Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten bezeichnen den Anteil der Arbeitskosten, die auf eine Produkteinheit entfallen („Wie viel Lohnkosten stecken in einem Auto?“). Sie sind ein Maßstab für die Kosten-Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Um die durchschnittlichen Lohnstückkosten in einer Volkswirtschaft zu errechnen, werden die Arbeitskosten je Arbeitnehmer ins Verhältnis gesetzt zur erbrachten Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigen (Produktivität).

Die Lohnstückkosten sind besonders niedrig, wenn sich geringe Arbeitskosten mit hoher Produktivität kombinieren lassen. Das ist oft bei Direktinvestitionen in Niedriglohnländer möglich. Denn mit ihren Investitionen schulen die Unternehmen die neuen Mitarbeiter vor Ort, bringen moderne Maschinen mit und führen effiziente Herstellungsverfahren ein. Auf diese Weise steigern sie die Produktivität. Gleichzeitig bleiben jedoch die Arbeitskosten für das Unternehmen unter dem Niveau vieler Konkurrenzstandorte.

Lohnstückkosten und internationale Wettbewerbsfähigkeit

Betrachtet man nicht einzelne Unternehmensstandorte, sondern Länder, dann werden nennenswerte Unterschiede bei den Arbeitskosten oft durch ähnlich große Unterschiede bei den Produktivitätsniveaus ausgeglichen – das heißt: Länder mit hohen Arbeitskosten arbeiten auch hochproduktiv, und umgekehrt. In Deutschland geht diese Rechnung allerdings nicht ganz auf: Die wichtigsten ausländischen Konkurrenzländer produzierten im Jahr 2009 im Schnitt zu 18 Prozent niedrigeren Lohnstückkosten.

Die Betrachtung des Lohnstückkosten-Niveaus allein kann allerdings in die Irre führen. Der Grund: Ein Land könnte auch dann niedrige Lohnstückkosten aufweisen, wenn es für die Herstellung seiner Güter vergleichsweise wenig Arbeitskräfte und stattdessen zum Beispiel viele Maschinen einsetzt. Wichtig für die Bewertung der internationalen Kosten-Wettbewerbsfähigkeit ist daher auch die Entwicklung der Lohnstückkosten.

Empirisch zeigt sich, dass Länder mit einem besonders starken Anstieg der Lohnstückkosten Mühe haben, Marktanteile auf ihren Absatzmärkten zu verteidigen. Die westdeutsche Industrie hat dies vor allem in der ersten Hälfte der neunziger Jahre zu spüren bekommen, als die Lohnstückkosten denen der Konkurrenz davonliefen. Umgekehrt hat sich die Position Deutschlands wieder verbessert, als diese ungünstige Entwicklung korrigiert wurde: So konnten deutsche Unternehmen seit Mitte der 1990er-Jahre ihre Marktanteile auf den ausländischen Absatzmärkten trotz der immer stärker werdenden Konkurrenz aus China um 9 Prozent verbessern.

(letzte Aktualisierung: Mai 2011)