Interview

„Man kann die Einkommen nicht gleichmäßig verteilen und gleichzeitig leistungsgerecht sein“

Nachgefragt bei Dominik Enste, Leiter des Kompetenzfelds Institutionenökonomik und Experte für Wirtschaftsethik im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Er hat den „Internationalen Gerechtigkeitsindex“ entwickelt.

Herr Enste, Deutschland belegt im IW-Index beileibe nicht auf allen Gerechtigkeitsfeldern Spitzenplätze. Worauf sollte die Politik ihr Augenmerk legen?

Vor dem Hintergrund, dass den Bundesbürgern die Chancengerechtigkeit am wichtigsten ist und unseren Analysen zufolge hier auch einiges im Argen liegt, ist unsere Antwort klar. Für die Bildung und beim Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit kann Deutschland noch viel tun.

Prof. Dr. Dominik H. Enste leitet das Kompetenzfeld Institutionenökonomik im IW Köln. FOTO: IW Medien

Und wo wird es schwierig?

Es ist nun einmal nicht möglich, überall top zu sein, weil sich die Gerechtigkeitsdimensionen teilweise widersprechen – man kann zum Beispiel die Einkommen nicht vollkommen gleichmäßig verteilen und gleichzeitig leistungsgerecht sein. Wenig Handlungsbedarf hat Deutschland auch bei der Absicherung der Grundbedürfnisse. Hier ist das Niveau im internationalen Vergleich schon beachtlich.

Gerechtigkeit im internationalen Vergleich – was sagt das überhaupt aus?

Natürlich liefert der IW-Index kein vollständiges Bild – das hängt schon damit zusammen, dass nicht alle Daten verfügbar sind, die wir gerne verwendet hätten. Der Vorteil des Gerechtigkeitsindexes ist jedoch, dass er die Debatte erdet. Was gerecht ist oder nicht, misst sich nicht mehr an utopischen Idealen, sondern durch einen Abgleich mit realexistierenden Alternativen in anderen Ländern.

 

(Stand: November 2013)

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