Hintergrundtext

Die Bargeld-Nutzung in der Statistik

Während die Abschaffung des Bargelds für Schweden und Dänen gar keine allzu große Umstellung bedeuten würde, wäre sie für die Bundesbürger ein tiefer Einschnitt in die Zahlungsgewohnheiten. Hierzulande werden nach wie vor vier von fünf Einkäufen bar bezahlt.

Die neue Sammler-Münze mit dem Nennwert von 5 Euro, die das Bundesfinanzministerium im April 2016 herausgegeben hat, kann nur in Deutschland zum Bezahlen genutzt werden. FOTO: BADV/ Agentur: leadcom.de

Bargeld dient neben seiner Funktion als Recheneinheit vor allem zwei Zwecken: Es ist sowohl Zahlungsmittel als auch ein Instrument der Wertaufbewahrung.

So wird Bargeld als Transaktionsmittel genutzt

Scheine und Münzen sind in Deutschland weiterhin das Hauptzahlungsmittel (Grafik):

Sieht man von regelmäßigen Abbuchungen wie Miete oder Versicherungen ab, zahlten die Bundesbürger im Jahr 2014 vier von fünf Einkäufen bar.

Bei kleineren Beträgen bis zu 20 Euro greifen sie fast immer zu Münzen und Scheinen, und auch höhere Rechnungen bis 50 Euro werden in zwei Drittel der Fälle bar bezahlt. Seit dem Jahr 2008 ist dieser Anteil aber leicht zurückgegangen, damals wurden noch knapp 83 Prozent aller Käufe bar beglichen. Das liegt vor allem daran, dass Menschen immer mehr übers Internet einkaufen, wo Barzahlung nicht üblich ist.

Die elektronischen Bezahlformen legen in Deutschland also langsam, aber stetig zu. Im Vergleich zu anderen Ländern ist ihr Anteil gleichwohl klein (Grafik). Noch hat kein Staat auf der Welt das Bargeld ganz abgeschafft. Dänemark und Schweden scheinen aber zumindest auf dem Weg dahin zu sein: Dort wird überwiegend elektronisch bezahlt (Interview).

Prominente wie ABBA-Mitglied Björn Ulvaes machen sich sogar für die völlige Bargeld-Freiheit stark; im Museum der Band gibt es Tickets darum nicht mehr gegen Cash.

So wird Bargeld als Wertaufbewahrungsmittel genutzt

Obwohl immer weniger Menschen mit Bargeld bezahlen, war noch nie so viel Euro-Bargeld im Umlauf wie heute:

Derzeit kursieren im Euroraum rund 1.100 Milliarden Euro in Banknoten – das ist viermal so viel wie bei der Einführung der Scheine im Jahr 2002.

Das hat zwar auch damit zu tun, dass die Wirtschaftsleistung in dieser Zeit um 30 Prozent gewachsen ist. Doch 2002 lag der Bargeldbestand eben nur bei 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, heute sind es 39 Prozent.

Dass der Euro-Bargeldbestand Jahr für Jahr um gut 10 Prozent gestiegen ist, liegt nach Einschätzung der Bundesbank vor allem daran, dass viele Menschen auch einen Teil ihres Vermögens in bar aufbewahren. Gerade in der Finanzkrise, als die Verunsicherung groß war, horteten die Menschen Münzen und Scheine. Bankkunden zogen damals so viel Geld aus den Automaten wie sonst nur in der Vorweihnachtszeit. Im Oktober 2008 trugen sie mehr 500-Euro-Scheine aus den Banken als in den anderen elf Monaten des Jahres zusammen.

Auch im April 2016 bildeten sich Schlangen vor bestimmten Geldschaltern. Diesmal wollten die Bundesbürger jedoch keine großen Scheine, sondern kleines Geld – die neue, in Deutschland entwickelte Fünf-Euro-Münze. Vor allem der markante blaue Ring aus einem fälschungssicheren Kunststoff weckte die Begehrlichkeiten von Sammlern. Die Hightech-Münze soll, so hoffen die Entwickler, auch bei jungen Menschen das Interesse an barer Münze wecken und erhalten.


(Stand: Mai 2016)

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