Hintergrundtext

Eine Beispielrechnung zur Vermögensentwicklung

Mieten oder kaufen? Was unter dem Aspekt des Vermögensaufbaus besser abschneidet, ist vor allem eine Frage der Zinsen – und zwar jenen, die ein Baukredit kostet, und jenen, die eine alternative Anlage einbringt. Ein Beispiel.

FOTO: Fotolia/Gina Sanders

Dass auch eine nüchterne Betrachtung der voraussichtlichen Vermögensentwicklung kein eindeutiges Richtig oder Falsch liefern kann, zeigt folgende Musterrechnung: Klaus Käufer und Melanie Mieter leben heute in einer mittelgroßen Stadt im selben Mehrfamilienhaus in einer baugleichen 75-Quadratmeter-Wohnung. Beide erben 90.000 Euro.

Klaus Käufer nimmt das Geld als Grundstock für den Kauf seiner Wohnung. Diese kostet 261.000 Euro, hinzukommen Maklergebühren, Grunderwerbsteuer und Notargebühren von 39.0000, insgesamt sind also 300.000 Euro zu zahlen. Klaus Käufer nimmt einen Kredit von 210.000 Euro zu einem Zinssatz von 3 Prozent auf, für dessen Rückzahlung er jährlich 11.000 Euro an Zinsen und Tilgung aufbringen muss. Hinzu kommen jedes Jahr Ausgaben von 1,5 Prozent des Immobilienwerts, um die Wohnung und das Gebäude in Schuss zu halten, zum Beispiel, um Schimmel im Bad zu beseitigen oder zu streichen. Geht man davon aus, dass der Wert der Immobilie Jahr für Jahr um 0,5 Prozent steigt, verfügt Klaus Käufer in 25 Jahren über ein Vermögen von 244.000 Euro.

Melanie Mieter legt ihre geerbten 90.000 Euro risikoarm in einen mit 2 Prozent pro Jahr verzinsten Rentenfonds an. Zusätzlich zahlt sie in diesen Fonds jeden Monat weitere 50 Euro ein. Ihre Miete beträgt derzeit 1.125 Euro im Monat und wird alle fünf Jahre um 2 Prozent erhöht, liegt also 2020 bei rund 1.150 Euro. Melanie Mieter hat damit eine Klaus Käufer vergleichbare monatliche Zahlungsbelastung und verfügt mit ihrer Anlagestrategie ziemlich genau zehn Jahre lang über ein höheres Vermögen als ihr Nachbar. Dann macht sich allerdings deutlich bemerkbar, dass Klaus Käufer seinen Kredit abbezahlt und er überholt Melanie Mieter mit seinem Nettovermögen, also dem Vermögen abzüglich der Schulden: Sie hat nach 25 Jahren gerade einmal 163.000 Euro angespart – 80.000 Euro weniger als er.

Unter anderen Voraussetzungen kann sich das Bild aber auch komplett wandeln: Wäre Melanie Mieter etwas risikofreudiger und würde ihr Geld in einen Aktienfonds stecken, der sich mit 6 Prozent im Jahr verzinst, käme sie nach 25 Jahren auf ein Vermögen von fast 400.000 Euro. Und wenn die beiden dann noch in einer wirtschaftlich schwachen Region leben, in der die Immobilienpreise sinken, beispielsweise um 1 Prozent pro Jahr, dann steht Klaus Käufer nach 25 Jahren genauso da wie seine Nachbarin mit ihrer 2-Prozent-Anlage.

Wenn beide zum Beispiel für einen neuen Arbeitsplatz den Wohnort wechseln müssen, kommt noch ein Problem dazu. Melanie kann dann einfach umziehen, während Klaus entweder lange Pendelzeiten in Kauf nehmen oder seine Wohnung verkaufen und den Kredit ablösen muss – was mit einer sogenannten Vorfälligkeitsentschädigung an die Bank verbunden ist und das Vermögen weiter schmälert.

 

Stand: September 2014

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