Berufliche Integration: Kosten und Nutzen

Berufsorientierung und Arbeitsmarkt

Gymnasien, Realschule, Hauptschule, berufliche Schulen | Sekundarstufe I + II

Hintergrundtext
27.08.2011

Wer gut ausgebildet ist, findet leichter einen Arbeitsplatz, hat bessere Karriere-Chancen und ein geringeres Armutsrisiko. Doch eine gute Ausbildung lohnt sich nicht nur für den Einzelnen, sondern auch für die Gesellschaft – das lässt sich in Euro und Cent belegen.

Ob Nachschulungen, spezielle Förderprogramme oder der Ausbau der frühkindlichen Förderung – alle Maßnahmen, die der besseren beruflichen Integration dienen, kosten die Gesellschaft erst einmal Geld. Wenn dann aber die erhofften Wirkungen eintreten, zahlen sich diese Investitionen aus.

Wie eine solche Kosten-Nutzen-Rechnung konkret aussehen könnte, hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Jahr 2010 für den Bereich der langfristigen Bildungsstrategien einmal vorgerechnet: Dabei sind die Wirtschaftswissenschaftler davon ausgegangen, dass sich die Unterschiede zwischen Migranten und Nicht-Migranten bei Bildungsabschlüssen und Arbeitslosenquoten durch die Investitionen in Sprachkurse oder den Ausbau der Kinderbetreuung bis zum Jahr 2050 halbieren. Für die Arbeitslosenquote zum Beispiel heißt das: Beträgt der Unterschied zwischen Migranten (14 Prozent Arbeitslose) und der übrigen Bevölkerung (7 Prozent Arbeitslose) heute noch 100 Prozent, sollte er im Jahr 2050 auf 50 Prozent gesunken sein.

 

Die Kosten einer besseren beruflichen Integration

Um zu verhindern, dass Kinder von Migranten schlechtere Startbedingungen haben als andere, muss der Staat vor allem in den Ausbau der Kinderbetreuung, in Sprachförderung und in Ganztagsschulen investieren. Insgesamt kosten diese Maßnahmen bis zum Jahr 2020 rund 3,1 Milliarden Euro pro Jahr. Ab 2020 kommen dann noch Folgekosten in Höhe von zirka 1,5 Milliarden Euro pro Jahr hinzu. Der Grund dafür ist einfach: Wenn die genannten Maßnahmen wie Sprachförderung und mehr Kinderbetreuung Erfolg haben, dann machen von diesen Kinder später logischerweise auch mehr eine Berufsausbildung oder gehen auf die Universität – also braucht man zusätzliche Ausbildungs- und Studienplätze.

 

Die Erträge einer besseren beruflichen Integration

Den Ausgaben stehen langfristig gesehen wesentlich höhere zusätzliche Einnahmen gegenüber. Denn mehr berufliche Integration bedeutet auf der einen Seite weniger Arbeitslose, also weniger staatliche Ausgaben für das Arbeitslosengeld und für Hartz IV – und auf der anderen Seite mehr Beschäftigung, also mehr Wachstum sowie höhere Steuereinnahmen und Abgaben an die Sozialversicherungskassen.

Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln könnte die jährliche Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts in den kommenden Jahrzehnten durch eine bessere berufliche Integration um 0,1 Prozentpunkte höher sein. Die Mehreinnahmen des Staates belaufen sich in diesem Szenario auf knapp 6 Milliarden Euro im Jahr 2020, zehn Jahre später werden es schon knapp 15 Milliarden Euro sein und im Jahr 2040 über 25 Milliarden Euro. Abzüglich aller Kosten addieren sich die Erträge durch die langfristigen Integrationsmaßnahmen bis 2050 auf mehr als 160 Milliarden Euro.