Hintergrundtext

Warum Bargeld so viele Fürsprecher hat

Derzeit mehren sich die Stimmen, die Bargeld im Grunde genommen für überflüssig halten. Doch die Verfechter des Bargelds haben ebenfalls gute Argumente und – auch das spielt eine Rolle – die Bundesbürger zahlen gerne mit klingender Münze aus dem Portemonnaie.

Foto: Robert Kneschke/Fotolia

Die Argumente der Bargeld-Gegner stoßen auf breite Ablehnung. Zu den entschiedensten Fürsprechern des Bargelds gehört die Deutsche Bundesbank. Ihr Hauptargument lautet, dass eine Abschaffung des Bargelds die Symptome, nicht aber die Ursachen von Kriminalität und Konjunkturschwäche bekämpfen würde.

So könnten Kriminelle auf andere Bezahlwege ausweichen. Dadurch würden zwar ihre Kosten steigen. Doch die illegalen Profite sind so immens, dass kompliziertere Bezahlverfahren kaum abschreckend wirken würden, schätzt Friedrich Schneider, der an der Universität Linz über Wirtschaftskriminalität und Schattenwirtschaft forscht. Nach seiner Prognose würden sich kriminelle Aktivitäten ohne Bargeld höchstens moderat verringern. Immer mehr Enthüllungen – zuletzt die „Panama-Papers“ – zeigen zudem, dass es Unmengen an Schwarzgeld gibt, das längst auf Bankkonten liegt, also kein Bargeld mehr ist.

Auch um aus einer Wirtschaftskrise herauszukommen, eignet sich die Abschaffung des Bargelds nach Meinung der Bundesbank kaum. Die Umstellung auf eine bargeldlose Wirtschaft würde viel zu lange dauern, kann also nicht die erhoffte rasche Wirkung entfalten. Die Bundesbank empfiehlt den krisengeplagten Euroländern stattdessen Wirtschaftsreformen. Wenn sich die Chancen für Unternehmen besserten, würden diese auch wieder mehr investieren und dafür Kredite nachfragen.

Viele Deutsche können sich eine Welt ohne Bargeld gar nicht vorstellen. Sie schätzen seine praktischen Eigenschaften und sehen mehr Vor- als Nachteile. Als wichtigstes Motiv dafür, ausschließlich bar zu bezahlen, nennen 65 Prozent der Befragten die bessere Ausgabenkontrolle (Grafik). Darum vermutet Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, dass sich der Handel von der Abschaffung des Bargelds höhere Umsätze verspricht: „Mancher Händler träumt davon, dass die Kunden den unangenehmen Abschluss des Einkaufs – das Bezahlen – kaum noch spüren“, sagt der fürs Thema Bargeld zuständige Bundesbanker. Nach seiner Überzeugung soll die Entscheidung, bar oder elektronisch zu zahlen, nur einer treffen – nämlich jede und jeder für sich.

 

(Stand: Mai 2016)

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