl der Bewerber – obwohl die Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt hier momentan hervorragend sind: Je 100 gemeldete Stellen im Bereich Mechatronik und Automatisierungstechnik finden sich im Bundesschnitt nur 51 Arbeitslose mit dem passenden Zielberuf. In Bayern und Baden-Württemberg sogar nur etwas mehr als 30. Nimmt man die nicht den Arbeitsagenturen gemeldeten offenen Stellen dazu, kann sich in Bayern derzeit rein rechnerisch jeder arbeitssuchende Mechatroniker aus sechs Angeboten das beste aussuchen.

 

 

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Gemeldete Stellen

Längst nicht alle Unternehmen schalten die Arbeitsagenturen ein, wenn sie Stellen besetzen möchten. Manche suchen über Zeitungsannoncen und Online-Stellenbörsen neue Mitarbeiter, andere bemühen persönliche Kontakte oder machen Aushänge. Nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung liegt der Anteil der gemeldeten an allen offenen Stellen bei rund 50 Prozent.

 

 

Stand: Juni 2015

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