Hintergrundtext

Zuwanderer stärken den Arbeitsmarkt

Die meisten Zuwanderer sind besser qualifiziert als die Bundesbürger. 

FOTO: Minerva Studio/Fotolia.com

Der Anteil der Hochschulabsolventen ist unter den in jüngster Zeit Zugewanderten wesentlich höher als bei den Deutschen ohne Migrationshintergrund. Von den in den Jahren 2004 bis 2008 nach Deutschland gezogenen Spaniern, Italienern, Portugiesen und Griechen hat mehr als die Hälfte ein Studium absolviert – bei den Einheimischen trifft das nur auf 18 Prozent zu. Vergleichsweise niedrig qualifiziert sind lediglich die türkischen Neuankömmlinge. Außerdem haben relativ viele Zuwanderer aus den Nicht-EU-Ländern keine abgeschlossene Ausbildung.

Fachkräfte sind gefragt

Besonders positiv für die Innovationskraft der Bundesrepublik ist, dass rund 10 Prozent aller erwachsenen Zuwanderer einen Hochschulabschluss in einem MINT-Fach haben. Sie sind also in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik qualifiziert. Auch medizinisches Personal und Pflegekräfte werden vermehrt nachgefragt. Entsprechend ausgebildete Zuwanderer kommen also wie gerufen – in manchem Pflegeheim oder Krankenhaus geht es schon heute nicht mehr ohne sie.

Sozialkassen profitieren

Zuwanderung stärkt nicht nur den Arbeitsmarkt, sondern stabilisiert auch die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung – sofern die Migranten versichert sind und mehr in die Kassen einzahlen als Leistungen empfangen. Beides ist der Fall:

  • Derzeit sind rund 42 Prozent der zugewanderten Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, von den in Deutschland Geborenen sind es nur knapp 36 Prozent.
  • In der Regel wandern vor allem Jüngere zu – so war 2009 jeder dritte in den vorangegangenen zehn Jahren Zugewanderte jünger als 30 Jahre. Nur 4 Prozent hatten die 65 Jahre überschritten und waren damit ein Fall für die Rentenkassen.

Auch die Krankenkassen freuen sich über die jungen Leute, denn sie verursachen weniger Kosten als Ältere. So kostet sie ein 15- bis 29-Jähriger im Durchschnitt nicht einmal 2.000 Euro pro Jahr, bei den 65- bis 84-Jährigen sind es mehr als 6.000 Euro.

Viel Potenzial bleibt ungenutzt

Getrübt wird das Bild aber dadurch, dass Deutschland das Potenzial seiner Zuwanderer in vielen Fällen verschenkt: Denn längst nicht alle Migranten üben einen Beruf aus, der ihrer Qualifikation entspricht. Befragungen in den Jahren 2005 bis 2009 zeigen, dass dies nur für rund jeden zweiten der osteuropäischen und türkischen Zuwanderer mit abgeschlossener Berufsausbildung oder Studium zutrifft. Von den gut ausgebildeten Deutschen ohne Migrationshintergrund haben immerhin drei Viertel eine passende Arbeit,  die qualifizierten Migranten aus den anderen EU-Ländern, vor allem Neuzugewanderte, haben sogar noch höhere Quoten.

Zwar sind längst nicht alle EU-Zuwanderer in Deutschland ausbildungsadäquat beschäftig. Dennoch waren sie im Befragungszeitraum von 2005 bis 2009 fast im gleichen Ausmaß erwerbstätig wie die einheimische Bevölkerung – nämlich rund 80 Prozent der 25- bis 64-jährigen Männer und 60 bis 70 Prozent der Frauen. Schlechter schneiden auch in diesem Punkt Nicht-EU-Staatsangehörige ab. Das ist allerdings wenig überraschend, da viele von ihnen nicht wegen eines guten Jobs nach Deutschland gekommen sind, sondern als politisch Verfolgte oder Familiennachzügler.

 

Stand: April 2014

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