Böttcher, Goldschmied, Thermometermacher - ungewöhnliche Handwerksberufe

Berufsorientierung und Arbeitsmarkt

Sekundarstufe I + II

Hintergrundtext
22.04.2019
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Klempner, Schreiner oder Dachdecker kennt jeder. Doch das deutsche Handwerk ist weitaus vielseitiger. Wir stellen drei heute eher unbekannte Ausbildungsberufe vor

Vom Änderungsschneider bis hin zum Zweiradmechatroniker: Genau 130 Ausbildungsberufe zählt das deutsche Handwerk derzeit. So manchen Beruf vergangener Tage gibt es bereits nicht mehr. Die Stellmacher (oder auch Radmacher) konnten sich noch zu Beginn der Automobilproduktion halten, nach Einführung der industriellen Fließbandfertigung verschwand er aber nahezu. Auch der Harzer, der Baumharz sammelte, dass zur Herstellung von Teer und Terpentin benötigt wurde, konnte dem technologischen Wandel nicht standhalten. Doch andere traditionelle Handwerksberufe gibt es trotz aller Widrigkeiten auch heute noch. 

Der Böttcher

Ob Bier, Schnaps oder Wein: Alkoholische Getränke werden oft in Fässern gelagert, und genau diese fertigt ein Böttcher – in aller Regel aus Holz. Der Job des Böttcher (auch Fassbinder genannt) hat eine lange Tradition. Bereits zur Zeit der Römer nutzten die Menschen Fässer, um ihre Waren zu transportieren. Neben Getränken wurden auch Salz, Getreide oder Fisch in Holzfässern befördert.

Der Beruf des Böttchers war eine Zeit lang so gut wie ausgestorben, denn mit der Entwicklung des Kunststoffs ergaben sich einfachere Methoden, um Waren aufzubewahren und zu transportieren. Seit etwa anderthalb Jahrzehnten geht es mit den Böttcherbetrieben aber wieder aufwärts. Das Barriquefass, ein Eichenholzfass zur Lagerung von Wein, Whiskey und auch Bier, ist wieder in Mode gekommen und beschert Böttchern viele Aufträge. Den Größen der Fässer scheinen dabei keine Grenzen gesetzt, manche fassen mehrere tausend Liter.

Der Goldschmied

In Schmuckläden findet man heutzutage hauptsächlich maschinell hergestellte Ringe, Uhren und Ketten. Wer auf echte Handwerkskunst Wert legt, sollte sich dagegen an den nächsten Goldschmied wenden. Rund 1.400 Goldschmieden, Ateliers und Werkstätten gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. Die Nachfrage nach individuellem Schmuck, der mit Feile, Hammer und Co. hergestellt wird, ist dem Zentralverband der deutschen Gold-, Silberschmiede und Juweliere zufolge zuletzt deutlich angestiegen.

Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung und ist damit ein halbes Jahr länger als in vielen anderen Handwerksberufen. Wer Goldschmied werden möchte, muss außerdem erst einmal einen Ausbildungsplatz finden. Für viele Betriebe stellt die Ausbildung junger Menschen ein finanzielles Risiko dar, weil die Lehrlinge direkt mit wertvollen Materialien arbeiten.

Der Thermometermacher

Ob in Kliniken, Laboren oder Industrieunternehmen – Thermometer sind in vielen Einrichtungen unerlässlich. Dementsprechend ist der Beruf des Thermometermachers auch heute noch gefragt. Wer sich für die dreijährige Ausbildung entscheidet, muss zunächst zwischen den Fachrichtungen Thermometerblasen und Thermometerjustieren wählen. Im Thermometerblasen lernen die Azubis, Glasröhren und Glasstäbe mit Hilfe eines Brenners zu Rohlingen zu verarbeiten. Dabei ist handwerkliches Geschick gefragt, damit die Thermometer am Ende auch die gewünschte Form haben.

Das Thermometerjustieren folgt im Anschluss. Azubis dieser Fachrichtung bestimmen mit Justierbädern den Null- und den Siedepunkt und richten so die Skala ein. Eine weitere Aufgabe ist das Herstellen der Träger aus Holz, Kunststoff oder Metall für die Thermometer. Sorgfalt und Präzision sind beim Justieren besonders gefragt.


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