Hintergrundtext

25 Jahre Aufbau Ost

Eingeholt hat die ostdeutsche Wirtschaft die westdeutsche noch lange nicht. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt hat sich allerdings deutlich gebessert.

Leipzig ist wirtschaftlich eine der ostdeutschen Vorzeigestädte. FOTO: steschum/Fotolia

Auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung lässt die wirtschaftliche Angleichung – Ökonomen sprechen von Konvergenz zu wünschen übrig, jedenfalls dann, wenn man die Konvergenz am Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner misst. Vor 25 Jahren erreichte Ostdeutschland nur gut ein Drittel des westdeutschen Niveaus. Das war nicht weiter erstaunlich, denn viele ehemalige DDR-Fabriken mussten infolge der Währungsunion ihre Produktion nach der Wiedervereinigung komplett einstellen – Trabis zum Beispiel waren zu D-Mark-Preisen schlicht unverkäuflich. Kurz darauf führten dann die Produktion von marktfähigen Waren, hohe Investitionen und der Nach-Wende-Bauboom zu beachtlichen Wachstumsraten zwischen 10 und 13 Prozent. Seit Mitte der neunziger Jahre jedoch geht der Aufholprozess nur noch schleppend voran – und deshalb erreichen die neuen Bundesländer auch heute gerade einmal zwei Drittel des Pro-Kopf-BIP der alten Länder (Grafik).

Lichtblicke auf dem Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosigkeit ist seit Mitte der Nullerjahre nicht nur im Westen gesunken, sondern auch im Osten Deutschlands – und zwar besonders deutlich (Grafik):

Noch 2004 war die ostdeutsche Arbeitslosenquote mit fast 19 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die westdeutsche – im Jahr 2014 lag sie nur noch bei knapp 10 Prozent und damit dem gut Anderthalbfachen des West-Niveaus.

Damit scheint eine lange Durststrecke überwunden: In den neunziger Jahren nahm die Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern vor allem deshalb so stark zu, weil Industrie und Verwaltung Mitarbeiter entlassen mussten, der Umbau der Wirtschaft aber noch nicht so weit vorangekommen war, dass all diese Arbeitskräfte neue Jobs hätten finden können. Insbesondere die Entwicklung eines unternehmerischen Mittelstands brauchte Zeit.

Trotz der kräftig gesunkenen Arbeitslosigkeit ist die Zahl der Beschäftigten in Ostdeutschland längst nicht so stark gestiegen wie im Westen. Im Jahr 2013 waren in den neuen Ländern – Berlin ausgenommen – immer noch weniger Menschen erwerbstätig als im Jahr 2000, während es in den alten Ländern ein kräftiges Beschäftigungsplus gegeben hat. Die Erklärung: Im Osten leben heute weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter als noch vor 25 oder 15 Jahren, im Westen dagegen sind es durch die Zuwanderung aus Ostdeutschland und aus dem Ausland mehr geworden. Da in den kommenden Jahren zudem sehr viele Ostdeutsche in Rente gehen, dürfte die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen – und vor allem in den Industrieregionen Sachsens und Thüringens droht sogar Fachkräftemangel.

Wirtschaftsstruktur ändert sich

Der – verglichen mit Westdeutschland – geringe Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der ostdeutschen Bruttowertschöpfung galt in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung als großes Handicap bei der Aufholjagd. Doch dann ist die Industriequote stetig gestiegen und lag vor der Krise 2009 schon bei einem Fünftel, ist nun aber wieder auf 17 Prozent geschrumpft (Grafik). Wie wichtig die Industrie grundsätzlich für den Arbeitsmarkt ist, veranschaulichen die Beispiele Thüringen und Sachsen. In beiden Bundesländern ist das Verarbeitende Gewerbe relativ stark und es finden sich erfolgreiche Industrie-Cluster, zugleich ist die Arbeitslosenquote niedriger als anderswo in Ostdeutschland, etwa im schwach industrialisierten Mecklenburg-Vorpommern.

 

(Stand: April 2015)

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