Wirtschaftslexikon

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Stresstest

Der Stresstest für Banken wurde im Juli 2010 durchgeführt. Hintergrund war die Frage, ob die europäischen Banken angesichts der massiven Staatsverschuldung in vielen europäischen Ländern so gut vorbereitet sind, dass es nicht noch einmal zu einer Finanzmarktkrise kommt. Dazu wurden drei unterschiedlich „stressige“ Situationen simuliert.

Die Testveranstalter: nationale Bankenaufsichten und CEBS

Der Stresstest wurde von den nationalen Bankenaufsichten in Abstimmung mit der Europäischen Zentralbank und dem Europäischen Ausschuss für Bankenaufsicht (CEBS) durchgeführt. Der CEBS ist eine der neuesten Behörden der Europäischen Union und berät unter anderem die EU-Kommission in Fragen der Regulierung im Bankenbereich. Im CEBS arbeiten auch Verterter der Deutschen Bundesbank und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mit.

Die Testkandidaten

Teilnehmer des Stresstest waren 91 Banken aus 20 europäischen Ländern, darunter vierzehn deutsche Banken. Die 91 Testteilnehmer repräsentieren knapp zwei Drittel des gesamten Geschäftsvolumens.

Hintergrund zum Test

Wenn, wie in jüngster Zeit, hoch verschuldete Staaten in Zahlungsschwierigkeiten kommen, bringt das auch alle betroffenen Anleger in Schwierigkeiten, denn die entsprechenden Staatspapiere verlieren an Wert. So können zum Beispiel weite Bereiche der Altersvorsorge gefährdet sein.

Viele Banken haben in ihren Portfolios einen hohen Anteil an Staatsanleihen. Die entscheidende Frage: Haben sie genügend Eigenkapital, um einen Verlust im Bereich der Staatspapiere auszuhalten?

Drei Stress-Szenarien

Im Test wurden drei unterschiedliche „stressige“ Szenarien durchgespielt, und es wurde untersucht, wie viel von den Vermögenswerten der Banken dabei jeweils bsi 2011 erhalten bleiben würde. Ab einer Kernkapitalquote von sechs Prozent galt der Stresstest als bestanden.

Szenario 1 legte die aktuelle Wachstumsprognose der EU-Kommission zugrunde und bildete somit den Referenzmaßstab.

Szenario 2 ging von einem geringeren Wachstum aus – Folge: verstärkte Kreditausfälle, Wertberichtigungen, Verringerung des Eigenkapitals.

Szenario 3 ging zusätzlich von einer weiteren Verschärfung der Staatsschulden aus – Folge: Abschreibungen von 20 Prozent des Nennwerts bei den Staatsanleihen der entsprechenden Euro-Länder.

Ergebnisse

Von den 91 getesteten europäischen Banken fielen nur sieben durch. Darunter war nur eine deutsche Bank, die in Folge der Finanzkrise verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE). Relativ knapp bestanden haben aus dem Kreis der deutsche Teilnehmer die Norddeutsche Landesbank (NordLB) und die Postbank.

Übersicht über das Abschneiden der deutschen Banken beim Stresstest

Platz 1: Landesbank Berlin mit 11,2 Prozent
Platz 2: (mit gleichem Ergebnis): Deutsche Bank, HSH Nordbank mit je 9,7 Prozent
Platz 4: (mit gleichem Ergebnis): Commerzbank, WGZ Bank mit je 9,1 Prozent
Platz 6: BayernLB mit 8,8 Prozent
Platz 7: DZ Bank mit 8,7 Prozent
Platz 8: DekaBank mit 8,4 Prozent
Platz 9: LBBW mit 8,1 Prozent
Platz 10: Helaba mit 7,3 Prozent
Platz 11: WestLB mit 7,1 Prozent
Platz 12: Postbank mit 6,6 Prozent
Platz 13: NordLB mit 6,2 Prozent
Platz 14: HRE-Gruppe mit 4,7 Prozent

Kritik am Stresstest

Die Meinungen zum Stresstest lassen sich wie folgt zusammenfassen: Als positiv wurde beurteilt, dass der Test dazu beitragen, das Vertrauen von Investoren (wieder) aufzubauen. Als negativ wurde angeführt, dass die simulierten Belastungen möglicherweise nicht ganz realistisch seien – so fehlte zum Beispiel die Simulation eines staatlichen Zahlungsausfalls.

(BW/ Stand: August 2010)

Der Stresstest im Detail auf der BaFin-Seite: