Hintergrundtext

Deutsche Technik im Ausland begehrt

Ihre Exporterfolge verdankt die Bundesrepublik vor allem hochwertigen Industriegütern wie Autos und Maschinen – das Know-how deutscher Forscher und Techniker ist aber auch als Dienstleistung bei den ausländischen Kunden zunehmend gefragt.

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Deutschland ist ein klassisches Industrieland – flächenmäßig vergleichsweise klein, arm an Bodenschätzen, aber reich an gut ausgebildeten Arbeitskräften. Entsprechend ist die deutsche Wirtschaft besonders gut darin, technologisch anspruchsvolle Industriegüter zu produzieren. Zudem ist die hiesige Unternehmenslandschaft stark mittelständisch geprägt – diese Firmen sind in der Regel hoch spezialisiert und flexibel, sodass sie ihren Kunden maßgeschneiderte Produkte anbieten können, oft zusammen mit einem umfangreichen Servicepaket. Dies wissen auch ausländische Abnehmer zu schätzen.

Daher ist es wenig erstaunlich, dass Deutschland vor allem technologieintensive Waren ins Ausland verkauft. Zu den ganz großen Exportschlagern gehören dabei Autos „made in Germany“. Von den gesamten Warenausfuhren des Jahres 2010, die die Produktionsstatistik des Statistischen Bundesamts auf knapp 960 Milliarden Euro beziffert, entfielen allein fast 200 Milliarden Euro auf Produkte des Fahrzeugbaus. Stark bei den Auslandskunden gefragt waren auch deutsche Maschinen – ihr Exportwert lag im vergangenen Jahr bei rund 139 Milliarden Euro. Auf Platz drei der Export-Hits landeten chemische Erzeugnisse, für die Käufer aus anderen Ländern gut 90 Milliarden Euro ausgaben.

Importe füllen Lücken und erfüllen Verbraucherwünsche

Im Gegenzug importiert Deutschland – wie es die übliche ökonomische Begründung des Globalisierungsprozesses nahelegt – zum einen Güter, die entweder hierzulande nicht verfügbar sind, oder aber im Ausland billiger produziert werden können. Ein Beispiel für Letzteres sind Computer und Geräte der Unterhaltungselektronik, die in der Importstatistik ganz oben stehen – von den gesamten Einfuhren im Wert von 806 Milliarden Euro im Jahr 2010 entfielen gut 90 Milliarden Euro auf Güter dieser Kategorie. Hier haben vor allem die Hersteller in Fernost schon lange klare Kostenvorteile gegenüber der heimischen Industrie. Ebenso wenig überraschend sind die hohen Einfuhren von Erdöl und Erdgas, die sich im vergangenen Jahr auf 63 Milliarden Euro beliefen – Deutschland fehlt es hier schlicht an eigenen Ressourcen.

Zum anderen stehen auf der deutschen Einkaufsliste aber auch Waren, die zugleich zu den wichtigsten Exportprodukten zählen – etwa Fahrzeuge und Fahrzeugteile. Insgesamt knapp 110 Milliarden Euro waren die zuletzt eingeführten Güter dieser Kategorie wert. Doch auch dieser – zunächst vielleicht überraschende Befund – passt durchaus in den Rahmen der Globalisierungstheorie. Denn erstens sind die in Deutschland ansässigen Automobilproduzenten weltweit vernetzt und beziehen einen großen Teil ihrer Vorleistungsgüter aus dem Ausland. Zweitens gehört es eben auch zu den Merkmalen – und Vorteilen – der Globalisierung, dass die Verbraucher bei einem Produkt wie dem Auto eben nicht nur die Wahl zwischen verschiedenen inländischen Fabrikaten haben, sondern sich ebenso für ein französisches, italienisches, japanisches oder chinesisches Modell entscheiden können – und dies auch ausgiebig tun.

Deutschland punktet auch mit Service

Dass Deutschlands Exporterfolge im Wesentlichen auf dem Verkauf von Waren beruhen, ist bekannt – im vergangenen Jahr waren 85 Prozent aller deutschen Ausfuhren handfeste Industrieprodukte. Der vermeintlich kleine Rest entfiel auf den Handel mit Dienstleistungen. Dieser hat jedoch in den vergangenen Jahren eine Dynamik entwickelt, von der selbst die erfolgsverwöhnten Warenexporteure nur träumen können: Die deutschen Einnahmen aus dem Dienstleistungsverkauf ins Ausland stiegen laut Bundesbankstatistik von 2000 bis 2010 um 95 Prozent auf 181 Milliarden Euro. Noch stärker, nämlich um gut 180 Prozent auf fast 42 Milliarden Euro, legten die Einnahmen aus dem Export von technologischen Dienstleistungen zu. Dazu zählen unter anderem für ausländische Kunden erbrachte Forschungs- und Entwicklungsleistungen, der Handel mit und die Nutzung von Patenten, Lizenzen und Erfindungen sowie EDV-Dienste und technische Serviceleistungen.

Das florierende Geschäft mit technologischen Diensten hat die deutsche Servicebilanz kräftig aufpoliert. Zwar schreibt die Bundesrepublik im Dienstleistungshandel – anders als beim Warenverkehr – unterm Strich nach wie vor rote Zahlen. Im Jahr 2010 betrug das Defizit mehr als 20 Milliarden Euro. Dafür ist in erster Linie die große Reiselust der Bundesbürger verantwortlich. Weil aber die technischen Sparten zuletzt einen Exportüberschuss von 7,2 Milliarden Euro erwirtschaftet haben – zehn Jahre zuvor stand auch hier noch ein Defizit von 5 Milliarden Euro zu Buche –, fällt das gesamte Minus nicht mehr ganz so groß aus.

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