Expansive Geldpolitik im Zeichen der Euro-Krise

Haushalt und Geld

Gymnasien, Realschule, Hauptschule | Sekundarstufe I + II

Hintergrundtext
02.06.2015
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Die Europäische Zentralbank hat der Eurozone nicht nur historisch niedrige Leitzinsen beschert – seit dem Frühjahr 2015 flutet sie die Märkte auch mit Geld.

Seit März 2015 kauft die Europäische Zentralbank (EZB) monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen auf. Dieses sogenannte Quantitative Easing, also die Ausweitung der Geldbasis, soll bis September 2016 laufen. Das bedeutet: Die EZB wird binnen 19 Monaten 1,1 Billionen Euro in den Markt pumpen. Für viele Skeptiker, vor allem aus Deutschland, sind damit die Dämme einer stabilitätsorientierten Geldpolitik endgültig gebrochen. Denn schließlich sind diesem Schritt schon einige unkonventionelle geldpolitische Lockerungsmaßnahmen vorausgegangen:

So hat die EZB ihren Leitzins seit Mitte 2008 von damals 4,25 Prozent bis heute gleich 14 Mal gesenkt – derzeit liegt der Hauptrefinanzierungssatz bei historisch niedrigen 0,05 Prozent.

Hintergrund für alle außergewöhnlichen Maßnahmen der EZB ist die Schuldenkrise im Euroraum. Schon als Griechenland 2010 erstmals an den Rand der Zahlungsunfähigkeit geriet, begann die europäische Notenbank damit, den Banken Staatsanleihen der Krisenländer abzukaufen. Sie hörte damit wieder auf, als EZB-Präsident Mario Draghi im Sommer 2012 sein vielzitiertes Versprechen abgab, die EZB würde „alles Nötige zu tun, um den Euro zu retten“, im Notfall also unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen. Dieses Versprechen trägt offiziell die Bezeichnung Outright Monetary Transactions (OMT). Dazu kamen ab Sommer 2014 erstmals Negativzinsen – und zwar auf die sogenannte Einlagenfazilität. Wollen private Banken Geld bei der EZB anlegen, müssen sie darauf eine Art Strafgebühr bezahlen, denn nichts anderes bedeuten negative Zinsen.


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