Hintergrundtext

Deutschlands Umweltbilanz

In Sachen Klimaschutz ist Deutschland ein Musterschüler. Als eines der ganz wenigen Länder hat die Bundesrepublik es geschafft, die Treibhausgas-Emissionen zu verringern. Ob es in Zukunft so weitergeht, ist allerdings fraglich.

FOTO: Fotolia/Amir Kaljikovic

Klimavorreiter

Das Klima ist ein globales Gut. Es nutzt also nichts, wenn ein einzelnes Land seine Treibhausgas-Emissionen senkt, alle andere Länder aber nicht. Die globale Produktion von klimaschädlichen Gasen trotz wachsender Weltwirtschaft zurückzuschrauben, ist deshalb ein schwieriges Unterfangen.

Deutschland hat sich im Rahmen des Kyoto-Abkommens von 1997 und der EU-internen Lastenverteilung dazu verpflichtet, seine CO2-Emissionen bis 2012 gegenüber dem Niveau von 1990 um 21 Prozent zu verringern. Das hat geklappt. Schon 2009 emittierte Deutschland 20 Prozent weniger Treibhausgas als 1991 und sogar 23 Prozent weniger als im Kyoto-Basisjahr 1990. Bis zum Jahr 2020 gilt es nun laut Selbstverpflichtung der Bundesregierung, ein Minus von 40 Prozent zu erreichen.

Bei der bisherigen Treibhausgas-Reduktion lassen sich zwei Phasen unterscheiden: Von 1991 bis 2000 lag die jahresdurchschnittliche Reduktion bei 1,6 Prozent, zwischen 2000 und 2009 nur noch bei 0,8 Prozent. Die Anfangserfolge sind in erster Linie auf den Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft und die dann folgende Modernisierung der Industrieanlagen zurückzuführen. Nachdem dieser Prozess abgeschlossen war, wurde es schwieriger, die Emissionen noch weiter zu drücken.

Deutschland konnte seine Treibhausgas-Emissionen verringern, obwohl das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1991 bis 2009 um 22 Prozent gestiegen ist. Das bedeutet: Auch die Treibhausgas-Intensität der Produktion hat deutlich abgenommen. Im Jahr 2009 konnte das gleiche Bruttoinlandsprodukt mit einem Drittel weniger Treibhausgas-Ausstoß erzeugt werden als 1991.

Andere Länder waren nicht ganz so erfolgreich: Sie konnten zwar ihre Emissionen je Einheit BIP verringern, weil ihre Wirtschaft aber zeitweise viel kräftiger zulegte als die deutsche, gingen ihre Gesamtemissionen deutlich nach oben. Beispiele dafür sind Spanien, Australien und Kanada. Es bleibt also festzuhalten: Klima-Musterschüler Deutschland hat bei seinen Reduktionserfolgen von seiner schwächelnden Wirtschaft profitiert – und dürfte es künftig schwer haben, die selbst gesteckten Klimaziele ohne wirtschaftliche Einschränkungen zu erreichen. 

Saubere Luft

Luftschadstoffe wie Schwefeldioxid, Stickoxide und Staub wirken regional. Daher besteht für die Politik ein großer Anreiz, die Emission im eigenen Land zu begrenzen, zum Beispiel durch staatliche Auflagen wie die „Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ im Bundes-Immissionsschutzgesetz und die Feinstaub-Richtlinie der EU.

Deutschland hat seine Schadstoff-Emissionen seit 1991 spürbar verringert. So hat sich der Ausstoß von Stickoxiden fast halbiert, der von Kohlenmonoxid ist um 69 Prozent gesunken. Bei Staub und Schwefeldioxid fällt der Rückgang mit 76 beziehungsweise 89 Prozent sogar noch deutlicher aus. Lediglich die Emissionen des – nur in geringen Mengen vorkommenden – giftigen Gases Ammoniak, enthalten unter anderem in Düngemitteln und tierischen Exkrementen, haben sich nur um 5 Prozent vermindert. Während der Ausstoß von Kohlenmonoxid und Stickoxiden in den vergangenen zwanzig Jahren kontinuierlich abgenommen hat, gingen die Staub- und Schwefeldioxid-Emissionen vor allem in den neunziger Jahren zurück. Danach tat sich nur noch wenig. Ein höheres Wachstum könnte künftig also – auf niedrigem Niveau – auch wieder mehr Luftschadstoffe mit sich bringen.

Ressourcenverbrauch verringert

Rohstoffe und andere natürliche Ressourcen stehen prinzipiell nur begrenzt zu Verfügung – je knapper sie sind, desto teurer ist ihr Einsatz. Deshalb haben Unternehmen, Staat und Privatverbraucher von sich aus Interesse an einem sparsamen Umgang. Trotz der für alle Rohstoffe vergleichbaren Ausgangslage hat sich der Einsatz der verschiedenen Ressourcen in Deutschland ganz unterschiedlich entwickelt. So ging der Wasserverbrauch deutlich zurück. Er lag im Jahr 2007 um gut 26 Prozent unter dem Niveau von 1991. Der Verbrauch von festen Rohstoffen wie Erzen und Mineralien ist im gleichen Zeitraum um fast 16 Prozent gesunken. Der Energieverbrauch wiederum hat sich über die Jahre kaum verändert – nur im konjunkturellen Krisenjahr 2009 sank er vorübergehend stark ab.

Die insgesamt für Wirtschafts-, Verkehrs- und Siedlungszwecke genutzte Fläche hat dagegen von 1992 bis 2009 um 18 Prozent zugenommen. Aber immerhin hat sich die jährliche Neubebauung von Flächen  in diesem Zeitraum um ein Drittel verringert. Eine wachsende Wirtschaft beansprucht also immer mehr Grund und Boden, aber – ein Lichtblick für die Natur – ihre Landnahme fällt bescheidener aus.

 

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