Hintergrundtext

Deutschland, einig Mieterland?

Deutschland hatte lange den Ruf, ein Land von eingefleischten Mietern zu sein – ganz anders als Spanien zum Beispiel. Doch erstens ändern sich die Zeiten und zweitens lässt sich nicht ganz Deutschland über einen Kamm scheren.

FOTO: Fotolia/chaya1

Auf den ersten Blick scheinen die Deutschen ein Volk von Mietern zu sein, denn fast nirgends in Europa wohnen so wenig Menschen im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung wie in Deutschland (Grafik):

In Norwegen, Polen und Tschechien leben jeweils über 80 Prozent der Einwohner im Eigenheim, in Spanien sind es fast genauso viele und auch in Frankreich und Großbritannien noch mehr als 60 Prozent. Dagegen wohnt nur die Hälfte der Bundesbürger in den eigenen vier Wänden.

Weniger Häuslebauer und -besitzer gibt es nur noch in der Schweiz. Hinter all diesen Unterschieden stecken nationale Besonderheiten wie zum Beispiel die ausgeprägte staatliche Förderung von Wohneigentum in den Niederlanden, die großzügige Vergabe von Baudarlehen in Spanien und die Mietregulierungen in Österreich. In Deutschland wurden nach dem zweiten Weltkrieg mithilfe des sozialen Wohnungsbaus sehr viele Mietshäuser gebaut, und mit dem Auslaufen der Mietpreisbindung entwickelte sich ein attraktiver Mietwohnungsmarkt.

Bei näherem Hinsehen ist die Frage „Mieter- oder Käuferland?“ aber auch für Deutschland nicht ganz eindeutig zu beantworten, denn es gibt große regionale Unterschiede. In Westdeutschland, und dort vor allem in den eher ländlich geprägten Bundesländern, ist die Wohneigentumsquote relativ hoch (Grafik):

Im Saarland werden 64 Prozent aller Wohnungen und Häuser von Eigentümern bewohnt, und auch in Rheinland-Pfalz, Niedersachen, Baden-Württemberg und Bayern sind es teils deutlich mehr als die Hälfte. In Nordrhein-Westfalen mit dem riesigen Ballungsraum Ruhrgebiet fallen dagegen deutlich weniger Wohnungen in die Kategorie „selbstgenutztes Eigentum“.

Noch weniger sind es in den Stadtstaaten, allen voran Berlin, wo sechs von sieben Wohnungen gemietet sind. In den ostdeutschen Flächenländern ist die Wohneigentumsquote ebenfalls niedrig – ein Erbe der planwirtschaftlichen Wohnungsbaupolitik mit ihren Plattenbausiedlungen, deren Ziel es war, möglichst jedem DDR-Bürger zu praktischem und günstigen Wohnraum zu verhelfen. Deshalb wohnen – wenn auch mit abnehmender Tendenz – nach wie vor viele Ostdeutsche zur Miete.

In Westdeutschland dagegen wurde neben dem sozialen Wohnungsbau auch der Kauf einer Immobilie staatlich gefördert. So waren die Baukosten für selbstgenutztes Wohneigentum früher steuerlich abzugsfähig, und noch heute unterstützt der Staat das Bausparen mit der Wohnungsbauprämie. Von 1996 bis 2006 wurden Hausbau und -kauf außerdem mit der Eigenheimzulage bezuschusst.

Die großen Unterschiede zwischen Stadt und Land resultieren vor allem daraus, dass Eigentum auf der grünen Wiese wegen der niedrigeren Bodenpreise weitaus erschwinglicher ist als in den attraktiven Großstädten. Deshalb gilt die Faustregel: Je größer und beliebter eine Stadt, desto höher ist ihr Mietwohnungsanteil –umgekehrt sind in vielen Dörfern 90 Prozent Besitzer auch die Bewohner.

Weil Städten wie München, Frankfurt, Köln und Hamburg – und seit neuestem auch Berlin – ihre Attraktivität aber so langsam zum Verhängnis zu werden droht und nicht nur der Immobilienkauf, sondern auch das Mieten immer teurer wird, stieß das Vorhaben Mietpreisbremse im Bundestagswahlkampf 2013 auf viel Zuspruch. 

 

Stand: September 2014

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