Hintergrundtext

Jugendarbeitslosigkeit: Deutschland im Vorteil

Europa schaut derzeit aus vielerlei Gründen neidisch auf Deutschlands Wirtschaft – in einem Punkt sticht sie aber besonders hervor: Hierzulande sind traditionell sehr wenige Jugendliche arbeitslos, und daran hat sich nicht einmal während der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 etwas geändert – auch dank des dualen Ausbildungssystems.

FOTO: Fotolia/Gina Sanders

Nirgendwo in Europa ist die Jugendarbeitslosigkeit so niedrig wie in Deutschland. In vielen südeuropäischen Ländern dagegen ist nicht nur die Staatsverschuldung stark gestiegen, sondern auch die Zahl der jungen Arbeitslosen (siehe Grafikstrecke).

Während Deutschland 2012 eine Jugendarbeitslosenquote von gerade einmal 8 Prozent zu verzeichnen hatte, betrug sie Griechenland und Spanien deutlich mehr als 50 Prozent.

Aber Achtung: Die Arbeitslosenquote gibt an, wie viel Prozent der Erwerbspersonen – das sind all jene, die arbeiten wollen, also Erwerbstätige und Erwerbslose – auf Arbeitssuche sind. Da aber viele 15- bis 24-Jährige noch zur Schule gehen oder studieren, steht auch in Spanien und Griechenland keineswegs mehr als Hälfte aller Jugendlichen arbeitslos auf der Straße, sondern der Anteil der arbeitslosen Jugendlichen an der gesamten Altersgruppe liegt bei 19 bzw. 13 Prozent. Im Vergleich zu Deutschland ist das trotzdem sehr viel. Hier sind es nur 4,5 Prozent.

Sogar US-Präsident Barack Obama (beziehungsweise seinen Redenschreibern) ist aufgefallen, dass in Deutschland etwas anders ist. In seiner Rede zur Lage der Nation, die er am 12. Februar 2013 vor dem Kongress der Vereinigten Staaten hielt, lobte Obama den Praxisbezug des deutschen Bildungssystems:

„So those German kids, they're ready for a job when they graduate high school. They've been trained for the jobs that are there.“

Einige europäische Länder wollen nun ihre Berufsbildungssysteme reformieren und sich stärker am deutschen Prinzip der dualen Ausbildung orientieren, also theoretische Ausbildung und betriebliche Praxis verzahnen. Deutschland unterstützt sie dabei und hat bereits Kooperationsabkommen mit Griechenland, Italien, Spanien, Portugal, Lettland und der Slowakei geschlossen. Die duale Ausbildung in andere Länder zu übertragen, ist allerdings keine einfache Aufgabe: In Deutschland hat das Prinzip des parallelen Lernens in Schule und Betrieb eine lange Tradition. Schon im Mittelalter gab es eine Handwerkslehre.

(Stand: Mai 2013)

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