Arbeitszeiten im internationalen Vergleich

Berufsorientierung und Arbeitsmarkt

Sekundarstufe I + II

Hintergrundtext
04.04.2023
257Downloads

In der Bundesrepublik wird im Vergleich zu anderen Ländern wenig gearbeitet. Dennoch würden hierzulande vor allem Vollzeiterwerbstätige ihre Arbeitszeiten gerne reduzieren.

Nach ihr bemisst sich das individuelle Einkommen, der Output eines Unternehmens und letzten Endes auch das Wohlstandsniveau einer Volkswirtschaft: Die Rede ist von der Arbeitszeit. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiteten im Jahr 2021 Vollzeiterwerbstätige in Deutschland durchschnittlich 39 Stunden (inklusive Überstunden) pro Woche, Teilzeitkräfte kamen auf 18 Wochenstunden (ohne Überstunden).

Im Durchschnitt betrug die Wochenarbeitszeit aller Erwerbstätigen im Jahr 2021 in Deutschland 32 Stunden.

Zum Vergleich: Im Jahr 1991 arbeiteten die Menschen in Deutschland noch deutlich länger, nämlich durchschnittlich 37,7 Stunden in der Woche. Die Arbeitszeit der Vollzeiterwerbstätigen ist über die Jahre relativ konstant geblieben. Die geringere gesamtwirtschaftliche Wochenarbeitszeit ergibt sich vor allem daraus, dass mittlerweile deutlich mehr Personen in Teilzeit arbeiten als früher: Laut IAB hat sich die Quote seit 1991 mehr als verdoppelt – sie stieg von 18,5 Prozent auf 38,5 Prozent.

Fragt man die Arbeitnehmer nach ihrem Wunschwochenpensum, zeigt sich, dass die meisten eher weniger Zeit im Job verbringen wollen. Laut Sozio-oekonomischem Panel wünschen sich die Menschen in Deutschland im Schnitt eine wöchentliche Arbeitszeit von 32,8 Stunden. Damit ist die Wunscharbeitszeit so niedrig wie noch nie seit der erstmaligen Erhebung im Jahr 1985. Das ist zwar etwas mehr als die vom IAB angegebene Wochenarbeitszeit, doch es sind vor allem Berufstätige in Vollzeit, die ihr Arbeitspensum gerne reduzieren würden. Das Gros der Teilzeiter dagegen würde gerne ein wenig aufstocken, allerdings nicht auf ein Vollzeitpensum. Was rein rechnerisch verlockend klingt – hier reduzieren, dort erhöhen – funktioniert in der Praxis auf dem Arbeitsmarkt allerdings nicht. Schließlich unterscheiden sich die Tätigkeiten der beiden Gruppen in der Regel.

Was passiert, wenn das Arbeitszeitvolumen weiter sinkt?

Sollte das hiesige Arbeitszeitvolumen weiter sinken, hätte das dramatische Konsequenzen – nicht nur für die Sozialsysteme, sondern auch für den Wirtschaftsstandort. Denn wo weniger gearbeitet wird, verringert sich tendenziell auch die Produktion und sinkt die personelle Kapazität, Innovationen zu entwickeln.

Schon jetzt ist Deutschland der OECD-Staat, in dem am wenigsten gearbeitet wird (Grafik):

Im Jahr 2021 kam die Bundesrepublik auf eine durchschnittliche Jahresarbeitszeit von gerade einmal 1.349 Stunden je Erwerbstätigen – der OECD-Schnitt lag bei 1.716 Stunden.

Franzosen verbrachten im Schnitt 1.490 Stunden im Job, Polen sogar 1.830 Stunden. EU-weit am meisten geschuftet wurde 2021 in Griechenland – mit einer durchschnittlichen Jahresarbeitszeit je Erwerbstätigen von 1.872 Stunden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf iwd.de