Hintergrundtext

Kunden von nah und fern

Deutschland unterhält vor allem zu seinen europäischen Nachbarn enge Handelsbeziehungen. Doch die großen Schwellenländer – allen voran China – gewinnen als Kunden und Lieferanten immer mehr an Bedeutung.

FOTO: Fotolia

Industrieerzeugnisse aus deutscher Produktion finden ihre Nachfrage rund um den Globus. Noch exportiert die deutsche Wirtschaft den größten Teil ihrer Waren in andere europäische Länder – im Jahr 2010 lag der Anteil der Ausfuhren in die 27 EU-Staaten bei gut 60 Prozent. Vor allem die Partner der Eurozone gehören zu den guten Kunden – allen voran Frankreich als Absatzmarkt Nummer eins. Dorthin gingen im vergangenen Jahr fast 10 Prozent aller deutschen Exporte. Allerdings ist der Anteil der innerhalb Europas verkauften Exportgüter seit dem Jahr 2000 um mehr als 4 Prozentpunkte zurückgegangen. Auch die USA haben relativ an Bedeutung verloren. Zwar erwarben die Kunden Vereinigten Staaten zuletzt immer noch 6,8 Prozent aller deutschen Exportwaren, womit die USA Absatzmarkt Nummer zwei blieben. Im Jahr 2000 hatte der Anteil aber noch über 10 Prozent gelegen.

Dafür hat die deutsche Industrie neue Märkte erobert oder ausgebaut. Vor allem nutzt sie die Chancen, die der Wirtschaftsboom in den großen Schwellenländern, den sogenannten BRIC-Staaten, bietet. So haben die deutschen Unternehmen 2010 Waren im Wert von 100 Milliarden Euro – das waren 10,5 Prozent aller ausgeführten Industriegüter – an Brasilien, Russland, Indien und China verkauft. Allein die Exporte ins Reich der Mitte beliefen sich auf fast 54 Milliarden Euro (5,6 Prozent des gesamten Warenexports), was China bereits zum siebtgrößten Abnehmer von Produkten made in Germany machte. Beeindruckend ist dabei vor allem, wie rasant die Bedeutung dieser Handelspartner in jüngster Zeit zugenommen hat: Während die deutschen Warenexporte von 2005 bis 2010 insgesamt um 21 Prozent stiegen, schossen die Lieferungen an die BRIC-Staaten um 107 Prozent in die Höhe. Der Grund: Die deutschen Firmen bieten gerade jene Güter an, die die Schwellenländer für ihr Wachstum benötigen – etwa Maschinen, Fahrzeuge, Elektroerzeugnisse und Chemieprodukte. Aus den entsprechenden Branchen kamen im vergangenen Jahr 83 Prozent der deutschen Exporte in die BRIC-Länder.

Auf der Importseite haben sich die Gewichte in ähnlicher Weise verschoben. Auch wenn die Bundesrepublik noch 57 Prozent ihrer Einfuhren aus der EU und 38 Prozent allein aus den Eurostaaten bezieht, so ist doch China mittlerweile zum wichtigsten Lieferanten geworden. Im Jahr 2010 importierte die deutsche Wirtschaft von dort Waren im Wert von fast 77 Milliarden Euro.

Deutschlands Außenhandelspartner

Warenausfuhren in Prozent20002010
EU 2764,760,3
   darunter: Eurozone45,440,9
USA10,36,8
China1,65,6
Südostasiatische Schwellenländer4,04,0
Japan2,21,4
Insgesamt in Milliarden Euro597,4959,5
Wareneinfuhren in Prozent20002010

Eurozone: 16 Länder, die im Jahr 2010 Mitglied der Europäischen Währungsunion waren; Südostasiatische Schwellenländer: Brunei, Hongkong, Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur, Südkorea, Taiwan, Thailand

Ursprungsdaten: Deutsche Bundesbank, Statistisches Bundesamt

EU 2759,456,6
   darunter: Eurozone41,738,1
China3,49,5
USA8,85,6
Südostasiatische Schwellenländer5,74,7
Japan5,02,7
Insgesamt in Milliarden Euro538,3806,2

  

Deutschland bietet kleinen Ländern große Absatzchancen

Die Handelsbeziehungen Deutschlands lassen sich aber auch noch aus einem anderen Blickwinkel betrachten. So mögen zahlreiche kleinere Länder als Absatzmarkt für deutsche Produkte in der hiesigen Statistik nur unter ferner liefen auftauchen. Aus der Perspektive dieser Staaten sind deutsche Unternehmen gleichwohl ausgesprochen wichtige Lieferanten. Nach Österreich etwa gingen zuletzt „nur“ knapp 6 Prozent aller deutschen Warenexporte – diese Güter machten jedoch 2009 mehr als 47 Prozent aller österreichischen Warenimporte aus. In Tschechien steuerten Produkte aus Deutschland gut 30 Prozent zu den gesamten Einfuhren bei, in Polen waren es 27 Prozent. Im Gegensatz dazu waren die Exporte Deutschlands in die USA zwar absolut gesehen recht hoch – am gesamten US-Import hatten sie jedoch nur einen Anteil von 4,5 Prozent.

Die deutsche Wirtschaft „flutet“ jedoch ihre Handelspartner nicht etwa einseitig mit den Erzeugnissen der hiesigen Industrie – ein Vorwurf, der in jüngster Zeit häufig zu hören war. Vielmehr bietet der hiesige Markt auch gute Absatzchancen. Für einige Länder sind die Geschäfte mit Deutschland sogar die entscheidende Größe in ihrer Handelsbilanz. Tschechien beispielsweise lieferte im Jahr 2009 fast ein Drittel seiner Ausfuhren in die Bundesrepublik, in Polen und Ungarn waren es jeweils mehr als ein Viertel.

Für zahlreiche Länder ist Deutschland mit Abstand der wichtigste Exportmarkt – etwa für Frankreich, das zuletzt 15 Prozent seiner Ausfuhren an seinen östlichen Nachbarn verkaufte. Nach Italien und Spanien – den beiden nächstgrößten Auslandsmärkten – verschicken die Franzosen nur halb so viele Waren. In Österreich ist das Muster sogar noch ausgeprägter: Gut 31 Prozent der Exporte aus der Alpenrepublik fanden 2009 ihre Abnehmer in Deutschland – zweitwichtigster Kunde war Italien mit einem Anteil von nur knapp 9 Prozent. Für zwei der weltweit größten Volkswirtschaften spielt der Absatzmarkt Deutschland – zumindest relativ gesehen – dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Nur jeweils gut 4 Prozent der chinesischen und der amerikanischen Exporte gingen zuletzt in die Bundesrepublik.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren ...

Quick-Finder
Aktuelle Themen

Ich brauche ...

THEMA


FORMAT


SCHLAGWORT


Neue Unterrichtsmaterialien und Informationen zu aktuellen Themen – bleiben Sie auf dem Laufenden.

Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Anregungen.