Hintergrundtext

Die wirtschaftliche Bedeutung des Sports

Großereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele 2012 ziehen zwar Millionen Menschen in ihren Bann, doch wie groß der volkswirtschaftliche Effekt des Sports genau ist, lässt sich auch heute noch kaum sagen.

FOTO: Fotolia/Gernot Krautberger

Wie unvollkommen die Erkenntnisse über die Bedeutung des Sports als Wirtschaftsfaktor sind, zeigt zum Beispiel der 12. Sportbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2010: Gerade eine von 132 Seiten beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Sport und Wirtschaft. Das ist zu wenig, hat auch die Bundesregierung erkannt: Ihr Ziel ist es, „in den kommenden Jahren die notwendigen Voraussetzung dafür zu schaffen, auf der Grundlage sicherer Daten eine tatsächliche Aussage zur Bedeutung der Sportwirtschaft im gesamtwirtschaftlichen Umfeld treffen zu können“.

Zu diesem Zweck erstellt Deutschland (sowie einige andere EU-Länder) nun ein sogenanntes Sportsatellitenkonto. Nötig ist das, weil die Wertschöpfung des Sports tatsächlich nicht einfach aus den üblichen Statistiken, also der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, herauszulesen ist. Die Sportwirtschaft ist kein Wirtschaftszweig im eigentlichen Sinn, sondern eine sogenannte Querschnittbranche: Es gibt zwar reine Sportgüterhersteller, aber auch Unternehmen aus vielen anderen Branchen, zum Beispiel aus der Medienwirtschaft oder dem Baugewerbe, verdienen ihr Geld mit dem Sport.

Einige Werte, die die wirtschaftliche Bedeutung des Sports umreißen, nennt der Sportbericht allerdings schon:

  • Schätzungen zufolge trägt der Sport derzeit gut 3 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Europäischen Union bei. Zum Vergleich: Das ist in etwa halb so viel, wie die Bauwirtschaft zur Bruttowertschöpfung der 27 EU-Länder beisteuert, und rund 1 Prozentpunkt mehr als der Anteil der Landwirtschaft.
  • Bau und Instandhaltung von Sportanlagen haben einen Anteil von rund 1,1 Prozent an den deutschen Bauinvestitionen.
  • Der Export von Sportbekleidung, -schuhen und -geräten hatte 2009 einen Anteil von 0,15 Prozent an den gesamten deutschen Ausfuhren, die Sportartikel-Importe machten 0,25 Prozent aller Einfuhren aus.
  • Wie viele Arbeitsplätze der Sport und die Sportwirtschaft schaffen, dazu macht der Bericht eher rudimentäre Angaben: So kam der „Betrieb von Sportanlagen und Sportvereinen“ 2007 auf rund 50.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte, hinzu kamen mehr als 9.000 Mitarbeiter in Fitnessstudios. Damit ist allerdings wenig darüber gesagt, wie viele Menschen insgesamt vom Sport leben, als da zum Beispiel wären: Profisportler, Personal-Trainer, Leistungsdiagnostiker, Sportärzte und Physiotherapeuten, Sportjournalisten, die Beschäftigten im Sporteinzelhandel und bei Sportgüterherstellern sowie Agentur-Mitarbeiter.

Zwei von der Bundesregierung beim Institut für Sportwissenschaft der Universität Mainz und bei der Mainzer Beratungsfirma 2hm in Auftrag gegebene Studien für das Sportsatellitenkonto schließen nun die ersten Erkenntnislücken: Die Wissenschaftler haben den Sportkonsum sowie die weitgehend unsichtbaren Geldflüsse für Sponsoring, Werbung und Medienrechte unter die Lupe genommen.

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