Hintergrundtext

Selbstständigkeit in Zahlen

Anders als etwa die USA gilt Deutschland nicht gerade als Eldorado der Selfmade-Unternehmerpersönlichkeiten. Die wichtigsten Zahlen und Fakten rund um das Thema Selbstständigkeit in Deutschland.

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Als Land, in dem Menschen leichten Herzens und frohen Mutes ein Unternehmen gründen, ist Deutschland nicht gerade bekannt. Im europäischen Vergleich arbeiten hierzulande besonders wenige Menschen auf eigene Rechnung: Der Anteil der Selbstständigen an allen Erwerbstätigen lag 2010 nach Eurostat-Angaben in Deutschland bei 10,5 Prozent – im Durchschnitt der Europäischen Union betrug er 14,5 Prozent. Besonders häufig sind die Griechen ihr eigener Chef, nämlich fast 30 Prozent aller Erwerbstätigen. Aber auch Italiener, Rumänen, Polen, Portugiesen und Tschechen leiten oft eine kleine oder größere Firma, zumindest aber sich selbst: Die Selbstständigenquote liegt dort zwischen knapp 23 und 17 Prozent. Noch weniger Selbstständige als in Deutschland gibt es lediglich im Baltikum sowie in Schweden, Dänemark und Luxemburg. Ganz ähnlich wie hierzulande sieht es bei Deutschlands Nachbarländern Österreich und Frankreich aus (11,3 bzw. 10,7 Prozent).

Die Gründe für diese europäischen Unterschiede sind vielfältig: Eine Rolle spielen bürokratische Gründungshemmnisse, aber auch Traditionen. Zumindest die unternehmerische Risikofreude war bei den Deutschen noch nie besonders ausgeprägt. Die weitaus meisten Menschen arbeiten hierzulande als abhängig Beschäftigte. Im Jahr 2009 waren nach Angaben des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung 55 Prozent der Erwerbstätigen Angestellte, 24 Prozent Arbeiter und Arbeiterinnen, 5 Prozent Beamte und Beamtinnen, 4 Prozent Auszubildende – und der fast schon kümmerliche Rest von 11 Prozent entfiel auf die Selbstständigen (Abweichung zu Eurostat durch unterschiedliche Abgrenzung und anderes Jahr).

Insbesondere Frauen wagen selten den Sprung in die Selbstständigkeit und zwar ziemlich genau halb so oft wie Männer. Während zuletzt knapp 14 Prozent der männlichen Erwerbstätigen auf eigenen Füßen standen, traf das gerade auf gut 7 Prozent der berufstätigen Frauen zu. Dieses Verhältnis besteht seit 1991 so gut wie unverändert – und das obwohl die Selbstständigenquote insgesamt im Laufe der vergangenen 20 Jahre doch spürbar gestiegen ist. Zu Beginn der neunziger Jahre waren noch weniger als 9 Prozent der Erwerbstätigen selbstständig. Der Geschlechterunterschied ist auch deshalb bemerkenswert, weil ohnehin schon weitaus weniger Frauen als Männer überhaupt erwerbstätig sind: Während die Erwerbstätigenquote der Männer 2009 bei rund 75 Prozent lag, waren von den Bundesbürgerinnen im Alter von 15 bis 64 Jahre nur 65 Prozent erwerbstätig.

Existenzgründer auf dem Rückzug

Momentan zeichnet sich auch nicht ab, dass Deutschland bald zum Hort der Selbstständigen und Unternehmertypen mutieren könnte. Die Zahl der Existenzgründungen ist seit einigen Jahren tendenziell auf dem absteigenden Ast. Die Mittelstandsforscher aus Bonn prognostizieren für das Jahr 2011 rund 400.000 Gründungen und etwa 380.000 Geschäftsaufgaben. Damit ist immerhin der sogenannte Gründungssaldo positiv, das heißt, es bleibt unterm Strich ein Plus an Unternehmen. Angesichts einer Unternehmenszahl von insgesamt rund 3,6 Millionen, erscheinen 400.000 Gründungen in einem Jahr viel. Überschätzen darf man diese Zahl jedoch nicht: Rund 80 Prozent aller Existenzgründer starten als Ein-Mann-Betrieb. Der Gründungsrekord der jüngeren Vergangenheit stammt aus dem Jahr 2004, damals verzeichnete die Statistik über 570.000 neue Unternehmen.

Der rückläufige Trend hat zwei Hauptursachen. Zum einen ist da die demografische Entwicklung: Unternehmen werden vor allem von 30- bis 40-Jährigen gegründet – einer Altersgruppe, die von Jahr zu Jahr schrumpft. Zum anderen trägt ausgerechnet die sinkende Arbeitslosigkeit zu einem schwächeren Gründungsinteresse bei: Da hierzulande regelmäßig gut die Hälfte der Neu-Unternehmer angibt, sich wegen mangelnder Arbeitsmarktchancen selbstständig zu machen, dampfte der Rückgang der Arbeitslosigkeit zuletzt die Gründungsmotivation. Wenn der Arbeitsmarkt weiterhin gut läuft, dürfte die Gesamtzahl der Gründungswilligen in Zukunft kaum steigen.

Zum Ausgleich nimmt dann allerdings der Anteil der chancenorientierten Gründer zu, die von ihrer Geschäftsidee überzeugt sind. Meist haben diese Geschäftsideen bessere Überlebenschancen als jene, die aus Mangel an Arbeitsmarktperspektiven heraus entstehen. Hinzu kommt, dass mehr Frauen, ältere Menschen und Zuwanderer den Schritt in die Selbstständigkeit wagen – dies wirkt zumindest zum Teil dem demografisch bedingten Rückgang der Unternehmensgründungen entgegen.

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