Hintergrundtext

Tarifverträge regeln Löhne und Arbeitsbedingungen

Wie viel ein Arbeitnehmer verdient und wie sich sein Arbeitsumfeld gestaltet, legt ein Arbeitsvertrag fest – oder ein Tarifvertrag. Doch Tarifvertrag ist nicht gleich Tarifvertrag.

Arbeitnehmer der Atlas-Werke forderten 2010 einen Firmentarif. FOTO: dpa

Das Gesetz verpflichtet Arbeitgeber und Gewerkschaften, jeden neuen Tarifvertrag dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales bekannt zu geben. Dort wird der Vertrag in das offizielle Tarifregister aufgenommen. Am Jahresende 2010 zählte das Register fast 74.000 gültige Verträge.

Inhaltlich lassen sich drei Arten von Tarifverträgen unterscheiden:

1. Manteltarifverträge: Sie umfassen das ganze Spektrum der allgemeinen Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Urlaub, Überstunden, Zuschläge, Vereinbarungen über den Akkord und den Kündigungsschutz. Zudem beantwortet der Manteltarifvertrag die Frage, in welche Lohn-, Gehalts- oder Entgeltgruppe ein Beschäftigter eingestuft wird.

2. Vergütungstarifverträge: Sie regeln die Höhe der Arbeitsentgelte. Dabei wird nur noch selten zwischen Lohntarifverträgen für Arbeiter und Gehaltstarifverträgen für Angestellte unterschieden. In den meisten Branchen sind Arbeiter und Angestellte inzwischen gleichgestellt – hier heißt das Regelwerk deshalb Entgelttarifvertrag.

3. Änderungs- und Parallelverträge: Darin steht praktisch alles, was sonst noch anfällt. Änderungs- und Parallelverträge modifizieren zum Beispiel bestehende Manteltarifverträge oder beinhalten den Abschluss ein und desselben Tarifvertrags durch verschiedene Gewerkschaften.

Alle Tarifverträge müssen dem Gesetz nach zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern abgeschlossen werden. Ein gutes Drittel aller Betriebe vertraut dabei auf das Verhandlungsgeschick ihrer Arbeitgeberverbände, die für über 300 Wirtschaftszweige insgesamt mehr als 35.000 Tarifverträge – auch Flächen- oder Verbandstarife genannt – abgeschlossen haben. In den tarifgebundenen Firmen arbeiten 54 Prozent aller Beschäftigten.

Alternativen zum Flächentarif

Auch Unternehmen, die keinem Arbeitgeberverband angehören, müssen ihre Arbeitsbeziehungen regeln – sie haben folgende Möglichkeiten:

Ausdrückliche Übernahme: Betriebsleitung und Arbeitnehmer einigen sich darauf, den zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband ausgehandelten Tarifvertrag zu übernehmen. Dazu schließt die Betriebsleitung mit jedem einzelnen Arbeitnehmer einen individuellen Vertrag. Etwa die Hälfte aller Betriebe ohne Tarifbindung geht diesen Weg, sie beschäftigen rund 20 Prozent aller Arbeitnehmer.

Firmentarifvertrag: In einige Branchen – wie der Mineralölverarbeitung oder der Luftfahrtindustrie – handeln die wenigen, dafür aber großen Unternehmen Löhne, Gehälter und andere Arbeitsbedingungen direkt mit den Gewerkschaften aus. Dort gibt es also einen Firmentarifvertrag. Im Jahr 2010 gab es in Deutschland fast 10.000 Unternehmen – darunter Volkswagen, die Lufthansa und die Telekom – die zusammen 37.275 firmenspezifische Vereinbarungen getroffen haben. Sie gelten für 7 Prozent der Arbeitnehmer.

Einzelvertragliche Lösung: Hier werden die Arbeitsbedingungen mit jedem Mitarbeiter eines Unternehmens einzeln festgelegt. Damit das nicht in einem Regelungswirrwarr ausartet, verwenden die Personalabteilungen oft standardisierte Arbeitsverträge.

Allgemeinverbindlichkeit und Günstigkeitsprinzip: Von den fast 74.000 gültigen Tarifverträgen hat der Staat Anfang 2012 insgesamt 476 als allgemeinverbindlich erklärt. Sie gelten damit auch für jene Betriebe eines Tarifgebiets, die nicht dem Arbeitgeberverband angehören oder sich freiwillig am Tarifvertrag orientieren. Das heißt, sie müssen sich wie tarifgebundene Unternehmen an das sogenannte Günstigkeitsprinzip halten: Es besagt, dass der für eine Lohngruppe vereinbarte tarifliche Stundenlohn von keinem Unternehmen unterschritten werden darf. Höhere Löhne sind dagegen erlaubt. Auch die tarifliche Arbeitszeit darf nicht verlängert werden, aber eine Verkürzung ist – bei unverändertem Lohn – erlaubt.

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