Hintergrundtext

Produkte „made in Germany“ gefragt wie nie

Aufgrund der hohen Qualität seiner Produkte zählt Deutschland seit Jahren zu den größten Exporteuren der Welt. Besonders Autos und Maschinen sind im Ausland gefragt. Die guten Zahlen erfreuen aber nicht jeden. International wird der deutsche Leistungsbilanzüberschuss des Öfteren kritisiert. Die starke Exportwirtschaft trägt aber indirekt dazu bei, in anderen Ländern Jobs zu sichern.

FOTO: Fotolia/ake1150

Für die deutsche Wirtschaft war 2016 ein Rekordjahr: Erstmals haben die Unternehmen Waren für mehr als 1,2 Billionen Euro im Ausland abgesetzt. Höhere Ausfuhren hatten im vergangenen Jahr nur die USA und China.

Im Vergleich mit den beiden Konkurrenten hat Deutschland jedoch das größere Plus im Außenhandel erzielt. Deutsche Unternehmen erwirtschafteten im Jahr 2016 einen Außenhandelsüberschuss von 250 Milliarden Euro.

Der größte Abnehmer von Produkten „made in Germany“ waren die USA mit 107 Milliarden Euro. Dahinter folgten Frankreich und Großbritannien. Angesichts der protektionistischen Tendenzen der Vereinigten Staaten und der anstehenden Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien bleibt allerdings abzuwarten, wie sich die Geschäfte auf diesen Absatzmärkten entwickeln.

Meisten Kunden in Europa

Das Hauptabsatzgebiet für deutsche Exporte war auch 2016 der europäische Kontinent, insbesondere die Nachbarstaaten. Das spiegelt sich auch in den Transportwegen wider (Grafik). Der Großteil deutscher Exportwaren wird über die Straße zu den Kunden gebracht. Zweitwichtigstes Verkehrsmittel für die deutschen Unternehmen sind Containerschiffe, die die Kunden aus Übersee versorgen.

Die Palette der Exportprodukte ist zwar breit, dennoch gibt es eindeutige Umsatzbringer – allen voran den Fahrzeugbau (Grafik): Die deutschen Autobauer exportierten im vergangenen Jahr Fahrzeuge und Fahrzeugteile im Wert von 228 Milliarden Euro. Am zweitbesten verkauften sich Maschinen, gefolgt von chemischen Erzeugnissen.

Die starke Auslandsnachfrage führt dazu, dass Deutschland einen deutlichen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaftet. Im vergangenen Jahr belief er sich auf 8,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Laut EU-Kommission soll der Überschuss jedoch maximal 6 Prozent betragen – wenn einzelne Länder dauerhaft höhere Überschüsse erzielen, ist das nach Ansicht der Kommission stabilitätsgefährdend.

Die Kritik am hohen deutschen Überschuss gibt es bereits seit längerem. Die USA, Frankreich und zuletzt auch der Internationale Währungsfonds werfen Deutschland vor, durch eine Fokussierung auf den Export andere Volkswirtschaften negativ zu beeinflussen – denn den Exportüberschüsse des einen Landes stehen die Importüberschüsse eines anderen Landes gegenüber, die diese über Schulden finanzieren müssen.

Vorleistungen aus dem Ausland

Doch so einfach ist die Rechnung nicht. Zum einen stecken in den deutschen Exportwaren auch ausländische Vorleistungen. Das Statistische Bundesamt beziffert den Anteil für 2016 auf mehr als 40 Prozent. Das heißt: Die deutschen Exporte schaffen oder sichern auch Arbeitsplätze und Umsätze im Ausland. Außerdem tragen die niedrigen Zinsen und ein geschwächter Euro-Kurs dazu bei, dass Waren aus Deutschland in den Nicht-Euroländern tendenziell billiger werden. Zum anderen lässt sich die Nachfrage nach deutschen Produkten auch nicht per Gesetz reduzieren.

Was aber geht, ist eine Erhöhung der Inlandsnachfrage. Der Staat könnte zum Beispiel in die Infrastruktur investieren. Ein weiterer Ansatz ist, den Bürgern mehr Netto vom Brutto zu lassen und so die Kaufkraft im Land zu stärken - dadurch steigen die Importe. Dies wiederum drückt – bei gleichen Exporten – den Leistungsbilanzüberschuss.

Dieser Artikel erschien zuerst auf aktiv-online.de

(Juli 2017)

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