Hintergrundtext

Die gesetzliche Rentenversicherung und wie sie funktioniert

Das deutsche Rentensystem ist einzigartig auf der Welt. Doch wie funktioniert eigentlich das Umlageprinzip und was ist der Generationenvertrag? Eine Übersicht.

FOTO: bilderstoeckchen/Fotolia

Erst eine Ausbildung oder ein Studium, dann folgt das Berufsleben und schließlich kommt die wohlverdiente Rente. So kennen es die Menschen in Deutschland schon seit Generationen. Bereits 1891 wurde hierzulande die gesetzliche Rentenversicherung eingeführt. Seither ist sie für den Großteil der Deutschen verpflichtend. Lediglich Selbstständige und Beamte zahlen in eine andere Rentenversicherung ein. Das Ziel beider Varianten: einen Ersatz für das wegfallende Einkommen im Ruhestand schaffen.

Die Idee: Arbeiter zahlen für Rentner

Die Idee ist denkbar einfach. Wer arbeitet, zahlt einen gewissen Anteil seines Einkommens in einen großen Topf ein. Daraus werden die Renten der aktuellen Ruheständler bezahlt. Wird ein Arbeitnehmer selbst zum Rentner oder kann er seiner beruflichen Tätigkeit nicht mehr nachkommen, bezieht er sein Einkommen aus eben jenem Topf. Auch für den Todesfall gibt es eine gesetzliche Regelung: Dann bekommen die Hinterbliebenen die Rente ausgezahlt.

Soviel zur Idee. Die Umsetzung in Deutschland ist wesentlich komplexer und hat sich im Laufe der Jahre stark verändert. Denn nicht nur Arbeiter, sondern auch Arbeitgeber und der Staat zahlen in den Rententopf ein. Als das Gesetz 1891 in Kraft trat, lag der Beitragssatz bei 1,7 Prozent – je zu einem Drittel getragen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie durch staatliche Zuschüsse. Seitdem sind die Beiträge kontinuierlich gestiegen und liegen heute bei 9,95 Prozent für den Arbeitgeber und 9,95 Prozent für den Arbeitnehmer. Zusätzlich schießt der Staat aus dem Bundeshaushalt Geld hinzu. Was im ersten Moment nach einem extremen Anstieg der Beiträge klingt, hat vor allen Dingen einen geschichtlichen Hintergrund.

Vom Ansparen zur Umlagefinanzierung

Neben dem Beitragssatz hat sich nämlich auch das System der Rentenversicherung über die Jahre verändert. Im Zeitraum kurz nach der Einführung bis hinein ins 20. Jahrhundert war das System darauf aufgebaut, dass die gesetzliche Rentenversicherung die Einkommen jedes einzelnen Ruheständlers “ansparte” und zum Renteneintritt auszahlte. Man könnte sagen, es war nichts anderes, als ein großes Sparschwein.

Doch die Weltwirtschaftskrise und die folgende Hyperinflation vernichteten einen Großteil des angesammelten Kapitals. Der Staat musste eingreifen, zahlte von da an fast 50 Prozent der Renten. Trotzdem konnte das Rentenniveau nicht gehalten werden, die Einkommen der Ruheständler sanken rapide. Viele Erwachsene mussten vom Einkommen der Kinder oder dem Ersparten leben.

Das änderte sich mit der Rentenreform im Jahr 1957. Damals schuf die Bundesregierung das bis heute gültige System der Umlagefinanzierung. Von nun an sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer je 14 Prozent ihres Gehalts abtreten. Statt das Geld wie bisher für jeden Arbeitgeber anzusparen, sollte damit das Einkommen der aktuellen Ruheständler bezahlt werden. Die nachfolgende Generation war demnach für das Einkommen der Rentner zuständig. Diese Übereinkunft wird Generationenvertrag genannt.

Rentenformel kommt zum Einsatz

Da die Abgaben der Arbeitgeber und Arbeitnehmer plötzlich sehr viel höher waren als zuvor, stieg das Rentenniveau. Seither berechnet sich die Höhe der Rente vor allem über die sogenannte Rentenformel. Diese bezieht unter anderem mit ein, wie viel der jetzige Rentner in seinem Versicherungsleben eingezahlt hat. Wichtig sind außerdem das Renteneintrittsalter und die Jahre der Erwerbstätigkeit.

Neben der gesetzlichen Rentenversicherung, gibt es noch die Möglichkeit eine private Rentenversicherung abzuschließen. Arbeitnehmer können dabei Geld einzahlen, das von den Versicherungen angelegt und so vermehrt wird. Wenn der Arbeitnehmer in den Ruhestand geht, bekommt er seinen anfangs eingezahlten Betrag plus eine Summe X ausgezahlt. In Deutschland nutzen immer mehr Menschen diese Art der Rentenversicherung, um im Alter finanziell abgesichert zu sein. Denn viele fürchten heutzutage, mit den Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung nicht mehr über die Runden zu kommen. Warum die Menschen Angst vor Altersarmut haben und ob sie begründet ist, erklären wir in unserem Beitrag „Altes Deutschland – Was passiert mit der Rente?“.


(Stand: Februar 2017)

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