Wirtschaftslexikon

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Wertschöpfung

Die Wertschöpfung, genauer die Bruttowertschöpfung, ist ein Maß für die eigentliche wirtschaftliche Leistung eines Wirtschaftszweiges. Sie ist der Wert der innerhalb einer Branche in einer Wirtschaftsperiode (in der Regel innerhalb eines Jahres) selbst produzierten Waren und Dienstleistungen - und zwar unter Zuhilfenahme von Vorleistungen aus anderen Branchen. Zum Beispiel beinhaltet die Automobilproduktion elektrische und elektronische Teile aus der Branche Elektrotechnik. Die Bruttowertschöpfung einer Branche ergibt sich demnach als die Differenz zwischen dem Produktionswert der Branche und den Vorleistungen aus anderen Branchen.

Die Summe der Wertschöpfungen aller Branchen ergibt wiederum das Bruttoinlandsprodukt. Würde man dagegen die Produktionswerte aller Branchen addieren, dann würden einzelne Produktionsbestandteile (Vorleistungen) mehrfach berücksichtigt, und die wirtschaftliche Leistung würde insgesamt als zu hoch ausgewiesen.

Die Wertschöpfungsdaten werden zum Beispiel herangezogen, um die Anteile einzelner Branchen an der gesamtwirtschaftlichen Leistung (Bruttoinlandsprodukt) zu messen. Daraus lassen sich Aussagen über den Strukturwandel in einer Volkswirtschaft ableiten.

Wertschöpfungsdaten einzelner Branchen dienen des weiteren auch dazu, das Produktivitätsniveau und die Produktivitätsdynamik eines Wirtschaftsbereiches zu bestimmen. Hier ist es von besonderer Bedeutung, dass die Bruttowertschöpfung und nicht die Produktionswerte verwendet werden. Produktivitätskennziffern, die die Produktion als Leistungsgröße heranziehen, rechnen ansonsten den Erwerbstätigen in einer Branchen Produktionsbestandteile zu, die nicht von diesen, sondern von Erwerbstätigen in anderen Branchen erstellt wurden. Vor allem wenn es im Zeitablauf zu einer intensiveren intersektoralen Arbeitsteilung kommt, dann überzeichnet eine auf Produktionswerten basierende Messung die tatsächliche Produktivitätsdynamik. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Produktionsbestandteile, die vorher im eigenen Unternehmen erstellt wurden, in ansteigendem Ausmaß von anderen Unternehmen als Vorleistungen bezogen werden (Outsourcing).

Ein Blick auf die Entwicklung von Bruttowertschöpfung, Vorleistungen und Produktionswerten für die Industrie in Deutschland zeigt, dass sich der Vorleistungsbezug aus anderen Branchen deutlich dynamischer entwickelt hat, als die eigentliche Wirtschaftsleistung. Während die preisbereinigten Vorleistungsbezüge des Verarbeitenden Gewerbes im Zeitraum 1991 bis 2001 um über 25 Prozent gestiegen sind, ist die Bruttowertschöpfung dagegen nahezu konstant geblieben. Entsprechend ist der Anteil der Vorleistungen am Produktionswert von 61,1 Prozent im Jahr 1991 auf 66,6 Prozent in 2001 angestiegen. (Gg)

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