Hintergrundtext

Frauen im Chefsessel von Familienunternehmen

In jedem fünften Familienunternehmen lenkt eine Frau die Geschicke. Besonders viele Chefinnen gibt es in der Dienstleistungsbranche und im Handel.

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Vor allem in Familienbetrieben, also in Unternehmen, in denen Eigentum und Leitung in einer Hand liegen, sind Frauen auf dem Vormarsch. Einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) zufolge haben fast 20 Prozent aller Familienunternehmen in Deutschland einen weiblichen Chef: Von den knapp 3 Millionen Familienunternehmen befanden sich im Jahr 2006 rund 576.000 Betriebe mehrheitlich im Besitz einer Frau, die die Firma auch lenkte oder die Unternehmensführung maßgeblich bestimmte.

Inzwischen dürfte der Frauenanteil sogar noch höher sein, denn die IfM-Studie musste für ihre Auswertung auf Daten aus dem Jahr 2006 zurückgreifen, weil kein aktuelleres Unternehmensregister vorliegt. Ein Vergleich mit der IfM-Vorläufererhebung aus dem Jahr 2003 zeigt jedenfalls, dass die Zahl der von Frauen geführten Firmen hierzulande steigt – wenn auch langsam: So standen im Jahr 2000 erst 18 Prozent der Familienunternehmen unter weiblicher Führung.

Ein weiteres Indiz dafür, dass Frauen in Zukunft vermehrt Betriebe leiten werden, lieferte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln in einer Studie für das Bundesfamilienministerium, die sich mit der Unternehmensnachfolge durch Frauen beschäftigte: Demnach planen viele heutige Geschäftsführerinnen von vornherein, öfter ihre Töchter als Nachfolgerinnen im Familienbetrieb einzusetzen, als dies bislang in Eigentümerfamilien üblich war. Das dürfte nicht nur dazu beitragen, dass die Zahl der Unternehmerinnen weiter steigt, sondern auch, dass die nächste Generation der Firmenlenkerinnen deutlich besser vorbereitet ins Geschäft einsteigt als die jetzige Frauenriege: Von den heutigen Unternehmerinnen ist so manch eine ziemlich unerwartet auf dem Chefsessel gelandet, da ursprünglich ein Bruder als Nachfolger des Seniors eingeplant war.

Je höher der Umsatz, desto seltener steht eine Frau an der Spitze

Obwohl Frauen mittlerweile also in fast jedem fünften Familienbetrieb das Sagen haben, liegt der Umsatzanteil der von ihnen geführten Firmen laut IfM nur bei knapp 13 Prozent: Im Jahr 2006 setzten die Familienunternehmen in Deutschland insgesamt circa 2 Billionen Euro um, davon entfielen auf die frauengeführten Unternehmen rund 256 Milliarden Euro.

Ursache hierfür ist, dass die Zahl der Frauen in den Topetagen in einem umgekehrten Verhältnis zur Größe der Unternehmen steht: Je höher der Umsatz, desto weniger Firmenlenkerinnen. So sind in Familienunternehmen, die weniger als 1 Million Euro im Jahr umsetzen, rund 20 Prozent der Chefs Frauen. In Betrieben mit einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro und mehr beträgt der Anteil der Unternehmerinnen dagegen nur knapp 10 Prozent.

Ein Ungleichgewicht herrscht auch bei den Branchen, in denen Frauen unternehmerisch aktiv sind: Die meisten Unternehmenslenkerinnen widmen sich Firmen, in denen personenbezogene Dienste erbracht werden – hierzu zählen etwa Reinigungen, Friseursalons und private Bildungseinrichtungen. In diesem Wirtschaftszweig ist ein Viertel aller Chefs weiblich. Im Handel kommen Unternehmerinnen immerhin auf eine Quote von mehr als 23 Prozent.

Im Produzierenden Gewerbe (Bergbau, Industrie und Bau) hingegen sind Chefinnen noch deutlich unterrepräsentiert: Frauen stellen dort gerade einmal 13 Prozent der Firmenlenker. Auch in den Unternehmensberatungen und in der Software-Entwicklung führen Frauen vergleichsweise selten die Geschäfte.

Alle Branchen zusammen genommen hatten im Jahr 2006 fast 2,4 Millionen Mitarbeiter eine Familienunternehmerin zum Boss – das entspricht einem Zehntel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In den Familienunternehmen selbst arbeiten rund 16 Prozent aller Beschäftigten in von Frauen geleiteten Firmen.

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