Hintergrundtext

Jobmotor Mittelstand

Während die ganz kleinen Firmen im vergangenen Jahrzehnt Jobs abgebaut haben, war der Mittelstand mit 50 bis 500 Mitarbeitern ein Beschäftigungsmotor für Deutschland.

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Annähernd 23 Millionen Menschen – fast vier Fünftel aller Arbeitnehmer in Deutschland – waren Mitte 2010 Unternehmen beschäftigt, die höchstens 500 Mitarbeiter unter Vertrag hatten. Ist der Mittelstand also tatsächlich die wesentliche Triebfeder der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, wie immer wieder gesagt wird? Wenn man sich die Arbeitsmarktentwicklung anschaut, dann lautet die eindeutige Antwort: Ja. Zwar hat sich zwischen 1999 und 2010 die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten insgesamt nur um 0,8 Prozent auf 27,7 Millionen erhöht, doch bei den mittelgroßen Betrieben mit 50 bis 499 Mitarbeitern gab es einen deutlicheren Zuwachs: In den vergangenen zwölf Jahren erhöhten Mittelständler ihren Personalstamm um 6,5 Prozent.

Dagegen haben Kleinbetriebe mit weniger als 50 Beschäftigten sowie Großbetriebe in dieser Zeit per Saldo Stellen abgebaut – sie verzeichneten einen Beschäftigungsrückgang von jeweils rund 2 Prozent. Hinter dieser Entwicklung steckt der Strukturwandel: Vor allem in der Industrie haben viele Großbetriebe bis 2005 Stellen gestrichen, während sich kleinere Dienstleister immer professioneller aufgestellt haben und zu Mittelständlern gewachsen sind.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Deutschland

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland insgesamt hat sich in den vergangenen Jahren alles andere als stetig entwickelt: Von 1999 bis 2005 nahm sie um 4,8 Prozent ab, in den beiden darauffolgenden Jahren stieg sie dann wieder an. Die Wirtschaftskrise hat anders als befürchtet unterm Strich nur zu einem Mini-Beschäftigungsrückgang von knapp 80.000 Arbeitnehmern geführt. Der jüngste Aufschwung hat diese Delle schon wieder ausgebügelt: Mitte vergangenen Jahres hatten 27,7 Millionen Menschen einen sozialversicherungspflichtigen Job – das waren 0,8 Prozent mehr als 1999.

Mittelständische Unternehmen mit 50 bis 500 Mitarbeitern halten an der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung einen Anteil von 38 Prozent. In Kleinbetrieben arbeiteten zuletzt 41 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer, in Großbetrieben 21 Prozent.

Dem Mittelstand droht Fachkräftemangel

Ob es bei dieser Verteilung bleibt, ist fraglich. Den Mittelständlern wird es in Zukunft schwerer fallen, neue Mitarbeiter anzuwerben, denn sie stehen mit den Großunternehmen in scharfer Konkurrenz um qualifizierte Arbeitskräfte. Zwar wollen laut einer Unternehmensbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags vom Frühsommer 2011 Betriebe jeder Größenordnung in allen Regionen ihre Belegschaften ausbauen, doch oft fehlt es an den benötigten Fachkräften.

In Süddeutschland zum Beispiel, wo die Beschäftigungspläne der Betriebe besonders stark auf Expansion ausgerichtet sind, herrscht mit einer Arbeitslosenquote von knapp 4 Prozent fast Vollbeschäftigung. Im Osten ist der demografische Wandel, also das Schrumpfen und Altern der Bevölkerung, bereits jetzt besonders stark zu spüren. Hier gibt es vielerorts noch nicht einmal genug junge Fachkräfte, um die älteren Mitarbeiter im Betrieb zu ersetzen.

Die Situation dürfte sich noch deutlich verschärfen: Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts sinkt das Erwerbspersonenpotenzial – Menschen, die arbeiten können und wollen – bundesweit bis 2050 um etwa ein Viertel, selbst wenn das Rentenalter angehoben wird. Den Osten trifft dieser Arbeitskräfterückgang bereits 2025. Großen Unternehmen spielt das in die Hände: Ihr größerer Bekanntheitsgrad, die professionellere Personalrekrutierung und die im Durchschnitt höheren Löhne verschaffen ihnen bei Bewerbern einen Vorteil.

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