Wirtschaftslexikon

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Seniorenwirtschaft (Silver Economy/silver market)

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Folgen des demographischen Wandels hat sich der mehr oder weniger glückliche Begriff der Seniorenwirtschaft eingebürgert. Mit ihm ist der Teil der Wirtschaft gemeint, der sich systematischer mit den Bedürfnissen und Konsumwünschen älterer Menschen beschäftigt und entsprechend neue und / oder angepasste Produkte und Dienstleistungen anbietet. Als Hauptbranchen kommen in Frage:

  • Bildung/ Freizeit/Tourismus;
  • Ernährungswirtschaft;
  • Wohnen/Dienstleistungswirtschaft;
  • Transport;
  • Handwerk sowie
  • Medizin/Gesundheit/Pflege.

Steigen wird vor allem die Nachfrage nach haushaltsnahen Dienstleistungen. Von dem übrigen Teil der Wirtschaft ist dieser Sektor indes nicht trennscharf zu unterscheiden. Angestrebt wird im Übrigen ein "Universal design", also Produktentwürfe für möglichst alle Altersgruppen. Davon werden sehr viele Branchen betroffen sein. Mitentscheidend für die Entwicklung des Seniorenmarktes wird allerdings die Entwicklung der Einkünfte von Rentnerhaushalten sein.

In Deutschland sind Idee und Konzept einer eigenständigen Seniorenwirtschaft noch relativ jung; fraglich ist, ob es überhaupt eines eigenständigen Sektors bedarf. Idee und Konzept basieren auf einem Vorstellungsbild von älteren Menschen als selbständige und nicht als abhängige Individuen, die als Klienten von einer Dienstleistungsökonomie nur "bewirtschaftet", versorgt, werden müssen. Älteren Menschen wird vielmehr eine eigenständige Verbraucherrolle auf den öffentlichen und privaten Konsummärkten zuerkannt, was ihrem steigenden Selbstwertgefühl in der Gesellschaft entspricht. Die Altersphase kann zunehmend weniger als Ruhe- denn als Schaffensphase verstanden werden ("aktive Alte").

Damit wird in der neuen Diskussion um die Folgen des demographischen Wandels der Blick auch auf die ökonomischen Chancen gerichtet. Die Alterung der Bevölkerung wird nicht mehr nur als sozialpolitische Belastung aufgefasst. Manche Gerontologen gehen davon aus, dass die älteren Menschen der Zukunft ein anderes Konsumverhalten aufweisen werden als die von heute: eine insgesamt höhere Konsumquote, eine geringere Sparquote sowie eine höhere Qualitätssensibilität. Im Fünften Altenbericht für die Bundesregierung wird die Seniorenwirtschaft auch als Impulsgeber für Wachstum und Beschäftigung verstanden.

Untersuchungen, beispielsweise die Allensbacher Markt- und Werbeträger-Analyse (AWA) des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) oder der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zeigen, dass es sich bei der älteren Generation (z. B. der so genannten Generation 50-Plus) um eine sehr interessante Zielgruppe handelt, die im Vergleich zu früheren Generationen ökonomisch interessanter, aktiver und meist länger gesund, aber auch sehr heterogen ist. Japan und auch die USA gelten als Länder, in denen die Einstellung der Wirtschaft auf die älter werdende Kundschaft mit am weitesten fortgeschritten ist.

Inzwischen haben sich auch in Deutschland eine Reihe von Bundesländern, Kommunen und auch Industrie- und Handelskammern für den Auf- und Ausbau der Seniorenwirtschaft engagiert. So zum Beispiel das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW), das eine "Geschäftsstelle Seniorenwirtschaft" beim Institut Arbeit und Technik, Gelsenkirchen, einrichtete und 2005 eine erste europäische Konferenz zur Seniorenwirtschaft veranstaltete. Ein funktionierender und ausreichender Seniorenmarkt ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass es zu einem "aktiven Altern" im Sinne des Paradigmas der Weltgesundheitsorganisation von 2002 kommen kann. (Me)

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