Wirtschaftslexikon

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Arbeitsgesellschaft

Als Arbeitsgesellschaft wird eine solche Gesellschaft bezeichnet, in der sich der Identifikationsprozess und die Sinnfindung der Mitglieder maßgeblich über die Erwerbsarbeit vollziehen und ihre soziale Stellung sowie das Sozialprestige an der Stellung im Beruf festgemacht werden. Aus der Erwerbsarbeit ergeben sich ganz wesentlich die Einkommens-, Teilhabe - und Lebenschancen der Menschen.

Seit den frühen 80er Jahren wird über den Wandel der Arbeitsgesellschaft intensiv und kontrovers diskutiert. Diese Debatte gipfelt zum Beispiel bei Claus Offe oder Ralf Dahrendorf in der Annahme einer abnehmenden Relevanz der Arbeit als sozialstrukturprägende Kraft, so dass sich gesellschaftliche Wirklichkeit nicht mehr durch Kategorien der Erwerbsarbeit ausreichend erfassen lasse, zumal der Arbeitsgesellschaft die Arbeit ausgehe (Krise der Arbeitsgesellschaft).

Solche Sichtweisen haben sich zwar bis heute erhalten, sie werden aber durch die Empirie widerlegt. Zwar findet ein enormer Strukturwandel der Arbeitsgesellschaft in Richtung Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft statt, die Arbeit hat aber nicht an Relevanz eingebüßt: In den sieben großen OECD-Ländern (G-7) stieg die Zahl der Vollzeitbeschäftigten zwischen 1995 und 2005 von 243,4 Millionen auf 258,4 Millionen Menschen oder um gut 6 Prozent.

Entsprechend einer Auswertung des sozio-ökonomischen Panels des DIW (SOEP) von 2004 im Rahmen des Datenreports 2006 waren die meisten Menschen in West- und Ostdeutschland mit dem Lebensbereich "Arbeit" "eher" bis "ganz und gar zufrieden" (West: 85 Prozent; Ost: 78 Prozent). "Erfolg im Beruf" hielten 71 Prozent der Westdeutschen und 76 Prozent der Ostdeutschen für sich als Lebensziel "wichtig" bis "sehr wichtig". Besonders ausgeprägt war diese Einschätzung bei den Jüngeren (18 bis 34 Jahre - West: 87 und Ost: 91 Prozent).

Im Laufe der Geschichte der Arbeit hat sich das Bild der Arbeitsgesellschaft stets durch den technischen Fortschritt und den Strukturwandel verändert und von den Menschen wurden immer neue und andere Anpassungsleistungen gefordert. Dies wird auch weiterhin der Fall sein. Doch mehr als bisher wird der Einzelne gehalten sein, eine Reihe von neuen Anpassungsleistungen zu erbringen, wenn er nicht von der modernen Arbeitsgesellschaft auf Dauer ausgeschlossen werden will. Denn sicher werden in der Arbeitsgesellschaft der Zukunft die Anforderungen steigen: an die Qualifikation, die Eigenverantwortung und -initiative, die Selbstorganisation, die Teamarbeit und die berufliche und regionale Mobilität der Menschen. Und auch die Zahl der Selbständigen wird zunehmen.