Hintergrundtext

Vom Wert des Internets

Der volkswirtschaftliche Wert des Internets ist gar nicht so einfach zu beziffern – warum das so ist und wie man es doch versuchen kann.

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Wie viel ist das wert? Diese Fragen stellen Ökonomen traditionell. Doch welchen Wert das Internet für die Volkswirtschaft hat, konnte bislang noch nicht schlüssig beantwortet werden. Zwar misst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) die Wirtschaftsleistung und den Wohlstand, viele Segnungen des Internets bildet das BIP aber nicht ab. Im Gegenteil: Weil viele Leistungen, die früher gekauft werden mussten, heute kostenlos sind (zum Beispiel Pressearchive und Telefonate via Skype), schrumpft der Wert des BIP eher. Ähnliches bewirken die komfortablen Preisvergleiche, die im Netz über verschiedene Anbieter möglich sind. Sie führen dazu, dass die Konsumenten heute für viele Produkte weniger bezahlen als früher, was im BIP negativ zu Buche schlägt.

Festzuhalten ist, dass das Internet neue erfolgreiche Unternehmen hervorgebracht, die hohe Umsätze machen und jede Menge Arbeitsplätze schaffen: Google, Facebook und Amazon sind wohl die bekanntesten – aber auch der Erfolg des Computerherstellers Apple wäre ohne das weltumspannende Datennetz nicht möglich gewesen. Wieder andere Unternehmen nutzen das Internet höchst erfolgreich im täglichen Geschäft: als Verkaufsplattform, zur Kundenpflege, für die Materialbeschaffung, zur Anwerbung von neuen Mitarbeitern und für die interne Kommunikation – und trotzdem käme niemand auf die Idee, ein solches Unternehmen „Internetfirma“ zu nennen.

Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die sich der Frage nach dem Wert des Internets von zwei Seiten nähert:

Beim „Ausgabenansatz“ wurden aus dem Bruttoinlandsprodukt sämtliche internetbezogenen Ausgaben destilliert: online erworbene Produkte und Kosten für die Internetnutzung – und zwar sowohl von Seiten der privaten Verbraucher, als auch der Unternehmen und des Staates. Außerdem wurden die im Nettoexport (Exporte abzüglich Importe) enthaltenen Internet-Euros berücksichtigt. Demnach trägt die Internetwirtschaft 75 Milliarden Euro zur Gesamtwirtschaftsleistung bei. Das sind rund 3 Prozent des BIP – damit hat das Internet inzwischen eine größere wirtschaftliche Bedeutung als Branchen wie der Bergbau oder die Gastronomie.

Für den „Verlustaversionsansatz“ fragte die Boston Consulting Group Verbraucher, wie viel man ihnen bezahlen müsste, damit sie auf einen Internetzugang verzichten. In Deutschland wären das im Durchschnitt 2.622 Euro pro Jahr. Eine Anekdote am Rande: Immerhin 55 Prozent der Befragten wären – vor die Wahl gestellt – eher bereit, auf Kaffee als auf ihren Internetanschluss zu verzichten, und sogar 70 Prozent würden sich fürs Surfen vom Schokoladengenuss verabschieden.

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