Airlines durch Corona gebeutelt

Unternehmen und Markt

Sekundarstufe I + II

Hintergrundtext
21.01.2021
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Die Corona-Pandemie hat die Fluggesellschaften in eine tiefe Krise gestürzt, weil die Menschen nicht reisen wollten oder konnten. Voraussichtlich wird es mehrere Jahre dauern, bis das Verkehrsaufkommen von 2019 wieder erreicht ist. Schon jetzt hat die Krise viele Arbeitsplätze in der Branche gekostet.

In kaum einer Branche waren die dramatischen Auswirkungen der Corona-Pandemie so deutlich wie in der Luftfahrt. Ob Angst vor Ansteckung im Flugzeug, Grenzschließungen, Quarantäneregelungen — all diese Maßnahmen machten Flugreisen unattraktiv oder gar unmöglich. Die Folge in Deutschland (Grafik):

Im April 2020 wurden an deutschen Flughäfen fast 99 Prozent weniger Passagiere abgefertigt als ein Jahr zuvor.

Nach einem kurzen Aufwärtstrend im Sommer gingen die Passagierzahlen zuletzt wieder stärker zurück – im November betrug das Minus im Vorjahresvergleich 90 Prozent.

Diese Entwicklung hat die Fluggesellschaften finanziell schwer getroffen, denn die in Deutschland und anderen Ländern geltenden Kurzarbeitsregelungen konnten nur einen Teil der sehr hohen laufenden Kosten – zum Beispiel für Zinszahlungen und den Unterhalt der Flugzeugflotten – auffangen.

In dieser existenzbedrohenden Lage erhielten viele Airlines von ihren jeweiligen Heimatstaaten finanzielle Hilfen – die Lufthansa beispielsweise wurde bislang insgesamt mit 9 Milliarden Euro unterstützt, unter anderem in Form einer Staatsbeteiligung.

Auch künftig werden befristete Maßnahmen wie das Kurzarbeitergeld die Fluggesellschaften nicht durch die Krise tragen können. Denn brancheninternen Schätzungen zufolge könnte es bis 2025 dauern, bis das Verkehrsniveau von 2019 wieder erreicht wird. Zudem dürften die Einnahmen gerade von klassischen Netzwerk-Airlines wie der Lufthansa dauerhaft sinken, weil das lukrative Geschäft in der Businessclass schrumpft: Statt ihre Mitarbeiter für Meetings rund um die Welt fliegen zu lassen, nutzen viele Unternehmen inzwischen Videokonferenzen – und werden das wohl auch künftig tun. Das hat Konsequenzen für den Carrier:

Die Lufthansa Gruppe – vor der Pandemie mit 138.000 Beschäftigten und 763 Flugzeugen die größte europäische Fluggesellschaft – wird nach heutigem Stand rund 29.000 Arbeitsplätze abbauen müssen.

Ein schwacher Trost für die Belegschaft: Da die Anpassungen zügiger als anfangs erwartet vorangingen und bis Ende 2020 unter anderem durch Fluktuation bereits mehr als 20.000 Stellen abgebaut wurden, ist zumindest kein weiterer Kahlschlag zu erwarten, wenn die Unterstützung durch die Kurzarbeit Ende 2021 ausläuft.

Der Text erschien zuerst auf iwd.de