Die Schuldenländer: Spanien

Globalisierung und Europa

Gymnasien, Realschule, Hauptschule | Sekundarstufe I + II

Hintergrundtext
21.08.2018
104 Downloads

Die Ausgangslage: Die Probleme Spaniens lassen sich kaum mit denen von Griechenland, Portugal oder Irland vergleichen. Das Land hatte auch noch im Jahr 2011 lediglich eine Staatsverschuldung von 69 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu verkraften – und trotzdem befindet sich Spanien in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten und wird von den Finanzmärkten mit Argusaugen beobachtet. Der Grund dafür ist, dass das Land seinen außergewöhnlich langen Aufschwung von Mitte der 1990er Jahre bis 2007 zu einem Großteil dem – auf Pump finanzierten – privaten Wohnungsbau zu verdanken hatte. Als die Immobilienblase dann im Zuge der Finanzkrise platzte, blieben die Banken auf faulen Krediten sitzen, Hunderttausende Spanier verloren ihre Häuser, die Bauwirtschaft brach ein und die Arbeitslosenquote stieg von rund 8 Prozent im Jahr 2007 auf mittlerweile mehr als 25 Prozent (2012). Weil die Quote unter den bis zu 25-Jährigen sogar bei rund 50 Prozent liegt, protestierten die jungen Leute in Madrid, Barcelona und anderen Städten im Jahr 2011 monatelang gegen die Sparpolitik des sozialistischen Ministerpräsidenten Zapatero. Der setzte deshalb im November 2011 vorgezogene Neuwahlen an – und verlor sein Amt nach einer deutlichen Niederlage (minus 15 Prozent) an den konservativen Mariano Rajoy.

Spanien steht vor erheblichen Reformen seiner Wirtschaftsstruktur. Das Land muss seinen Arbeitsmarkt neu aufstellen, sein Erziehungs- und Ausbildungswesen modernisieren und, vor allem, sein Finanzsystem reformieren, denn zu viele spanische Banken haben ihr Geschäftsmodell einseitig und fahrlässig auf das Immobiliengeschäft ausgerichtet und stehen nun vor existenziellen Problemen. Im Juli 2012 waren die Schwierigkeiten so groß geworden, dass die Euro-Länder auf ihrem Gipfeltreffen in Brüssel ein Hilfspaket von 100 Milliarden Euro für die spanischen Banken beschlossen. Weil auch Spanien selbst seinen Banken kräftig unter die Arme greifen musste, ist die Staatsverschuldung binnen eines Jahres um 15 Prozentpunkte auf 84 Prozent des BIP gestiegen.

Die Situation im Sommer 2013: Im April 2013 waren zum ersten Mal in der spanischen Geschichte mehr als sechs Millionen Menschen arbeitslos, nämlich 6,2 Millionen, das entspricht einer Arbeitslosenquote von 27 Prozent. Wie in anderen südeuropäischen Ländern ist die junge Generation davon besonders hart betroffen: Mit rund 55 Prozent hat Spanien nach Griechenland die zweithöchste Jugendarbeitslosigkeit in der EU. Die ohnehin angespannte Situation im Land wird noch dadurch verschärft, dass Spanien im Jahr 2012 in eine Rezession gerutscht ist, die nach EU-Prognosen auch im Jahr 2013 fortdauern wird. Gleichzeitig wird die Staatsverschuldung nach EU-Prognosen noch einmal um 12 Prozentpunkte zulegen. Bereits von Januar bis März 2013 waren die Schulden auf den Rekordwert von 923 Milliarden Euro gestiegen.

Die aktuelle Lage: Spanien ist – wie Portugal und Irland – inzwischen nicht mehr auf die Hilfen des europäischen Rettungsschirms angewiesen, steht also finanziell wieder auf eigenen Füßen.

Die Spanier mussten mit den Geldern aus dem Rettungsschirm vor allem ihre Banken unterstützen, weil die Kreditinstitute nach dem Platzen der spanischen Immobilienblase auf einen gewaltigen Berg fauler Kredite saßen. Inzwischen ist die Umstrukturierung des Bankensektors weit fortgeschritten; Ziel ist es, die einseitige Ausrichtung auf das Immobiliengeschäft zu überwinden.

Auch das spanische Wirtschaftswachstum war – nach vier schweren Jahren – 2014 mit 1,4 Prozent wieder in den schwarzen Zahlen und die aktuellen Prognosen für 2015 und 2016 versprechen sogar doppelt so hohe Wachstumsraten. Dahinter stecken sehr gute Außenhandelszahlen aufgrund der verbesserten preislichen Wettbewerbsfähigkeit.

Ein besonderes Problem ist die nach wie vor extrem hohe Arbeitslosigkeit. Im vergangenen Jahr waren fast 25 Prozent der Erwerbspersonen ohne Job, von den 15- bis 24-jährigen Spaniern waren Ende des Jahres sogar mehr als die Hälfte ohne Beschäftigung. Diese hohen Quoten waren und sind jedoch nicht nur eine Folge der Finanz- und Schuldenkrise, sondern sind auch dem starren Arbeitsmarkt und dem reformbedürftigen spanischen Ausbildungswesen geschuldet.