Hintergrundtext

Die versteckten Klimakiller

Wer das Wort „Klimakiller“ hört, denkt zuerst an rauchende Schornsteine, Abgase von Autos und Flugzeuge, die große Mengen Kerosin für Kurzstreckenflüge verbrennen. Doch neben dem Offensichtlichen gibt es viele Dinge, von denen man im ersten Moment nicht glaubt, welchen Einfluss sie auf das Klima haben. Eine Auswahl:

FOTO: Franco Nadalin/Fotolia

Frachtschiffe

Frachtschiffe schippern nahezu unbemerkt über die Meere, schieben sich langsam durch die Wellen. Doch die aus der Ferne majestätisch wirkenden Ozeanriesen gehören zu den größten Klimakillern weltweit. In ihren gigantischen Motoren verbrennen sie große Mengen Treibstoff. Die Abgase gelangen nahezu ungefiltert in die Atmosphäre. Mehr als 90.000 dieser Schiffe umfasst die weltweite Flotte, fast 90 Prozent aller Güter werden auf ihrer Reise in den heimischen Markt mindestens einmal auf ein solches Schiff geladen. Allein die 15 größten Schiffe der Welt stoßen nach Berechnungen des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) etwa so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos.

Besonders verheerend: Die Schiffe werden mit ungefilterten Dieselkraftstoff und Schweröl betrieben. Bei Schiffsbetreibern sind die Kraftstoffe beliebt, weil sie vor allen Dingen eins sind: günstig. An Land sind ungefilterte Kraftstoffe mit solch hohen Schwefelwerten längst verboten. Doch die Riesentanker dürfen sie auf hoher See weiter nutzen. Nur die wenigsten Frachtschiffe verfügen über Partikelfilter für Abgase, so wie sie etwa in Autos zu finden sind. In 17 von 20 vom NABU untersuchten Schiffen fehlt jegliche Abgasreinigung. Stattdessen werden die Schadstoffe ohne Umwege in die Atmosphäre gepustet.

Es gibt einige Hoheitsgebiete auf See, in denen Schiffe nur niedrige Schadstoffwerte aufweisen dürfen. Die Schiffsbetreiber setzen hier reineren – und damit wesentlich teureren – Treibstoff ein. Doch, und das ist das Problem, eben nur dort. Klimaschützer fordern deshalb seit langem eine weltweite Begrenzung der Schadstoffwerte von Schiffen, wie sie bereits für Autos oder auch Lastwagen Standard ist. Doch die zuständige Organisation –die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) – kommt mit dem Vorhaben seit Jahren nicht voran.

Die Kuh

Grüne Weiden, blühende Landschaften und eine Kuhherde, die langsam durch die Idylle streift. Was nach Panorama klingt, verpestet die Umwelt jeden Tag aufs Neue. Denn die Landwirtschaft verursacht, befeuert durch die Massentierhaltung, mehr als ein Zehntel aller Treibhausgase.

Einer der größten Klimakiller ist nämlich die Kuh. Sie stößt massenweise Methan aus, ein für die Umwelt hochgiftiges Treibhausgas. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Methan etwa 25 Mal umweltschädlicher ist, als das allseits bekannte Kohlenstoffdioxid (CO2). Lange Zeit war die Landwirtschaft kein Problem für das Klima. Doch der immer weiter steigende Fleischkonsum der Menschen führte zu einer immer stärker ausgeprägten Massentierhaltung. Jedes Jahr werden weltweit Millionen Rinder gezüchtet, die fressen und in der Folge mit ihrem Methan die Umwelt belasten.

Wie umweltschädlich die Aufzucht einer Kuh schlussendlich ist, hängt noch von einem zweiten Faktor ab: dem Futter. Werden die Tiere etwa mit Soja gefüttert, schaden die Bauern dem Klima zusätzlich. Denn für die Bohne werden Regenwälder abgeholzt, die CO2 speichern und dessen Aufstieg in die Atmosphäre verhindern. Zerstört der Mensch für das Futter der Kuh auch noch diese „Luftspeicher“, verschlechtert das die Klimabilanz zusätzlich. Die Landwirtschaft erzeugt so nicht nur zehn Prozent der Treibhausgase selbst, sondern ist indirekt sogar für bis zu 30 Prozent verantwortlich.

Das Internet

Mal eben schnell bei Google gesucht, wie die Hauptstadt von Chile heißt oder einen neuen Clip bei YouTube angeschaut – mit jedem Klick verbrauchen wir Strom. In diesen Fällen zwar wenig, doch verbraucht wurde er. Da alle Computer und  Server Strom benötigen, der wiederum CO2 erzeugt, heizt jede Suchanfrage und jeder Klick im Internet das Klima weiter auf.

Eine Suchanfrage bei Google erzeugt Schätzungen zufolge einen CO2-Ausstoß von ungefähr 200 Milligramm. Das klingt zunächst wenig. Zum Vergleich: Für 1.000 Suchanfragen könnte man mit dem Auto einen Kilometer weit fahren. Doch gehen bei Google eben nicht nur 1.000 Suchanfragen im Jahr ein, sondern knapp zwei Billionen. Das entspricht etwa 64.000 Suchanfragen in der Sekunde. Im Vergleich zum Auto also etwa 64 gefahrene Kilometer – pro Sekunde. In einer Stunde wären das 230.400 zurückgelegte Kilometer und damit fast sechs Erdumrundungen.

Das Öko-Institut, eine Forschungseinrichtung mit Sitz in Freiburg, weist regelmäßig darauf hin, dass die Cloud-Speicher in der Bundesrepublik mittlerweile fast zehn Prozent des deutschen Strombedarfs ausmachen – Tendenz steigend. Das kann dem Klima schaden, abhängig davon, woher der Strom kommt. Würde Google all seine Serverfarmen über Solarkraftwerke speisen, tendiert der Einfluss auf das Klima gegen Null. Kommt er hingegen aus einem Kohlekraftwerk, setzt jede Suchanfrage dem Klima zu – und zwar enorm.

(Mai: Februar 2017)

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