Hintergrundtext

Branchen im Netz

Kaum noch ein Wirtschaftszweig kommt ganz ohne das weltumspannende Datennetz aus. Allerdings ist das Internet von Branche zu Branche unterschiedlich wichtig.

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Gut Wulksfelde ist ein Ökohof in der Nähe von Hamburg. Die Biolandwirte bauen nicht nur Getreide, Obst und Gemüse an und kümmern sich um ihr Vieh, sondern sie vermarkten ihre Erzeugnisse auch selbst. Dazu betreiben sie einen eigenen Hofladen – und einen Onlineshop. Der Lieferservice gibt inzwischen 37 Menschen Arbeit.

Einerseits ist dies ein eher untypisches Beispiel für die sogenannte Internetwirtschaft – nach wie vor haben viele Bauernhöfe nicht mal einen Internetanschluss –, andererseits auch wieder nicht. Denn das Internet ist quer durch alle Branchen auf dem Vormarsch, in manchen allerdings stärker als in anderen.

Die Wissenschaftler der IW Consult wollten für die Studie „Wirtschaft Digitalisiert“ herausfinden, wie intensiv das Internet in einzelnen Branchen genutzt wird und wie wichtig es für die jeweiligen Geschäftsmodelle ist. Dazu befragten sie jene gut 13.000 Unternehmen, die bereits an einer Studie im Auftrag des Suchmaschinen-Anbieters Google teilgenommen hatten. Der Nachteil dieses Vorgehens: Alle in dieser Stichprobe untersuchten Betriebe arbeiten bereits mit Google und haben dort zum Beispiel Anzeigen geschaltet, sind also dem Internet gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen. Die Ergebnisse der Branchenuntersuchung sind folglich nicht repräsentativ für die Branche, zeigen aber die Bedeutung des Internets für die „Internet-Vorreiter“ der einzelnen Wirtschaftszweige. Sehr gut erkennen kann man die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen:

  • Am stärksten sind die wirtschaftsnahen Dienstleistungen auf das Internet angewiesen (Grafik). Dazu zählen unter anderem das Grundstücks- und Wohnungswesen, vor allem aber freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleister, also zum Beispiel Steuerberater, Ingenieurbüros, Reisebüros und Personalvermittlungen. Von den befragten Anbietern gaben 85 Prozent an, dass Internet spiele für sie eine wichtige oder sogar zentrale Rolle. Durchschnittlich immerhin 27 Prozent des Umsatzes werden online erzielt, und fast die Hälfte der Unternehmen setzt Social-Media-Kanäle wie Facebook, Twitter und Youtube zur Kundenansprache sowie Kundenbindung ein.
  • Im Vergleich dazu üben sich die Industrie – Deutschlands größter Wirtschaftszweig – und das Baugewerbe in Online-Zurückhaltung. Im Baugewerbe erzielen selbst die Internetvorreiter nur 14 Prozent ihres Umsatzes online, und für 38 Prozent spielt das Internet eine untergeordnete Rolle. Aber auch in der Industrie stammen nur 19 Prozent des Umsatzes aus dem Online-Geschäft und jeder vierte Betrieb sagt, sein wirtschaftlicher Erfolg sei kaum vom Internet abhängig.
  • Sehr uneinheitlich sind die Befragungsergebnisse für den Wirtschaftzweig „Handel, Gastgewerbe, Kfz-Reparatur“. So geben zwar 14 Prozent der Firmen an, ihr Geschäftsmodell basiere „voll und ganz“ oder zumindest „sehr stark“ auf dem Internet – der Anteil der (nahezu) reinen Internetunternehmen ist damit doppelt so hoch wie in der Industrie. Zugleich aber sagen 28 Prozent der Betriebe, das Internet spiele für sie eine untergeordnete Rolle, und auch das sind mehr Firmen als in der Industrie. Die Erklärung für diese gemischte Bild ist die Heterogenität des Wirtschaftszweigs, der eher ein statistisches Konstrukt denn eine echte Branche ist: Während der Handel mit dem Online-Verkauf über einen boomenden Absatzkanal verfügt, nutzen viele Gaststätten das Internet nach wie vor nur zögerlich bis gar nicht.

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