Hintergrundtext

Deutschlands heimliche Weltmarktführer

Viele deutsche Familienunternehmen sind in – vermeintlich – kleinen Marktnischen zu Hause. Sie verzeichnen dort aber große Erfolge und sind zum Teil sogar globale Marktführer.

Enercon baut spezielle Windturbinen. FOTO: dpa

Im Zuge der Debatte um Deutschlands Energiewende berichten die Medien inzwischen häufiger von der Firma Enercon. Enercon ist der hierzulande führende Hersteller von Windkraftanlagen und hat auf dem Weltmarkt die Spitzenposition bei sogenannten getriebelosen Anlagen inne. Vor gar nicht allzu langer Zeit dürften das im ostfriesischen Aurich ansässige Unternehmen, das seit 1984 von Firmengründer Aloys Wobben geführt wird, allerdings nur Insidern bekannt gewesen sein.

Damit erging es Enercon ähnlich wie ungefähr 1.200 anderen Unternehmen in Deutschland, die zwar in ihrer Branche zu den drei stärksten der Welt zählen, aber trotzdem der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt sind – und daher als Hidden Champions, heimliche Weltmarktführer, bezeichnet werden.

Ein wesentlicher Grund für ihren geringen Bekanntheitsgrad ist, dass die Betriebe oft abseits der Wirtschaftszentren angesiedelt sind. Zudem fertigen sie selten gängige Konsumwaren, sondern stellen meist spezialisierte Investitionsgüter her. Dabei reicht die Palette der Produkte, mit denen die Hidden Champions erfolgreich sind, von Hochhausfassaden über Straßenfräsen und Tunnelbohrmaschinen bis hin zu Vorhängen und anderen Ausstattungen für Theaterbühnen. Sogar aufrollbare Hundeleinen sind eine Spezialität „made in Germany".

Neben Industriegütern bieten Deutschlands heimliche Marktführer auch komplexe Dienstleistungen an – beispielsweise die Planung und den Bau von Achterbahnen für große Vergnügungsparks oder die Sanierung von Industrieanlagen nach Brand-, Wasser- und Sturmschäden.

Schwierige statistische Erfassung

Die Hidden Champions stehen aber nicht nur selten im Rampenlicht, sie tauchen auch in keiner amtlichen Statistik gesondert auf. Einen Versuch, diese Firmen besser zu erfassen, hat das Institut für Mittelstandsforschung in Bonn unternommen. In einer Studie ermittelte es 2.688 Familienunternehmen mit einem Jahresumsatz von jeweils mindestens 50 Millionen Euro – von ihnen dürften viele zu den unbekannten Marktführern zählen. Die analysierten Unternehmen zeichnet vor allem ein dynamisches Wachstum aus. Im Jahr 2008 verzeichneten die großen Familienunternehmen im Schnitt ein Umsatzplus von 6,6 Prozent und eine Zunahme der Mitarbeiterzahl von 4,8 Prozent – der Durchschnitt aller Unternehmen in Deutschland lag lediglich bei 5,1 Prozent Umsatzwachstum bzw. 2,2 Prozent mehr Personal. Unterm Strich stellen die untersuchten Familienbetriebe zwar nur 0,1 Prozent der Unternehmen in Deutschland, erzielen aber mit 14 Prozent der Beschäftigten 18 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Umsatzes.

Oft mit eigener Forschung

Sofern die Rahmenbedingungen stimmen, dürften die Familienunternehmen auch künftig die Wirtschaft vorantreiben – zumindest sind sie besonders innovationsstark. So waren laut einer Sonderauswertung des vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellten Zukunftspanels zuletzt 80 Prozent der familiengeführten Firmen mit einem Umsatz zwischen 10 und 50 Millionen Euro in der Forschung und Entwicklung aktiv – von den Nicht-Familienbetrieben gleicher Größe dagegen lediglich 66 Prozent.

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