NAIRU (inflationsneutrale Arbeitslosenquote)

Die NAIRU (Non-Accelerating Inflation Rate of Unemployment) ist die niedrigste Arbeitslosenquote, die langfristig vorherrschen kann, ohne dass sich die Inflation beschleunigt oder verlangsamt. Im Deutschen wird die NAIRU daher auch als „inflationsneutrale Arbeitslosenquote“ bezeichnet.

Das NAIRU-Konzept basiert nach Angaben des amerikanischen Nobelpreisträgers Paul A. Samuelson auf der Annahme, dass sich Volkswirtschaften immer in einer der folgenden drei Zustände befinden:

  • Überschüssige Nachfrage: In Zeiten geringer Arbeitslosigkeit und hoher Auslastung aller Produktionskapazitäten fragen Konsumenten viele Waren und Dienstleistungen nach, während die Unternehmen verstärkt neue Mitarbeiter suchen. Beides führt dazu, dass Preise und Löhne schneller steigen als zuvor.
  • Überschüssiges Angebot: Sind dagegen viele Menschen arbeitslos und die Verbraucherstimmung im Keller, senken Unternehmen ihre Preise und Beschäftigte begnügen sich mit moderaten Lohnforderungen.
  • Neutraler Zustand: In dieser Situation halten sich der Druck zu Lohnsteigerungen, der von offenen Stellen ausgeht und der Druck zu moderater Lohnpolitik, der durch Arbeitslosigkeit erzeugt wird, die Waage. Die NAIRU ist also erreicht, so dass die Inflationsrate konstant bleibt.

Einflussfaktoren

Ökonomen gehen davon aus, dass die Höhe der NAIRU von verschiedenen Faktoren bestimmt wird. Dazu zählt beispielsweise der Grad der Arbeitsmarktregulierung, der Wettbewerbsdruck auf den Gütermärkten sowie die Durchsetzungsfähigkeit von Arbeitnehmern, Arbeitgebern und Tarifpartnern in Gehaltsverhandlungen. Die Höhe der NAIRU variiert daher von Land zu Land und kann sich zudem im Zeitverlauf ändern.

Indikator für strukturelle Arbeitslosigkeit

Liegt die Arbeitslosenquote eines Landes über der NAIRU, kann nach dem NAIRU-Konzept ein konjunktureller Aufschwung die Arbeitslosigkeit verringern, ohne dass die Inflation steigt. Sinkt die Arbeitslosenquote unter die NAIRU würde die Inflation anziehen und die Notenbank müsste intervenieren.

Mit anderen Worten: Die Erfordernis stabiler Preissteigerungsraten vorausgesetzt, kann die Arbeitslosigkeit nach dem NAIRU-Konzept unterhalb der inflationsneutralen Arbeitslosenquote nicht mehr durch einen Wirtschaftsaufschwung allein reduziert werden, sondern nur durch begleitende angebotsseitige Reformen, wie etwa einer Deregulierung des Arbeitsmarktes. Die NAIRU wird daher zuweilen als Indikator für die Höhe der strukturellen Arbeitslosigkeit herangezogen – also derjenigen Arbeitslosigkeit, die selbst in langen wirtschaftlich guten Zeiten bestehen bleibt.

Die NAIRU in Deutschland

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) schätzt die deutsche NAIRU im Jahr 2011 auf rund 7,9 Prozent. Andere Studien, etwa der Bundesbank, der OECD und des ZEW kamen um die Jahrtausendwende zu ähnlichen Ergebnissen. Nach Schätzungen des Mannheimer ZEW  etwa lag die westdeutsche NAIRU im Jahr 1998 zwischen 7,9 Prozent und 8,2 Prozent, während sie sich zu Beginn der achtziger Jahre noch auf rund 5 Prozent belief.

(neu erstellt: April 2011)