Hintergrundtext

Von Online-Käufern und Internethändlern

Für junge Menschen ist der Einkauf im Internet längst selbstverständlich – besonders beliebt sind Veranstaltungstickets, Musik und Klamotten. Kein Wunder, dass der Versandhandel derzeit auf einer Erfolgswelle schwimmt.

FOTO: Fotolia/drubig-photo

„Schrei vor Glück!“ So wirbt der Berliner Online-Schuh- und Modeversand Zalando in einem bekannten Werbespot – und immer mehr Menschen scheinen ihn beim Wort zu nehmen. Der Einkauf per Mausklick boomt, wie eine jährliche Erhebung der EU-Statistikbehörde Eurostat zeigt: Vor zehn Jahren hatte gerade jeder sechste Bundesbürger etwas über das Internet gekauft, 2011 traf das immerhin schon auf mehr als jeder zweiten zu. Besonders empfänglich für die Online-Angebote sind Jugendliche: Im vergangenen Jahr hatten 57 Prozent der 16- bis 24-Jährigen innerhalb von drei Monaten mindestens einmal im Internet eingekauft.

Ein Blick in die europäischen Länder zeigt, dass das Online-Shopping gerade für jüngere Menschen längst selbstverständlich ist. In Großbritannien, Skandinavien und Deutschland, wo das Internet-Shopping ohnehin populär ist, kaufen die Schüler, Studenten und Berufsanfänger genauso oft im Netz ein wie die älteren – und damit finanzkräftigeren – Erwerbstätigen. In Ländern dagegen, in denen die Älteren vergleichsweise selten etwas über das Internet bestellen, sind die Jüngeren meist Vorreiter, so zum Beispiel in Österreich, der Slowakei, Slowenien, Polen, Tschechien und Griechenland.

Trotzdem gibt es zumindest in Deutschland relativ viele junge Leute, die noch nie etwa über das Internet bestellt oder gebucht haben. Wie der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) herausfand, trifft dies immerhin auf 21 Prozent der 14- bis 29-Jährigen zu, aber nur auf 9 Prozent der 30- bis 49-Jährigen.

Die BITKOM-Studie brachte noch andere Shopping-Vorlieben in unterschiedlichen Altersgruppen zum Vorschein: Der Web-Warenkorb der unter 30-jährigen Bundesbürger füllt sich besonders oft mit Veranstaltungstickets, Musik und Klamotten. Bei den Älteren stehen dagegen Flugbuchungen an erster Stelle, direkt gefolgt vom Kulturgenuss: Eintrittskarten, Musik und Bücher. Mode folgt erst einige Plätze weiter hinten. Altersgemäß buchen die 30- bis 49-Jährigen außerdem häufiger Übernachtungen und Mietwagen online als die Jüngeren. Auch bei den über 50-Jährigen liegt der Fokus beim Geldausgeben im Netz auf der Reise-Organisation: Übernachtungen sind das zweitbeliebteste Einkaufsgut und auch Pauschalreisen spielen in dieser Altersgruppe eine erwähnenswerte Rolle.

Internethandel: Der Markt

Das Internet wird als Marktplatz immer wichtiger – das ist die Quintessenz verschiedener Studien und Statistiken. Das Forschungsinstitut TNS Infratest ermittelte in einer Befragung von rund 30.000 Privatpersonen für den Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh) einen Online-Umsatz von 21,7 Milliarden Euro im Jahr 2011 – damit verdienen die Versandhändler mittlerweile fast 2 von 3 Euro über das Internet. Telefonisch oder schriftlich ordern dagegen immer weniger Kunden: 2010 lag der Umsatzanteil dieser Bestellwege noch bei 36 Prozent, schon ein Jahr später waren es nur noch knapp 32 Prozent.

Dass der Trend sich fortsetzt, zeigen die Umsatzzahlen des Versandhandelsverbands für das erste Quartal 2012: Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum legten die gesamten Versandumsätze noch einmal um 10 Prozent zu – und der Anteil des Onlinehandels daran stieg von 66 auf 71 Prozent.

Ein weiteres Indiz dafür, wie wichtig das Internet für den Einzelhandel ist, hat die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) in einer Studie herausgefunden. Demnach werden bereits 16 Prozent aller Einkäufe online recherchiert – und danach im Laden gekauft.

Mit Abstand den größten Umsatz im Online-Versandgeschäft erwirtschaftete nach Angaben des bvh die Sparte Bekleidung/Textilien/Schuhe, nämlich 6,1 Milliarden Euro – das war mehr als doppelt so viel, wie die Nummer zwei erzielte, der Bereich Medien, Bild- und Tonträger. Das wiederum erklärt, weshalb bei Zalando, dem eingangs zitierten Schuhversender, wohl nicht nur die Kunden vor Glück schreien. Kleine Randnotiz dazu: Ob das Unternehmen schwarze Zahlen schreibt ist nicht bekannt, wohl aber dass sich Anfang Februar sogar ein russischer Investor mit 4 Prozent an dem offenbar erfolgversprechenden Konzept beteiligte. Und noch eine Randnotiz: Die Hälfte der Anteile liegt in den Händen der Samwer-Brüder, die zu Beginn der New-Economy-Zeit Ende der neunziger Jahre mit der Gründung – und dem bald darauf folgenden millionenschweren Verkauf – des deutschen Ebay-Klons „Alando“ Geschichte in Sachen Internetwirtschaft schrieben.

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