Wie Deutschland zu mehr Gründern kommen kann

Unternehmen und Markt

Gymnasien, Realschule, berufliche Schulen | Sekundarstufe I + II

Hintergrundtext
21.12.2015
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Unterstützung und vor allem Bildung sind die Schlüsselwörter, mit denen sich das Gründungsgeschehen in Deutschland beflügeln lässt. Außerdem sollte der Fokus stärker auf weibliche Gründerin gelegt werden.

Das Verhältnis der Bundesbürger zum selbstständigen Unternehmertum könnte besser sein. Doch woran hapert es hierzulande? Eins ist offensichtlich: Existenzgründung ist eine Frage des Geschlechts. Für den Global Entrepreneurship Monitor (GEM) werden Männer und Frauen regelmäßig nach ihren Gründungsaktivitäten in den zurückliegenden drei Jahren befragt (Grafik):

Im Jahr 2016 gaben sechs Prozent der befragten Männer, aber nur 3,1 Prozent der Frauen an, sie würden gerade an der Gründung eines Unternehmens arbeiten oder hätten dies in der jüngeren Vergangenheit getan – und dieser Unterschied besteht seit Jahren.

Mehr Unternehmerinnen gebraucht

Weibliche Gründungsscheu ist zwar kein typisch deutsches, sondern ein internationales Phänomen, sie bietet aber trotzdem einen Ansatzpunkt dafür, wie Deutschland zu mehr Unternehmensgründungen kommen könnte: Nämlich indem gezielt Frauen unterstützt und ans Unternehmerinnen-Dasein als Karriere-Option herangeführt werden. Dass Luft nach oben besteht, demonstrieren zum Beispiel die US-Amerikanerinnen und Kanadierinnen, aber auch Niederländerinnen und Britinnen mit Gründungsquoten zwischen sieben und elf Prozent.

Ein anderer Ansatzpunkt wäre, etwaige Gründungshemmnisse abzubauen. Nach den GEM-Ergebnissen scheint das Gründungsklima hierzulande einer der größten Schwachpunkte zu sein: Es herrscht keine echte Gründungskultur und die gesellschaftliche Einstellung zum selbstständigen Unternehmertum ist eher negativ.

Angst vor dem Scheitern

Dieses Klima verstärkt die grundsätzliche Angst vorm Scheitern: Geht der Plan vom eigenen Unternehmen nicht auf, bleibt der Gründer häufig auf einem hohen Schuldenberg sitzen und wird von der Gesellschaft als „Versager“ abgestempelt. Inzwischen sind aber einige Formate aus anderen Ländern nach Deutschland übergeschwappt, die genau diese Angst nehmen sollen. Ein Beispiel dafür sind die „Fuckup Nights“, die 2012 in Mexiko entstanden sind und inzwischen auch in rund 20 deutschen Städten abgehalten werden. Bei diesen Veranstaltungen erzählen gescheiterte Gründer mit einer Prise Humor gewürzt ihre Geschichte und berichten von den herben Rückschlägen, die sie als Unternehmensgründer erlebt haben. Ziel ist, Scheitern nicht als Schande, sondern als Chance zu verstehen und einen Austausch zwischen Jungunternehmern herzustellen.

Auch Fernsehshows sollen das Gründen hierzulande für attraktiver machen: Seit 2014 stellen Unternehmensgründer und Erfinder ihre Geschäftsideen zum Beispiel in „Die Höhle der Löwen“ vor und hoffen auf ein Angebot und Risikokapital der Investoren aus der Jury. Selbst wenn kein Deal zustande kommt, profitieren die Start-ups häufig von der Sendung, die das Unternehmen und sein Produkt durch ihre Reichweite bundesweit bekannt macht.

Know-how für Gründungen fehlt

Dennoch ist Deutschland verglichen mit anderen Ländern nicht der beste Standort, um ein Unternehmen aufzubauen. Als problematisch gelten die Vielzahl an Regulierungen und das Steuersystem sowie der Wissenstransfer zwischen Forschung und Wirtschaft beispielsweise durchAusgründungen, während Infrastruktur und Fördermaßnahmen als gut eingestuft werden.

Vielen Menschen fehlt es auch schlicht und einfach an Gründungs-Know-how: Sowohl die schulische als auch die außerschulische Gründungsbildung in Deutschland wurden im GEM als besonders schlecht einschätzt. Abhilfe schaffen können hier zum Beispiel die Gründerwochen und Beratungsangebote der Industrie- und Handelskammern, Schülerfirmen-Projekte wie JUNIOR, vor allem aber: generell mehr Wirtschaftsbezug im Schulunterricht.


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