Mindestlohn

Der Begriff „Mindestlohn“ bezeichnet dreierlei:

  • Lohn, der dem Arbeitnehmer das Existenzminimum sichert
  • Tariflohn, der die Untergrenze für die in den einzelnen Unternehmen tatsächlich gezahlten Löhne bildet
  • durch Gesetz (Erlass, Verordnung) vorgeschriebener geringster, zulässiger Lohn

Pro und Contra

Die Befürworter von gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlöhnen versprechen sich einen Schutz vor allem für nicht gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer. Kritiker dagegen sehen im Mindestlohn eher ein Einstellungshindernis. Vor allem Jugendliche und gering qualifizierte Arbeitslose hätten es bei Mindestlöhnen schwer, Arbeit zu finden. Weil ihr Leistungsvermögen eingeschränkt ist, erwirtschaften sie an ihrem Arbeitsplatz zu wenig, um ihren eigenen (Mindest-)Lohn „hereinzuholen". Daher – so das Argument der Kritiker – führen Mindestlöhne dazu, dass Unternehmen immer weniger solcher Jobs anbieten.

Mindestlohn in Deutschland

In Deutschland gilt seit dem 1. Januar 2017 ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde. Laut Mindestlohngesetz wird der gesetzliche Mindestlohn alle zwei Jahre neu festgelegt. Er steigt nun in zwei Schritten: Ab dem 1. Januar 2019 beträgt er 9,19 Euro und ab 2020 9,35 Euro pro Stunde.

Der gesetzliche Mindestlohn gilt nicht für alle. Ausgeschlossen sind:

  • Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung
  • Auszubildende im Rahmen der Berufsausbildung
  • Langzeitarbeitslose während der ersten sechs Monate ihrer neuen Beschäftigung
  • Praktikanten, wenn das Praktikum verpflichtend im Rahmen einer schulischen oder hochschulischen Ausbildung stattfindet
  • Praktikanten, wenn es sich um ein freiwilliges Praktikum von bis zu drei Monaten zur Berufsorientierung handelt
  • Jugendliche, die an einer Berufsbildungsvorbereitung nach dem Berufsbildungsgesetz teilnehmen
  • Ehrenamtliche


Mindestlohn in der Europäischen Union

In der Europäischen Union gab es Stand Januar 2018 in 22 der 27 Mitgliedsstaaten ein flächendeckenden Mindestlohn. In den meisten dieser Länder legt der Staat den Mindestlohn per Gesetz fest – in der Regel nach Beratungen mit den Tarifpartnern. In einigen Ländern wird der Mindestlohn dagegen in sektorenübergreifenden Vereinbarungen bestimmt.