Medienkonsum steigt im Lockdown

Unternehmen und Markt

Sekundarstufe I + II

Hintergrundtext
22.02.2021
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Durch Maßnahmen wie mehr Homeoffice sowie Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen hat sich in der Corona-Pandemie der Alltag der Menschen verändert. Davon profitieren viele Medienformate. So verzeichnet zum Beispiel das Fernsehen deutliche Zuwächse – verantwortlich dafür sind vor allem Nachrichtensendungen.

Dass die Corona-Pandemie das Leben der Menschen verändert, zeigt sich in vielen Bereichen. Beispielsweise schlafen die Bundesbürger durch den Wegfall des Arbeitswegs morgens im Schnitt etwas länger und nehmen sich mehr Zeit für geregelte Mahlzeiten, insbesondere zur Mittagszeit – das hat eine repräsentative Umfrage von ARD und ZDF ergeben. Auch die Dauer, die täglich mit klassischen Hausarbeiten wie Putzen, Waschen oder Kochen verbracht wird, ist um rund ein Drittel gestiegen.

Besonders stark machen sich die neuen Lebensumstände aber im Medienkonsum bemerkbar. Aufgrund der Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen findet ein Großteil des Lebens zu Hause statt – als Konsequenz daraus stieg die Nutzungsdauer von medialen Formaten deutlich (Grafik):

Im Schnitt konsumierten die Bundesbürger im ersten Lockdown täglich 36 Minuten länger Medienangebote als vorher.

Während sich bei der Audionutzung der – wahrscheinlich durch seltenere Autofahrten bedingte – Rückgang im Radiokonsum mit dem verstärkten Musikstreaming über Dienste wie Spotify die Waage hält, konsumieren die Bundesbürger vor allem Video- und Textangebote länger.

Betrachtet man die Nutzung redaktioneller und literarischer Texte, hat besonders das gedruckte Buch deutlich zugelegt. So greift laut einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts GfK gut jeder Fünfte seit dem Ausbruch der Pandemie häufiger zum Buch, die Lesedauer stieg um knapp 60 Prozent.

Dabei sind es keineswegs nur die älteren Bevölkerungsgruppen, die sich verstärkt der Lektüre widmen: Die 14- bis 29-Jährigen haben im ersten Lockdown pro Tag durchschnittlich doppelt so viel Zeit wie zuvor mit dem Lesen von Romanen, Krimis und Ähnlichem verbracht – damit lasen sie länger als beispielsweise die 30- bis 49-Jährigen.

Größter Gewinner der neuen Konsumgewohnheiten sind aber die Angebote von Fernsehsendern und Streamingdiensten, deren tägliche Nutzungsdauer im ersten Lockdown um 14 Prozent stieg. So schauen die Menschen auch wieder mehr lineares Fernsehen, also live und nicht aufgezeichnet oder in Mediatheken:

Im März 2020 lag die tägliche TV-Nutzungsdauer der Bundesbürger ab drei Jahren mit durchschnittlich 244 Minuten um fast 8 Prozent über dem entsprechenden Monatswert von 2019.

Seit dem Start der Reichweitenmessung durch die Arbeitsgemeinschaft Videoforschung im Jahr 1988 war der März 2020 damit der Monat mit der elfthöchsten Nutzungsdauer.

Grund dafür ist neben dem größeren Zeitbudget der Bundesbürger auch ihr gestiegenes Informationsbedürfnis – abzulesen an den Einschaltquoten von Nachrichtensendungen (Grafik):

Sowohl die Tagesschau als auch die ZDF-Sendung heute schalteten im ersten Lockdown im Schnitt ein Drittel mehr Menschen ein als davor.

Auch die später am Abend ausgestrahlten Informationssendungen der öffentlich-rechtlichen Sender erreichten mehr Personen: Die Tagesthemen in der ARD hatten durchschnittlich ein Viertel mehr Zuschauer als vor dem Lockdown, das heute journal verbuchte ein Plus von einem Fünftel.

In den Toplisten der meistgesehenen Sendungen 2020 dominieren ebenfalls Nachrichtenformate. Mit durchschnittlich 11,8 Millionen täglichen Zuschauern erreichte die Tagesschau 2020 ihren höchsten Wert seit Beginn der Quotenmessung. Die am häufigsten eingeschaltete Nachrichtensendung, die Tagesschau vom 22. März, hatte 12,4 Millionen Zuschauer.

Zählt man die Zuschauer auf allen Kanälen zusammen, wird diese Ausgabe der Tagesschau aber noch deutlich von Angela Merkels Rede zur Corona-Krise am 18. März 2020 getoppt.

Die Ansprache der Bundeskanzlerin verfolgten allein 23 Millionen Menschen auf ARD, ZDF oder RTL – und in dieser Zahl sind noch nicht die Quoten zahlreicher kleinerer Sender enthalten, die diese Rede ebenfalls übertrugen.

Der Text erschien zuerst auf iwd.de