Hintergrundtext

Deutschlands Stromversorgung heute

Alle Energiequellen, aus denen Deutschland seinen Strombedarf gegenwärtig deckt, haben ihre Vor- und Nachteile. Dem energiepolitischen Zieldreieck werden sie in unterschiedlichem Maß gerecht.

Das Braunkohlekraftwerk Niederaußem FOTO: RWE

Braunkohle und Steinkohle 

Die Stromerzeugung aus Kohle hat neben der guten Verfügbarkeit des Rohstoffs weitere Vorteile: Kohlekraftwerke liefern Elektrizität zuverlässig und relativ preisgünstig. So kostet die Produktion einer Megawattstunde Braunkohlestrom etwa 48 Euro, die der gleiche Menge Steinkohlestrom 54 Euro (Stand 2008). Die Braunkohleverstromung eignet sich daher besonders gut für die sogenannte Grundlast-Versorgung. Dadurch, dass sich Kohlekraftwerke nur langsam hoch- und runterregeln lassen, können sie Verbrauchsspitzen allerdings kaum auffangen. 

Der größte Nachteil der Kohle sind die Kohlendioxid-Emissionen, die bei ihrer Verbrennung entstehen. Braunkohle schneidet dabei noch etwas schlechter ab als Steinkohle, weil ihr Energiegehalt geringer ist. Das heißt, um die gleiche Menge Strom zu erzeugen, muss mehr Braunkohle verfeuert werden und entsprechend mehr Kohlendioxid gelangt in die Atmosphäre. Moderne Braunkohlekraftwerke versuchen, diesen Nachteil auszubügeln: Sie zeichnen sich vor allem durch einen verbesserten Wirkungsgrad aus, sprich eine höhere Stromausbeute. Bei der Verbrennung verpufft also weniger Energie ungenutzt als Wärme. In die Erzeugungskosten des Braunkohle- und Steinkohlestroms ist dieser Nachteil in Form des Preises für CO2-Emissionszertifikate schon eingerechnet. 

Nicht verschwiegen werden darf ein weiterer großer Minuspunkt der Braunkohle: die Zerstörung der Landschaft. Der oberirdische Abbau der Braunkohle hinterlässt riesige Krater, für die Tagebaustätten mussten schon ganze Dörfer schon umgesiedelt werden.

Braunkohle ist noch vor der Kernenergie der wichtigste Energieträger in Deutschland: Im Jahr 2010 lieferte sie gut 23 Prozent des hierzulande erzeugten Stroms. Nicht ganz so viel, nämlich knapp 19 Prozent, steuert die Steinkohle zur hiesigen Stromversorgung bei. Nimmt man beide Kohlesorten zusammen, ist der fossile Brennstoff allerdings mit Abstand die Stromquelle Nummer 1. Nicht ohne Grund: Deutschland hat nach wie vor üppige Braunkohlevorkommen, vor allem im rheinischen Braunkohlerevier zwischen Aachen, Köln und Grevenbroich, in der Lausitz bei Cottbus und im mitteldeutschen Revier zwischen Leipzig, Halle und Bitterfeld. Der Braunkohleabbau ist vergleichsweise günstig, weil er mit riesigen Baggern über Tage erfolgt.

Auch Steinkohle ist in Deutschland noch reichlich vorhanden, und zwar im Ruhrgebiet, im Saarland und bei Ibbenbüren. Sie muss allerdings tief unter Tage gefördert werden. Das ist technisch aufwendig, und es werden viele Bergleute gebraucht – dadurch ist der Steinkohleabbau in Deutschland eine kostspielige Angelegenheit, und kann eigentlich nicht mehr mit der Einfuhr ausländischer Kohle konkurrieren. Noch aber wird der Steinkohlebergbau subventioniert. Diese Förderung läuft bis 2018 aus. Dann wird Deutschland seinen Steinkohlebedarf vermutlich vollständig über Importe decken. Da es relativ viele Lieferländer gibt, die obendrein politisch stabil sind, ist diese Versorgungsstrategie jedoch weniger riskant, als man vermuten könnte.

Atomkraft

Sie war im vergangenen Jahr Deutschlands zweitwichtigste Stromquelle – ihr Anteil an der Stromerzeugung lag 2010 bei knapp 23 Prozent. Nüchtern betrachtet hat die Kernenergie zweifelsohne gewisse Vorzüge: Sie liefert günstigen Strom zu Produktionskosten von rund 34 Euro je Megawattstunde, und an Kernbrennstoff (speziell angereichertes Uran) herrscht noch keine Knappheit.

Außerdem entsteht in Kernkraftwerken kein CO2. Dies war einer der Hauptgründe für die Laufzeitverlängerung der Atomreaktoren im Jahr 2010. Die Bundesregierung hoffte, auf diese Weise ihre ehrgeizigen Klimaziele zu relativ geringen Kosten zu erreichen.

Doch Deutschlands billigste Energiequelle ist zugleich die umstrittenste. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen: Welche Gefahren für Mensch und Natur von Reaktorunfällen ausgehen, zeigte schon 1986 das Unglück in Tschernobyl – kommt es zur Atomkatastrophe, kann der Mensch sie nicht beherrschen. Und auch Fukushima lehrt: Mag das „Restrisiko“ noch so klein sein – wenn es eintritt, verursacht es nicht wieder gut zu machende Schäden.

Weiterhin ungelöst ist zudem das Problem der Endlagerung. Unabhängig davon, wie sicher oder unsicher diese Stätten wirklich sind – fest steht: Die Bundesbürger wollen sie nicht in ihrer Nähe haben. Das zeigen auch die inzwischen seit Jahrzehnten anhaltenden Proteste gegen die Castor-Transporte in das Zwischenlager Gorleben und gegen die Endlagerung von radioaktiven Abfällen im ehemaligen Salzbergwerk Asse (beide in Niedersachsen).

Erneuerbare Energien

Wind- und Wasserkraft, Solarenergie und Biomasse sind seit den neunziger Jahren kräftig auf dem Vormarsch. Zuletzt hatten sie einen Anteil an Stromerzeugung von 16,5 Prozent und lagen damit noch vor Erdgas. Zum Aufstieg der erneuerbaren Energien beigetragen hat das Stromeinspeisungsgesetz von 1991, das die Netzbetreiber verpflichtete, den regenerativ erzeugten Strom zu bestimmten Preisen abzunehmen und in ihren Netzen zu transportieren. Im Jahr 2000 trat dann das erste Erneuerbare-Energien-Gesetz in Kraft, das für Strom aus regenerativen Quellen ziemlich hohe, feste Vergütungssätze vorsah. Diese Förderung von Windkraft und Co. war vor allem umweltpolitisch motiviert: Die natürlichen Ressourcen werden geschont, es entstehen keine CO2-Emssionen und obendrein reduziert sich die Abhängigkeit von den Ölförderländern.

Der Nachteil der natürlichen Energiequellen Sonne und Wind liegt jedoch auf der Hand: Sie stehen nicht zuverlässig zur Verfügung. Die Sonne scheint nicht jeden Tag, und manchmal herrscht ein sehr laues Lüftchen. Es muss also stets konventionelle Kraftwerke in der Hinterhand geben, die bei Bedarf einspringen können. Die Weiterentwicklung und der Ausbau von Stromspeichertechnologien (z. B. Pumpspeicher) können ebenfalls weiterhelfen.

Hinzu kommt, dass Wind-, Solar- und Biomassestrom momentan noch weitaus teurer sind als Kohle- und Atomstrom. Der Hauptkostenfaktor sind die hohen Investitionen in die Anlagen. Dass sich diese überhaupt rechnen, ist zum einen der staatlichen Förderung, also den garantierten Einspeisevergütungen zu verdanken. Zum anderen liegt es daran, dass die Netzbetreiber verpflichtet sind, sämtliche Windparks, Photovoltaik- und Biogasanlagen an das Stromnetz anzuschließen, also die Kosten des Netzausbaus tragen.

Soll die Energiewende in Deutschland mit moderaten Strompreisen einhergehen, müssen die erneuerbaren Energien in Zukunft günstiger bereitgestellt werden als bisher. Dazu ist technischer Fortschritt nötig, aber auch eine Konzentration auf besonders geeignete – wind- und sonnenreiche – Standorte. Sind aber erst einmal genügend Anlagen vorhanden, geht die Rechnung besser auf – zumal die „Brennstoffe“ Wind und Sonne im Gegensatz zu Kohle, Gas und Uran kostenlos zu haben sind.

Erdgas und Erdöl

Aus Öl wird hierzulande so gut wie kein Strom gewonnen – zu Recht, denn der Rohstoff ist knapp, viel zu wichtig für andere Verwendungszwecke wie den Straßenverkehr und hat zudem eine schlechte Klimabilanz.

Erdgas dagegen hat mittlerweile einen Anteil von fast 14 Prozent an der Stromerzeugung. Der größte Vorzug von Gas ist, dass bei seiner Verbrennung deutlich weniger Kohlendioxid entsteht als bei der Kohle- oder Erdölverstromung. Zudem lassen sich Gaskraftwerke schnell hochfahren und wieder abstellen, so dass sie zum einen hervorragend geeignet sind, um die schwankende Stromversorgung aus regenerativen Quellen auszugleichen, und zum anderen, um die Spitzenlast abzudecken. Außerdem erfordern Gaskraftwerke vergleichsweise geringe Investitionen. Als Nachteile sind die hohe Abhängigkeit Deutschlands vom Erdgas-Hauptlieferanten Russland sowie den Transitländern und der hohe Brennstoffpreis zu nennen.

Quick-Finder
Aktuelle Themen

Ich brauche ...

THEMA


FORMAT


SCHLAGWORT


Neue Unterrichtsmaterialien und Informationen zu aktuellen Themen – bleiben Sie auf dem Laufenden.

Wir freuen uns über Ihr Feedback und Ihre Anregungen.