Hintergrundtext

Zehn Jahre Handwerksreform

Seitdem in manchen Berufen kein Meisterbrief mehr erforderlich ist, um einen Betrieb zu führen, ist im Handwerk einiges in Bewegung geraten.

FOTO: Fotolia/berc

Die Reform der Handwerksordnung im Jahr 2004 war Bestandteil der vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und der rot-grünen Bundesregierung angestoßenen Agenda 2010. Ziel war es, im bis dato stark regulierten Handwerk mehr Wettbewerb zuzulassen und – angesichts der damals sehr hohen Arbeitslosigkeit – die Selbstständigkeit und die Beschäftigung zu fördern. Dazu wurden die 94 klassischen Handwerksgewerbe in zwei Kategorien eingeteilt:

Nicht zugangsbeschränkte Gewerbe: In 53 Handwerksberufen ist seit 2004 kein Meisterbrief mehr nötig, um einen Betrieb zu gründen und zu führen. Das gilt zum Beispiel für Parkettleger, Raumausstatter und Gebäudereiniger. Verzeichnet sind diese Berufe in der sogenannten Anlage B1 der Handwerksordnung.

Weiterhin zugangsbeschränkte Gewerbe: In jenen 41 Handwerken, die in der Anlage A der Handwerksordnung aufgeführt sind, ist grundsätzlich ein Meisterbrief erforderlich, um selbstständig zu arbeiten. Von dieser Regel gibt es drei Ausnahmen: Erstens dürfen Gesellen nach sechs Berufsjahren ebenfalls einen Betrieb gründen, zweitens kann ein Ingenieurstudium den Meisterbrief ersetzen und drittens ist es möglich, einen Betrieb ohne Meisterbrief aufzumachen, wenn für die Geschäftsführung ein Meister eingestellt wird.

Kriterium für die Zugangsbeschränkung ist zum einen die Gefahrneigung – wenn also die Ausübung des Berufs gefährlich sein kann oder Fehler Gefahren für andere nach sich ziehen. Zum anderen ist in zentralen Handwerksbereichen wie bei den Maurern, Malern und Friseuren weiterhin ein Meisterbrief zur Betriebsgründung nötig, weil diese Gewerbe viele Lehrstellen bieten und verhindert werden sollte, dass die ausbildenden Meisterbetriebe von kleinen, nicht ausbildenden Neugründungen verdrängt werden.

Die Gründungserleichterungen in den Meisterberufen haben jedoch wenig bewirkt. Die Zahl der Betriebe ist kaum gestiegen. Wesentlich mehr hat die Zulassungsbefreiung gebracht: Mittlerweile kommen 27 Prozent aller Handwerksunternehmen aus dieser Sparte – vor der Reform, also vor zehn Jahren, waren es gerade 11 Prozent.

Für die sogenannten handwerksähnlichen Gewerbe war schon vor der Novellierung der Handwerksordnung kein Meisterbrief erforderlich. Die insgesamt 57 in Anlage B2 aufgelisteten Berufe stellen knapp 14 Prozent der Handwerksfirmen.

 

 

Die Ordnung des Handwerks

Zulassungspflichtige GewerbeZulassungsfreie GewerbeHandwerksähnliche Gewerbe

Berufsauswahl; nicht zugangsbeschränkte Gewerbe: seit der Reform der Handwerksordnung 2004

Maurer und BetonbauerFliesen-, Platten-, MosaiklegerEisenflechter
DachdeckerUhrmacherBodenleger
Maler und LackiererGold- und SilberschmiedeTheater-und Ausstattungsmaler
SchornsteinfegerParkettlegerMetallschleifer und -polierer
InformationstechnikerMaßschneiderFahrzeugverwerter
KraftfahrzeugtechnikerSchuhmacherKabelverleger im Hochbau
Installateure/HeizungsbauerRaumausstatterRohr- und Kanalreiniger
ElektrotechnikerBrauer und MälzerÄnderungsschneider
BäckerGebäudereinigerKosmetiker
AugenoptikerFotografenBestatter
FriseureDruckerKlavierstimmer

 

Stand: Juli 2014

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