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Die Briten auf dem Binnenmarkt

Knapp, aber mehrheitlich haben die Briten am 23. Juni 2016 beschlossen, aus der Europäischen Union auszutreten. Damit gehen ihnen voraussichtlich die Freiheiten des Binnenmarktes verloren – es sei denn, in den Austrittsverhandlungen wird etwas anderes vereinbart.

Freier Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen – das sind die vier Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarkts. Übersetzt bedeuten sie: keine Zölle und sonstigen Handelshemmnisse innerhalb der EU, unbeschränkte grenzüberschreitende Investitionen und Transfers von Wertpapieren sowie freie Wahl des Arbeitsorts. Davon profitiert auch die britische Wirtschaft. Zwar sind die anderen Mitgliedsländer der EU nicht die einzigen Handelspartner des Vereinigten Königreichs (Grafikstrecke unten), gleichwohl würde Großbritannien wirtschaftliche Einbußen erleiden, wenn die Volksabstimmung Ende Juni zugunsten des Brexits endet. Was danach kommt, hängt davon ab, wie die Verhandlungen mit der EU über die Modalitäten des Austritts ausgehen. Alternativen zu einer britischen Sonderlösung wären:

  • Das Modell Norwegen. Das skandinavische Nicht-Mitglied der EU hat über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) Zugang zum Binnenmarkt, wie auch Island und Liechtenstein. Das hat jedoch seinen Preis: Norwegen muss einen finanziellen Beitrag zum EU-Haushalt leisten, darf aber nicht über die Spielregeln des Binnenmarkts mitbestimmen. Und Zollformalitäten fallen trotzdem an.
  • Das Modell Türkei. Der Mitgliedschaftsanwärter vom Bosporus ist der EU schon heute über eine Zollunion verbunden. Sie ermöglicht ausschließlich den freien Warenverkehr. Der für Großbritannien so wichtige Bereich der Finanzdienstleistungen stünde nach dieser Variante vor dem Binnenmarkt-Aus.

Ansonsten bliebe Großbritannien noch seine Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation (WTO). Doch nach deren Spielregeln würde der britische Export mit den gleichen Zöllen belastet, die die EU allen Importen aus jenen WTO-Ländern auferlegt, die nicht zum gemeinsamen Wirtschaftsraum gehören – sicherlich die schlechteste Option.

Text und Grafiken stammen aus Ausgabe 15/2016 des iwd, dem Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln.

(Stand: April 2016)

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