Mangel an Kitaplätzen für Kleinkinder

Staat und Wirtschaftspolitik

Sekundarstufe I + II

Hintergrundtext
30.11.2023
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Obwohl seit 2013 Eltern auch für Kinder unter drei Jahren einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz haben, reicht das Angebot in Deutschland längst nicht aus. Zwischen den Bundesländern gibt es dabei teils gravierende Unterschiede.

Viele Mütter und Väter wären heutzutage ohne Kitas oder Tageseltern nicht in der Lage, arbeiten zu gehen. Seit 2013 haben sie in Deutschland auch für ihre Kinder ab dem ersten Geburtstag einen rechtlichen Anspruch auf Betreuung – zuvor galt das nur für Kinder im Kindergartenalter. Von diesem Recht machen die Eltern von kleineren Kindern regen Gebrauch. So wurden im März 2023 deutschlandweit etwa zwei von drei Zweijährigen in einer Kindertagesstätte oder bei Tageseltern betreut. Je nach Bundesland ist die Quote allerdings unterschiedlich hoch. Der Spitzenreiter findet sich im Nordosten (Grafik):

In Mecklenburg-Vorpommern wurden im März 2023 rund 90 Prozent der Zweijährigen in einer Kita oder bei Tageseltern betreut.

Während Thüringen mit einer Betreuungsquote von gut 89 Prozent nahezu gleichauf liegt, wurden in Bremen lediglich rund 58 Prozent der zweijährigen Kinder regelmäßig von ihren Eltern in eine Kita oder zu Tageseltern gebracht.

Diese Quoten sagen allerdings noch nichts über den tatsächlichen Betreuungsbedarf aus. Das Angebot an Betreuungsplätzen ist über ganz Deutschland hinweg in den vergangenen zehn Jahren stark ausgebaut worden, doch gleichzeitig hat auch der Bedarf immer weiter zugenommen – unter anderem, weil die Erwerbsbeteiligung von Frauen gestiegen ist. In Zahlen ausgedrückt:

Unterm Strich bedeutet das eine Betreuungslücke von fast 300.000 Plätzen.

Ob und in welchem Alter die Eltern eine Betreuung nachfragen, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Neben den Kosten spielt es auch eine Rolle, ob die Öffnungszeiten zum Tagesablauf der Mütter und Väter passen. Auch die Gruppengröße oder die pädagogischen Kompetenzen der Erzieher werden bei der Entscheidung miteinbezogen – etwa inwieweit die Erzieherinnen und Erzieher die Kinder durch Vorlesen oder Lernspiele fördern.

Kita-Ausbau unterschiedlich stark

Diese und andere Gründe dürften dazu beitragen, dass sich in Bayern lediglich gut 42 Prozent und in Baden-Württemberg knapp 45 Prozent der Eltern eine Betreuung für ihre Kinder unter drei Jahren wünschen – in Brandenburg und in Sachsen-Anhalt dagegen rund 64 Prozent.

Zugleich ist aber auch der Kita-Ausbau in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich weit fortgeschritten. Im Ergebnis zeigt sich bei der Betreuungslücke ein West-Ost-Gefälle: Während in den westdeutschen Bundesländern im März 2023 durchschnittlich 14 Prozent der unter Dreijährigen trotz Bedarf der Eltern nicht betreut werden konnten, war die Lücke in Ostdeutschland mit weniger als 7 Prozent nicht einmal halb so groß. Am besten war die Situation wiederum ganz im Nordosten (Grafik):

In Mecklenburg-Vorpommern gingen lediglich knapp 3 Prozent der unter Dreijährigen trotz Betreuungsbedarf leer aus.

Insgesamt gab es in diesem Bundesland zuletzt gerade einmal rund 1.100 Betreuungsplätze zu wenig.

Während in absoluten Zahlen die meisten Plätze in Nordrhein-Westfalen fehlten, konnten in Bremen anteilig die wenigsten Wünsche der Eltern erfüllt werden: Dort war im März dieses Jahres für rund 20 Prozent der unter Dreijährigen trotz Bedarf kein Betreuungsangebot vorhanden.

Abwärtstrend bei Geburtenzahlen

Dass die Betreuungslücken zeitnah geschlossen werden, ist unwahrscheinlich – nicht zuletzt, weil es landauf, landab einen Mangel an pädagogischen Fachkräften gibt.

Für eine Entlastung könnte zumindest auf längere Sicht die demografische Entwicklung sorgen: Während die Zahl der Neugeborenen in Deutschland im Jahr 2021 mit gut 795.000 den höchsten Wert seit der Jahrtausendwende erreichte, zeigt der Trend seither abwärts. So kamen laut Statistischen Bundesamt hierzulande im ersten Halbjahr 2023 lediglich noch 336.000 Kinder zur Welt – 21.000 weniger als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Allerdings sind die regionalen Unterschiede erheblich – vor allem Großstädte und Ballungszentren können aufgrund vieler Zuzüge vorerst nicht mit sinkenden Kinderzahlen planen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf iwd.de