Hintergrundtext

Reportage: Wie sich die Autostadt Detroit neu erfindet (3)

Wer Wesley Adams besuchen will, muss erst mal am Barmann vorbei

Wesley Adams, Jungmanager, mit Ehefrau Andrea. FOTO: IW Medien/Daniel Roth

Downtown, Dienstagabend. Kinogänger strömen aus dem berühmten Fox-Theater, ein paar fallen noch in die Centaur-Bar ein, wo sie die besten Martinis machen in der ganzen Stadt. Früher beherbergte das Gebäude eine Zahnpastafabrik, die ging pleite, das Haus stand leer, bis Investoren es kauften und sanierten. Hinter der weitläufigen Bar versteckt sich ein Fahrstuhl, und wer nach oben zockelt, landet im schicken Loft von Wesley Adams.

Gerade erst ist der smarte Endzwanziger, College-Abschluss, Lacoste-Hemd, teure Uhr, von der Arbeit gekommen, es hat mal wieder länger gedauert im Büro. Seine Firma macht in Marketing und Werbung, Print wie Web, wobei online natürlich immer wichtiger werde, „passt einfach besser in die Zeit“, sagt Adams. Und dann redet er von „Konsumentenkontakten“ und „Bruttoreichweiten“ und „ausgeklügeltem Rabattsystem für den Einzelhandel“. Und davon, dass in Downtown jetzt doch tatsächlich langsam die Parkplätze knapp werden, wegen all der neuen Mitarbeiter von Versicherungen, von Hypothekenbanken, die ihr Personal zuletzt kräftig aufstockten.

Aber Industrie? Männer mit Blaumann und Schraubenschlüsseln? „Doch, doch“, sagt Adams, dieses Motor-City-Ding, das sei schon noch drin in den Köpfen der Leute hier, man spüre das oft. Auch in seinem Kopf? Er lächelt: „Ich fahre Toyota.“ Smart, gut ausgebildet: Vielleicht ist Wesley Adams ja einer jener Hoffnungsträger, von denen Sandy Baruah, Chef der Detroiter Handelskammer, so gerne spricht: „Wer hungrig ist nach Erfolg, der ist uns hochwillkommen in dieser Stadt“, sagt er – und versichert: Man wolle die Wirtschaft Detroits „breiter aufstellen“, unabhängiger werden von den Autobauern.

Gebrauchen könne man dabei alles. Hochtechnologie, aber auch Lifestyle-Firmen, Handel, Service-Industrie. „Und Künstler, Musiker, Leute, die Restaurants neu eröffnen und Bars.“ Damit die Stadt ein neues, ein frisches Gesicht bekommt. „Detroit lag am Boden. Aber jetzt stehen wir wieder auf“, sagt Baruah. Niemand hier resigniere. „Optimismus liegt in den amerikanischen Genen. Nirgendwo spürt man das mehr als hier.“

 

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