Wirtschaftslexikon

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Schumpeter, Joseph Alois

Der Österreicher Joseph Alois Schumpeter (1883 - 1950) gehört zu den einflussreichsten Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts. Schumpeter, Sohn eines Tuchfabrikanten, studierte Jura und Staatswissenschaft in Wien. Nach Studienaufenthalten in Berlin und England übernahm er 1907 für ein Jahr eine anwaltliche Tätigkeit in Kairo und habilitierte sich 1909 in Wien mit seiner Arbeit "Das Wesen und der Hauptinhalt der theoretischen Nationalökonomie". Danach arbeitete er an verschiedenen Universitäten der Welt (Wien, Czernowitz, Graz, New York). 1919 wurde er Finanzminister in Österreich unter Karl Renner, trat aber nach kurzer Amtszeit (nach sieben Monaten) zurück. Erfolglos blieb schließlich auch seine vierjährige Tätigkeit als Präsident der M. L. Biedermann & Co Bankaktiengesellschaft - er musste die Pleite der Bank erleben. Danach setzte er bis 1950 seine wissenschaftliche Arbeit als Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Bonn und an der Harvard University, Cambridge (Mass.) fort und unternahm zahlreiche Vortragsreisen.

Das Problem der Volkswirtschaft ist bei Schumpeter nicht das Gleichgewicht sondern der strukturelle Wandel, das Ungleichgewicht. Der eigentliche Träger der Volkswirtschaft ist deshalb der Innovator in Gestalt des Unternehmers. Den Kern des modernen Wirtschaftens macht die Innovation aus, die durch die Aufstellung einer neuen Produktionsfunktion zur "schöpferischen Zerstörung" führt. Aus diesem Denken heraus besteht die Rolle des Gewinns denn auch in seiner Funktion der Finanzierung künftiger Innovationen - der Gewinn ist so ein dringendes Gebot, um die Zukunft zu bewältigen. Er bemühte sich die "langen Wellen" der Konjunktur theoretisch und empirisch zu fundieren und nannte sie ihrem Entdecker zu Ehren "Kondratieff-Zyklen". Technische Basisinnovationen, die meist im Abschwung der Konjunktur auftreten, haben eine lange Folge von Anschlussinnovationen zur Folge. Innovationen spielen eine große Rolle bei der kapitalistischen Entwicklung. Sie alle führen zu einem allgemeinen Wirtschaftsaufschwung. Schumpeters zyklische Entwicklungstheorie kennt daher kein kontinuierliches Wachstum und kein Marktgleichgewicht.

In den letzten Jahren wurden die Theorien Schumpeters wieder neu entdeckt und geehrt. Zu seinen Hauptwerken zählen: "Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung" (1911), "Business Cycles" (1939) und "Capitalism, Socialism and Democracy" (1942). In letzterem kam Schumpeter zu der These, dass der Kapitalismus durch seine eigenen Erfolge zugrunde gehe: Es entstehe eine neue Schicht aus Intellektuellen, Bürokraten, Professoren und Journalisten, die von den Früchten des Kapitalismus lebten. (Me)

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