Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt
Es ist in Deutschland leichter geworden, eine Lehrstelle zu finden, als es noch vor ein paar Jahren war. Trotzdem kommt nicht jeder Jugendliche in seinem Wunschberuf zum Zug. Ein paar Zahlen und Fakten dazu.

- Ein angehender Industriemechaniker bearbeitet ein Werkstück. FOTO: dpa
Rein rechnerisch passt es mittlerweile genau: Für jeden Jugendlichen, der eine Ausbildung machen möchte, steht eine Lehrstelle zur Verfügung. Das war nicht immer so, denn der Ausbildungsstellenmarkt ist eng an den Arbeitsmarkt gekoppelt: In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit fehlt es oft auch an Lehrstellen. Die günstige aktuelle Lage resultiert daraus, dass die Zahl der Ausbildungsplätze längst nicht so stark zurückgegangen ist wie die Zahl der Lehrstellenbewerber.
Nach wie vor gibt es in Deutschland jedoch Regionen, in denen die Lehrstellensuche ausgesprochen mühsam ist. In den westdeutschen Flächenländern Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen ist der Bewerberüberhang groß. In NRW etwa konkurrieren 100 Azubis in spe um 73 Lehrstellen. Anders sieht es in Ostdeutschland aus: Dort stehen die Chancen auf einen Ausbildungsplatz wegen der rückläufigen Schulabgängerzahlen recht gut. Mit Abstand die größte Auswahl finden angehende Auszubildende in Hamburg. Auf 100 Bewerber kommen in der Hansestadt fast 150 Ausbildungsangebote.
Berufe mit Bewerberüberschuss ...
Die erfreulichen Statistiken dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Ausbildungswunsch und Ausbildungsangebot oft nicht zusammenpassen. So wollten im Ausbildungsjahr 2010 genau 3.459 junge Leute den Beruf des Tierpflegers erlernen, es gab aber nur 388 Ausbildungsplätze.
... und Berufe mit Bewerbermangel
Andere Berufe leiden dagegen unter ihrem schlechten Image: Laut einer Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) glauben zum Beispiel 93 Prozent der Ausbildungsplatzbewerber mit der Berufswahl Reinigungsfachkraft bei Freunden und Bekannten schlecht da zu stehen. Über den Fleischerberuf denken das 87 Prozent und über den Bäckerberuf 74 Prozent.
Aber auch bei den Bank- und Versicherungskaufleuten sowie in vielen Metall- und Elektro-Berufen übersteigt das Angebot an Lehrstellen die Nachfrage (Grafik) – trotz guter beruflicher Perspektiven. Oft gelingt es hier, unbesetzte Ausbildungsplätze an Bewerber zu vermitteln, die in ihrem Wunschberuf nicht zum Zug gekommen sind. Große Abstriche sind dabei meist gar nicht nötig – ein kleiner Kompromiss genügt in vielen Fällen: So möchten auf der einen Seite zu viele junge Menschen Schmied, Schlosser oder Mechaniker werden, während es auf der anderen Seite an Metallverformern, Werkzeugmachern und Montierern fehlt.
Noch eine gute Nachricht: Im Jahr 2010 konnten immerhin 77 Prozent der Schulabgänger, die eine Ausbildung aufnahmen, in ihrem Wunschberuf unterkommen. Der Anteil der erfüllten Ausbildungswünsche hat sich in den vergangenen Jahren erhöht – auch das ist ein Beleg dafür, dass sich die Lage auf dem Arbeits- und dem Ausbildungsstellenmarkt verbessert hat.





