Hintergrundtext

Auslandserfahrung für Azubis

Sprachkenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen sind im Berufsleben heute wichtiger denn je. Was viele nicht wissen: Auch Auszubildende haben die Möglichkeit, einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren. Das Leonardo-da-Vinci-Stipendium der Europäischen Union hilft ihnen dabei.

FOTO: Fotolia/Ariwasabi

Im diesem Jahr verbringen rund 30.000 Auszubildende und Berufsfachschüler aus Deutschland einige Wochen ihrer Berufsausbildung im Ausland. Dies sind zwar rund 10.000 Jugendliche mehr als im Jahr 2008, in Zeiten der Globalisierung aber immer noch relativ wenige: Nur 4 Prozent aller Absolventen einer beruflichen Erstausbildung haben Erfahrungen im Ausland gesammelt.

Die Bundesregierung hat nun Anfang des Jahres beschlossen, dass bis 2020 mindestens 10 Prozent der Auszubildenden während ihrer Ausbildung Auslandsluft schnuppern sollen. Dazu trägt auch das Berufsbildungsprogramm der Europäischen Union, „Leonardo da Vinci”, einen Teil bei (Infos unten). Dessen Fördermittel wurden in den vergangenen fünf Jahren deutlich aufgestockt: In diesem Jahr können daher fast 16.000 Auszubildende und Berufsfachschüler aus der Bundesrepublik ins Ausland gehen – mehr als doppelt so viele wie noch 2008 (siehe Grafik). Die meisten Leonardo-Stipendiaten machen ihr oft vierwöchiges Praktikum in Großbritannien, Spanien, Frankreich, Irland, Italien oder Finnland – auch weil es ihnen wichtig ist, ihre Englisch-, Spanisch- oder Französisch-Sprachkenntnisse zu verbessern.

Vielen Firmen jedoch ist noch nicht ausreichend bewusst, wie wichtig Auszubildende mit Auslandserfahrung auch für den Betrieb sind – und welche Möglichkeiten es überhaupt gibt. Im Jahr 2010 schickten lediglich 2 Prozent der deutschen Unternehmen regelmäßig Azubis ins Ausland, hat eine Untersuchung der WSF Wirtschafts- und Sozialforschung ergeben. Weitere 6 Prozent gaben ihren Lehrlingen sporadisch die Chance zu einem Aufenthalt jenseits der deutschen Grenzen. Der Anstoß dazu kam in zwei Drittel der Fälle von außen, etwa durch Kammern, Innungen oder Berufsschulen.

Jene Betriebe, die ihren Auszubildenden ein Auslandspraktikum ermöglichen, haben fast durchweg gute Erfahrungen gemacht (siehe Grafik). Sie schätzen vor allem die positive persönliche Entwicklung ihrer Azubis. Außerdem ist die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes für jedes Unternehmen ein Pluspunkt bei der Suche nach Auszubildenden – und hilft letztlich auch dabei, Fachkräfteengpässen entgegenzuwirken.

Natürlich profitieren auch die Azubis selbst, wie zeigt die Befragung der WSF Wirtschafts- und Sozialforschung zeigt: Mehr als 80 Prozent der Auszubildenden und Berufsfachschüler gaben nach ihrem Auslandsaufenthalt an, selbstbewusster zu sein, andere Kulturen besser zu verstehen und besser mit Menschen umgehen zu können. Ihre persönlichen Beweggründe und Erfahrungen erläutert die angehende Industriekauffrau Julia Frewer im Interview.

 

 

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Leonardo da Vinci: Das EU-Stipendium für berufsqualifizierende Auslandspraktika

„Leonardo da Vinci” ist das mit Abstand größte Förderprogramm in der beruflichen Bildung. Es ermöglicht Auszubildenden und Berufsfachschülern durch ein Praktikum in einem Unternehmen oder einer Berufsbildungseinrichtung über einen Zeitraum von zwei Wochen bis zu neun Monaten Auslandserfahrungen zu sammeln. Das Programm steht Azubis aller Fachrichtungen und jungen Arbeitnehmern offen.

Im Stipendium enthalten sind Vorbereitungsseminare und Sprachkurse, vor Ort werden Kulturprogramme und Ausflüge organisiert. Leonardo bezahlt die An- und Abreise und gewährt einen monatlichen Zuschuss zu Unterkunft, Verpflegung und Fahrtkosten. In Deutschland ist die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) im Auftrag der EU für die Organisation der Auslandspraktika zuständig.

Weitere Informationen gibt es unter www.na-bibb.de

 

(Stand: September 2013)

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